Berlusconi unter Druck: «Je eher er geht, desto besser»
Aktualisiert

Berlusconi unter Druck«Je eher er geht, desto besser»

Nach den neuesten Äffaren und Äusserungen des Cavaliere scheint sich Italien von geliebten Präsidenten abzuwenden.

von
Victor L. Simpson
dapd

Mit einer ewig lächelnden braun gebrannten Fassade hat Silvio Berlusconi eine ganze Reihe von Skandalen überstanden, allmählich scheint das Image des italienischen Ministerpräsidenten aber doch zu bröckeln: Selbst in Bevölkerungsgruppen, die bislang überzeugt oder zumindest verständnisvoll hinter dem 74-Jährigen und seinem «Dolce Vita»-Lebenswandel standen, macht sich inzwischen Kritik breit. Berlusconi spricht indes von einer Schmutzkampagne und will an seinem Amt festhalten.

So lange die Italiener ihn mehrheitlich haben wollten, werde er Regierungschef bleiben, kündigte Berlusconi am Donnerstag vor ranghohen Parteimitgliedern an. Zuvor hatten Zeitungen angebliche Mitschriften von der Vernehmung einer Prostituierten abgedruckt, die vergangene Woche von der Staatsanwaltschaft befragt wurde. Sie sei von Berlusconi während einer Party in seiner Villa auf Sardinien vor zwei Jahren für Sex bezahlt worden, erklärte die Frau demnach. Berlusconi hat stets betont, er sei kein Heiliger, habe aber nie Sex gegen Geld gehabt.

Richtig Probleme machen könnte dem Regierungschef ein weiterer Skandal - der Fall Ruby: Berlusconi hatte sich im Mai für die damals Minderjährige eingesetzt, nachdem sie unter Diebstahlsverdacht von der Polizei festgenommen wurde. Viele sehen darin einen Fall von Machtmissbrauch, der für jeden anderen Politiker in einer westlichen Demokratie das politische Ende bedeuten würde.

Wut bei Homosexuellen-Organisationen

Statt wegen der Vorwürfe den Kopf einzuziehen, setzte Berlusconi noch eines drauf: Es sei besser, hübsche Mädchen als Homosexuelle zu lieben, erklärte er freimütig. Damit zog er sich nicht nur den Zorn von Schwulenorganisationen zu, sondern sorgte auch bei Bevölkerungsgruppen für Irritationen, die ihn sonst unterstützen. Sie sei empört und beschämt, sagte beispielsweise die 70-jährige Anna Sidozzi zu Berlusconis Äusserung.

Auch den Ruby-Skandal werde der Ministerpräsident vielleicht überleben, «aber er wird immer schwächer», schätzt Franco Pavoncello von der John Cabot University. In «normalen, modernen» Demokratien wäre dem Politikwissenschaftler zufolge «so etwas nicht möglich». Berlusconi dagegen argumentiert, dass die Wirtschaftskrise nicht der richtige Zeitpunkt für den Sturz einer Regierung sei. Und er hat Recht damit, dass eine vorgezogene Neuwahl das Land geteilt und führungslos machen würde - eine Aussicht, die viele Italiener fürchten.

Berlusconi pocht auf Mehrheit

Seinen Anhängern versicherte Berlusconi in den vergangenen Tagen, seine Regierung habe noch immer die Mehrheit und werde auch für den Rest ihrer fünfjährigen Amtszeit im Amt bleiben. Unterstützung erhielt er vom renommierten Kommentator Sergio Romano, der am Mittwoch in der Zeitung «Corriere della Sera» Erfolge der Regierung Berlusconi aufzählte. Zugleich wurde der Ministerpräsident allerdings ermahnt, seine Zunge zu hüten.

Am Mittwoch berichteten Zeitungen, die Staatsanwaltschaft habe einen Bericht über angeblichen Drogenkonsum und die Arbeit Prostituierter bei Partys in Berlusconis Villa auf Sardinien ausgearbeitet. «Je eher er geht, desto besser», sagte der 42-jährige Fabio Natale. «Er vermengt die Macht, die ihm sein Amt gibt, mit seinen privaten Interessen. Er vermischt seine Pflichten mit seinen Rechten.»

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