Jassins Tötung schürt Hass, Angst und Gewalt

Aktualisiert

Jassins Tötung schürt Hass, Angst und Gewalt

Mit der Tötung des Hamas-Gründers Scheich Ahmed Jassin hat Israel den Zorn der arabischen Welt neu entfacht.

Regierungen in aller Welt verurteilten den Anschlag und warfen Israel Verletzung des Völkerrechts vor.

«Israel hat kein Recht zu aussergesetzlichen Tötungen», betonten die EU-Aussenminister in einer gemeinsamen Erklärung. Die gezielte Tötung des Hamas-Gründers habe die Situation weiter angeheizt. Auch Frankreichs Präsident Jacques Chirac betonte, der Anschlag widerspreche dem Völkerrecht.

Der britische Premier Tony Blair rief Israel eindringlich zum Verzicht auf «exzessives Handeln» auf. Der aussenpolitische EU- Beauftragte Javier Solana sagte, das Vorgehen Israels schaffe keine Bedingungen für Dialog und Frieden, die so dringend gebraucht würden.

Rice: USA waren nicht informiert

Zurückhaltend äusserten sich die USA. Das Aussenministerium forderte beide Seiten auf, nichts zu unternehmen, was «bessere Tage» verhindere. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice beteuerte, entgegen palästinensischen Vermutungen sei die US-Regierung nicht über die Anschlagspläne informiert worden.

Keine direkte Kritik an Israel kam von Russland, dem vierten Mitglied des Nahost-Quartetts nebst den USA, der EU und der UNO. Das russische Aussenministerium äusserte lediglich «ernsthafte Besorgnis» über das Vorgehen Israels und über die Racheschwüre der Palästinenser. China zeigte sich ebenfalls «besorgt».

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) anerkannte zwar Israels Recht auf Selbstverteidigung, bezeichnete die «Ermordung» Jassins aber zugleich als völkerrechtswidrig. Gewaltsame Antworten könnten nicht konstruktiv sein, sagte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey auf Anfrage der sda.

Mussa: Israelischer Staatsterror

Wütende Reaktionen kamen aus der arabischen Welt. So bezeichnete Amr Mussa, Generalsekretär der arabischen Liga, den israelischen Angriff als «Staatsterror in seiner hässlichsten Form». Die Tötung kurz vor dem Arabischen Gipfel (29./30. März) verschärfe die Spannungen in der Krisenregion.

Mit Ägypten und Jordanien kam Kritik auch aus jenen zwei arabischen Ländern, die mit Israel durch ein Friedensabkommen verbunden sind. So erklärte Jordaniens König Abdullah II., das Attentat werde in der Region zu «weiterer Eskalation, Gewalt und Instabilität» führen.

Ägypten, das am 23. März 1979 als erstes arabisches Land einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte, sagte aus Protest gegen Jassins Tötung die 25-Jahr-Feier zur Unterzeichnung des Abkommens in Camp David ab. «Heute ist der Friedensprozess abgebrochen werden; er muss nun wieder von ganz neuem begonnen werden», sagte Präsident Husni Mubarak in Kairo.

«Feiges Verbrechen»

Die jemenitische Regierung nannte die Tötung des Hamas-Scheichs ein «gefährliches, feiges, terroristisches Verbrechen». Syriens Präsident Baschar el Assad sagte, die Tat reihe sich ein in eine «Serie von Morden und Zerstörungen gegen das palästinensische Volk».

Mohsen Abdelhamid vom irakischen Regierungsrat sagte, die Tat werde dazu führen, dass «die Muslime eine gemeinsame Haltung finden, um der Aggression des Verbrechers Ariel Scharon entgegenzutreten.»

(sda)

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