Aktualisiert 12.11.2004 00:09

Jassir Arafat: Ein Grab mit Erde aus Jerusalem

Jassir Arafat ist tot. Der palästinensische Präsident starb gestern Morgen um 3.30 Uhr auf der Intensivstation des Percy-Militärkrankenhauses in Clamart bei Paris. Fast zwei Wochen dauerte sein Todeskampf. Seinen Wunsch nach einer Beisetzung in Jerusalem hat Israel abgeschmettert.

Im Beisein von Premierminister Jean-Pierre Raffarin und der von Weinkrämpfen geschüttelten Witwe Suha Arafat spielte eine Militärkapelle auf dem Militärflughafen Villacoublay bei Paris die französische und die palästinensische Nationalhymne. Jassir Arafats Sarg war mit der palästinensischen Flagge bedeckt.

Eine Abordnung der Republikanischen Garde säumte den Weg zum Flugzeug, das den Leichnam und Suha Arafat nach Kairo brachte. Die Maschine landete gestern Abend gegen 22 Uhr in der ägyptischen Hauptstadt, wo heute die offizielle Abdankungsfeier stattfinden wird. Die Feierlichkeiten werden ab 10 Uhr auf SF1 live übertragen.

Aussenministerin Micheline Calmy-Rey vertritt die Schweiz an der Zeremonie.

Die behandelnden französischen Ärzte machten zur Todesursache keine öffentlichen Angaben. Bis zuletzt wurde über die Krankheit von Jassir Arafat gerätselt. Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Vertraulichkeit glauben einige an eine Taktik der palästinensischen Führung. «Arafats Tod könnte von einer lang bekannten, chronischen Krankheit herrühren», sagt Orient-Experte Rory Miller vom Londoner King's College. «Und nun müssten sich die Politiker aus Ramallah die Frage gefallen lassen, weshalb sie nicht früher etwas dagegen unternommen haben.»

Beerdigung in mobilem Steinsarg

Nach der offiziellen Abdankungsfeier auf einem Militärflughafen bei Kairo wird der Leichnam Arafats heute nach Ramallah geflogen. Der Palästinenserführer wird auf dem Areal seines Hauptquartiers in einem Steinsarg beerdigt, um eine spätere Umbettung nach Jerusalem zu ermöglichen. Israel hat eine Bestattung in Jerusalem abgelehnt und den Gazastreifen als letzte Ruhestätte vorgeschlagen. Ramallah gilt nun als Kompromiss. Die Palästinenser haben

jedoch erklärt, an der Grabstätte in Jerusalem festzuhalten: «Arafats letzte Ruhestätte wird die Al-Aksa-Moschee sein.» (sda)

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