Aktualisiert 18.05.2016 05:01

Jürgen Klopp

«Je grösser der Druck ist, desto cooler bin ich»

Nach einigen zweiten Plätzen will Jürgen Klopp mit Liverpool endlich wieder einen Titel. Aber wieso spricht der Deutsche vor dem Final in Basel gegen Sevilla über Sion?

von
E. Tedesco
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Am Tag vor dem Europa-League-Final in Basel steht die offizielle Medienkonferenz im St.-Jakob-Park auf dem Programm. Jürgen Klopp ist guter Dinge und scherzt: «Die englischen Journalisten sind so lange deine Freunde, bis sie es nicht mehr sind.»

Am Tag vor dem Europa-League-Final in Basel steht die offizielle Medienkonferenz im St.-Jakob-Park auf dem Programm. Jürgen Klopp ist guter Dinge und scherzt: «Die englischen Journalisten sind so lange deine Freunde, bis sie es nicht mehr sind.»

Uefa
Nach der Medienkonferenz trommelt der Deutsche seine Mannschaft fürs Abschlusstraining im Joggeli zusammen. Seit 2001 hat Liverpool keinen europäischen Titel mehr gewonnen. In Basel wollen die Reds die Sehnsucht der Fans stillen.

Nach der Medienkonferenz trommelt der Deutsche seine Mannschaft fürs Abschlusstraining im Joggeli zusammen. Seit 2001 hat Liverpool keinen europäischen Titel mehr gewonnen. In Basel wollen die Reds die Sehnsucht der Fans stillen.

AP/Martin Meissner
Der Gegner für Klopp und seine Mannen heisst Sevilla, der Titelverteidiger. Im Endspiel geht es auch um das Ticket zur Champions League, das der Sieger löst.

Der Gegner für Klopp und seine Mannen heisst Sevilla, der Titelverteidiger. Im Endspiel geht es auch um das Ticket zur Champions League, das der Sieger löst.

Keystone/Georgios Kefalas

«Ich schwöre, ich werde dieses Spiel nie vergessen», sagte Jürgen Klopp letzten Dezember nach dem Gruppenspiel in Sion (0:0). «Fussball ist eine Outdoor-Sportart, aber gefrorene Böden sind für andere Sportarten gedacht», so der 48-Jährige damals. Er hat es wirklich nicht vergessen. Denn auf die Frage, welches seine unvergesslichen Momente auf dem Weg in den Europa-League-Final sind, sagt Klopp am Dienstag an der Medienkonferenz in Basel sofort «der gefrorene Boden in Sion» und lacht.

Während James Milner spricht, setzt sich der ehemalige BVB-Trainer immer wieder die Kopfhörer auf und lauscht dem Dolmetscher, verzieht das Gesicht und grinst. Ob wegen der Übersetzung oder dem extremen Dialekt des Vize-Captains – wer weiss? Sicher ist: Trotz Spannung vor dem Endspiel am Mittwoch ist Klopp locker drauf.

Keine Garantie, aber ein Versprechen

«Je grösser der Druck ist, desto cooler bin ich», entgegnet der Deutsche. «Ich spüre keinen Druck. Ich spüre die Chance.» Er wisse, wie gross die Sehnsucht der Fans ist, nach 2001 endlich wieder einen europäischen Titel zu holen. «Ich kann den Titel nicht garantieren, aber ich kann versprechen, dass wir versuchen werden, die Träume unserer Fans zu erfüllen.»

Bis jetzt schimmert seine Medaillensammlung im Trophäenschrank vor allem silbrig. Fünf Endspiele hat Klopp als Trainer erlebt, die letzten vier hat er allesamt verloren. «Klar hätte es besser laufen können, aber frustriert bin ich deshalb nicht. Zuhause habe ich einige Silbermedaillen zu viel, aber mir geht es gut damit. Trotzdem stehe ich auf diese Alles-oder nichts-Situation, weil man alles bekommen kann.»

Mit dem Selbstvertrauen eines Deutschen

Auch diesmal, und dies gleich doppelt. Neben dem Titel wäre der EL-Sieg auch Gold wert, weil Liverpool damit nächste Saison in der Königsklasse vertreten wäre, obwohl man in der Liga nur auf Platz 8 gelandet ist. Die Champions League – auch davon träumt man in Liverpool.

Auf die Frage, welcher Sevilla-Spieler gefährlich sei, sagt Klopp kurz und knapp: «Jeder. Das Ziel ist, dass man nicht über die Spieler von Sevilla spricht, sondern über unsere.» Für den spanischen Fussball findet Klopp nur lobende Worte und spricht vom «aktuell besten Fussball». Einen kleinen Seitenhieb kann sich der Deutsche dann aber doch nicht verkneifen: «Spanien spielt auf einem sehr hohen Niveau, aber der aktuelle Weltmeister heisst Deutschland – und vielleicht auch der künftige Europameister.»

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