Je geringer das Einkommen, desto kränker

Aktualisiert

Je geringer das Einkommen, desto kränker

Der Gesundheitszustand der Bevölkerung im Kanton Zürich ist stark vom jeweiligen Bildungsgrad und Einkommen abhängig, wie die jüngste Untersuchung zeigt.

Die am Dienstag präsentierte Studie des Instituts für Sozial-und Präventivmedizin der Universität Zürich macht deutlich, dass Alter und Geschlecht den grössten Einfluss auf Wohlbefinden und Gesundheit haben. Weitere zentrale Faktoren sind Bildung und Einkommen, soziale Integration und individueller Lebensstil.

Dies belegt, dass Gesundheitspolitik nicht isoliert betrachtet werden kann, wie Gesundheitsdirektorin Verena Diener sagte: Auch Sozial-, Bildungs-, Verkehrs- und Umweltpolitik wirken sich direkt darauf aus. Das am Montag von Kantonsparlament beschlossene Gesundheitsgesetz hält deshalb ausdrücklich fest, dass Prävention eine direktionübergreifende Aufgabe ist.

Trotz insgesamt guter Gesundheit der Zürcher Bevölkerung zeigt der Bericht auch Bedenkliches: Jeder zweite Zürcher, jede zweite Zürcherin hat mindestens einmal im Leben schwerwiegende psychische Probleme, fast ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist übergewichtig, und der Missbrauch von Alkohol, Tabak und anderen Drogen ist schon bei Jugendlichen im Schulalter verbreitet.

Wichtig und nötig sei nun eine Verbesserung der Prävention, sagte Diener. Eine Regelung auf gesamtschweizerischer Ebene ist zurzeit in Arbeit. Im Kanton gelte es, in den nächsten Jahren neue Schwerpunktprogramme zu lancieren. Dies obliege dann aber ihrem Nachfolger, sagte Diener, welche ihr Amt als Regierungsrätin demnächst abgibt.

Der Bericht schlägt sechs Bereiche vor, in denen am wirksamsten Verbesserungen erzielt werden können: Übergewicht, Psychische Krankheiten, Suchtmittelkonsum, Männer mittleren Alters, Ausländer sowie die Schule. Mit Sicherheit fehle das Geld, um alles zu machen,sagte Diener. Man müsse sich auf den einen oder anderen Punkt konzentrieren.

Männer: Je älter desto ungesünderes Leben

Deutliche Unterschiede kommen im Verhalten der Geschlechter zum Vorschein: Der persönliche Lebensstil wurde erhoben anhand der fünf Kriterien Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkoholkonsum und Körpergewicht.

Männer halten sich mit fortschreitendem Alter immer weniger an die Empfehlungen. Achten von den 15- bis 34-Jährigen noch rund 40 Prozent auf einen gesunden Lebensstil, so sinkt dieser Anteil auf unter 20 Prozent bei den über 65-Jährigen. Bei den Frauen bleibt der Anteil durch alle Altersklassen ungefähr stabil bei rund 50 Prozent.

Dass Männer im Durchschnitt weniger als Frauen darauf achten, was ihnen gut täte, ist laut Diener mit ein Grund für die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter.

Die Statistik veranschaulicht dies mit «verlorenen Lebensjahren». Gemeint ist die vor dem 70. Geburtstag verlorene Lebenszeit (ohne Todesfälle im ersten Lebensjahr). Stirbt also jemand mit 65, so sind das 5 «verlorene Jahre». Im Kanton Zürich verlieren die Männer im Jahresdurchschnitt 24 050 Lebensjahre, die Frauen bloss 13 480 Jahre.

Kleinverdiener sind kränker

Die Bevölkerung im Kanton Zürich ist insgesamt bei ziemlich guter Gesundheit, wie die jüngste Untersuchung zeigt. Sie hängt allerdings stark von der jeweiligen individuellen Situation ab. Verbessert werden kann vorab die Prävention.

Der Einfluss von Bildung und Einkommen kommt in der Erhebung auch deutlich zum Ausdruck: Bei guter bis sehr guter Gesundheit sind mehr als 90 Prozent der Menschen mit hohem Bildungsgrad, aber nur 66 Prozent der Personen mit leichtem Schulsack.

Und während sich von den Kleinverdienern (unter 3000 Franken) 17,5 Prozent sehr oder ziemlich schlecht fühlen, trifft dies für Leute mit mehr als 6000 Franken Monatseinkommen nur für 8,3 Prozent zu. Und schliesslich ist auch die soziale Integration wichtig: Je zufriedener jemand mit seinen sozialen Beziehungen ist, desto besser fühlt er sich auch gesundheitlich. (sda)

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