Sexuelle Belästigung in der Gastro – das sagt die Community

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Belästigungen in Gastrobranche«Je mehr Alkohol floss, desto mehr Sprüche musste ich mir gefallen lassen»

Gastro Suisse erhebt keine Daten zu sexuellen Belästigungen in der Branche und sieht keinen Handlungsbedarf. Das finden Leserinnen und Leser nicht richtig.

von
Gabriela Graber
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Sexuelle Belästigung in der Gastronomie ist ein Problem. Das zeigen Zahlen und Expertenaussagen. 

Sexuelle Belästigung in der Gastronomie ist ein Problem. Das zeigen Zahlen und Expertenaussagen. 

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Auch bei 20 Minuten haben sich diverse Betroffene gemeldet. 

Auch bei 20 Minuten haben sich diverse Betroffene gemeldet. 

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Anders sieht das der Branchenverband Gastro Suisse, dem keine Fälle bekannt seien. Der Verband sieht keinen Handlungsbedarf. 

Anders sieht das der Branchenverband Gastro Suisse, dem keine Fälle bekannt seien. Der Verband sieht keinen Handlungsbedarf. 

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Darum gehts

  • Der Branchenverband Gastro Suisse sieht keine Probleme mit sexueller Belästigung in der Gastronomie.

  • Doch allein in Zürich haben die Beratungsanfragen wegen sexueller Belästigung innert drei Jahren um 25 Prozent zugenommen. 

  • Ein Grossteil der Community sieht Handlungsbedarf.

Ihnen seien im Bereich Gastronomie und Hotellerie keine Vorfälle von sexuellen Übergriffen bekannt, so der Verband für Hotellerie und Restauration Gastro Suisse in einem Artikel der NZZ. «Weder zwischen Gästen und Mitarbeitenden noch intern», bestätigt ein Mediensprecher gegenüber 20 Minuten. Der Verband sehe deshalb keinen Handlungsbedarf.

Zahlen zeigen dagegen ein anderes Bild: Bei einer Zürcher Fachstelle haben die Beratungsanfragen wegen sexueller Belästigung von 2019 bis 2022 um 25 Prozent zugenommen. Die meisten Anfragen würden von Arbeitnehmenden aus der Pflege, Gastronomie und Bildung stammen. Eine nationale Studie kam bereits 2013 zum Schluss, dass das Gastgewerbe zu den Branchen mit überdurchschnittlich vielen Vorfällen gehöre.

Dass Gastro Suisse wegschaut, finden viele Leserinnen und Leser nicht in Ordnung:

«Krass! Schon traurig, so etwas», kommentiert User deinnachbar. «Ist ja echt traurig, wenn dies einfach unter den Teppich gekehrt wird. Nicht hinzuschauen löst keine Probleme», so User Abeth. Und felinex schreibt: «Das ist leider ein bekanntes Problem und hat schon viele aus der Gastronomie vertrieben.»

Klaps auf den Po, betatscht werden, blöde Anmache 

Mehrere Leserinnen und Leser erzählen von ihren persönlichen Erfahrungen in Restauration und Hotellerie: «Je mehr Alkohol floss, desto mehr sexistische Sprüche musste ich mir gefallen lassen. Klapse auf den Po, betatscht werden und blöde Anmache sind gang und gäbe gewesen», so Leserin MarianneVilomena, die deshalb die Branche verlassen hat.

Leserin mirj009 hat Ähnliches erlebt: «Der beste Freund meines Chefs hat mich sexuell belästigt, während der Chef nur zusah. Ich kündigte daraufhin.» Doch nicht nur Leserinnen geben an, Belästigungen erfahren zu haben. «Als junger Wander-Kellner wurde ich Anfang der Nullerjahre oft von Frauen angemacht und mit anzüglichen Bemerkungen zu ihnen nach Hause ‹eingeladen›», berichtet User eon5.

Andere Mitglieder der Community haben dagegen keine derartigen Erfahrungen gemacht. «Ich arbeite seit 35 Jahren in der Branche und kenne keinen einzigen Fall», so sudler. Und User CharresackSöckli erachtet es nicht als die Verantwortung von Gastro Suisse, gegen sexuelle Belästigungen vorzugehen: «Es kann nicht ihre Aufgabe sein, Polizei zu spielen und flächendeckend zu überwachen.»

*Name der Redaktion bekannt.

Hast du sexuelle Belästigung auf der Arbeit erlebt?  

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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