Glücksforschung: Je mehr Geschenke, desto weniger Besinnlichkeit
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GlücksforschungJe mehr Geschenke, desto weniger Besinnlichkeit

Geschenke und Konsum machen uns nicht glücklich. Das meint einer, der es wissen muss: Ökonom und Glücksforscher Bruno S. Frey. Und was verschenkt er an Weihnachten?

von
Isabel Strassheim
Forscht nach dem Glück: Bruno S. Frey

Forscht nach dem Glück: Bruno S. Frey

Unsere Glückssuche hat sich verschoben. In einer Überflussgesellschaft funktioniert sie anders als in einer von Armut geprägten. Wer zum Beispiel keine Angst mehr haben muss davor, dass die Waschmaschine kaputtgeht oder die Arztrechnung nicht bezahlt werden kann, der lebt anders. «Mit wachsendem Einkommen verändern sich die Bedürfnisse. Das Materielle steht nicht mehr im Vordergrund, sondern soziale Beziehungen werden wichtiger», sagt Bruno S. Frey, einer der Begründer der ökonomischen Glücksforschung, zu 20 Minuten.

Wenn alle wesentlichen Bedürfnisse befriedigt sind, dann ändert sich die Lebensausrichtung. Oder anders gesagt: Wer alles hat, ist meist noch immer nicht glücklich – und sucht weiter. Einige beginnen dann zu meditieren und versuchen, dass Materielle hinter sich zu lassen.

Weihnachtsgeschenke als Indikator für Gottlosigkeit?

An Weihnachten gilt das jedoch gerade nicht: Denn dieses Fest begehen die meisten mit einer Extra-Portion Konsum. «Je unchristlicher unsere Gesellschaft wird, desto mehr Geschenke werden gemacht», sagt Frey. Könnten also die Pakete unterm Weihnachtsbaum ein Zeichen für die Gottlosigkeit sein? «Weihnachtsgeschenke lenken jedenfalls vom christlichen Weihnachtsfest ab», sagt Frey, der zurzeit an der Zeppelin-Universität im deutschen Friedrichshafen lehrt.

Ohne Präsente geht es aber auch bei Frey nicht. Allerdings schenkt der 64-Jährige anders. Weil in der Schweiz fast jeder schon alles habe und man kaum mehr etwas Vernünftiges schenken könne, ist er auf eine andere Idee gekommen. Eine, mit der auch Hilfswerke werben: Statt Geld für ein wahrscheinlich überflüssiges Geschenk auszugeben, lieber für eine gute Sache zu spenden und dies die anderen wissen zu lassen. «Ich spende dieses Jahr für Syrien und schenke das meinen Freunden.» Er habe das an Weihnachten schon einmal gemacht und das sei sehr gut angekommen, weil das jeder sinnvoll finde.

Spenden bringt Glücksgefühl

Aber auch für viele, die herkömmliche Geschenke für ihre Familie und Freunde machen, gehört zu Weihnachten das Spenden für karitative Zwecke. Es lässt sich fragen, ob wir uns so ein gutes Gefühl und Gewissen erkaufen wollen. Aber auch wenn das nicht im Vordergrund stehen mag, «Spenden und Freiwilligenarbeit machen glücklich, dass haben Studien erwiesen», erklärt Frey.

Der Trend scheint hin zu einer neuen Form des Selbstverständnisses zu gehen. Die Popularität von Büchern wie «Befreiung vom Überfluss» von Niko Paech oder Theorien über eine Postwachstums-Ökonomie deuten das an. Sind wir dabei auf Glückssuche jenseits des Konsums? Macht ein freiwillig auf das Wesentliche reduziertes Leben glücklicher? «Ja», antwortet Frey. Allerdings kommt sogleich ein Aber: «Das Problem ist nur: Was ist das Wesentliche? Vielleicht fahren Sie keinen Ferrari, aber legen Wert auf schöne Schuhe oder aufs Bergsteigen, was auch sehr teuer sein kann.» Was bleibt, ist die Frage nach dem Wesen des Wesentlichen.

Der Schweizer Ökonom, der an der Universtität Zürich lehrte, untersucht seit Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen. Geld mache nachweislich glücklich, sagt er. Menschen mit höherem Einkommen seien - egal wo auf der Welt - eindeutig zufriedener. Umgekehrt sei die Vorstellung, Armut bedeute Glück, falsch. Mehr Geld könne allerdings auch zu Problemen führen, denn ans Leben. Als vor einigen Jahren die Diskuussion um Banker-Boni hochkochte, sprach Frey sich gegen diese Form eines Anreizes aus: Es sei ein Irrtum zu glauben, die Leute würden sich mehr einsetzen, wenn sie mehr Geld verdienen. Letztlich werde dadurch die Freude und Motivation an de Arbeit genommen. (ish)

Der Schweizer Ökonom, der an der Universtität Zürich lehrte, untersucht seit Jahrzehnten den Zusammenhang zwischen. Geld mache nachweislich glücklich, sagt er. Menschen mit höherem Einkommen seien - egal wo auf der Welt - eindeutig zufriedener. Umgekehrt sei die Vorstellung, Armut bedeute Glück, falsch. Mehr Geld könne allerdings auch zu Problemen führen, denn ans Leben. Als vor einigen Jahren die Diskuussion um Banker-Boni hochkochte, sprach Frey sich gegen diese Form eines Anreizes aus: Es sei ein Irrtum zu glauben, die Leute würden sich mehr einsetzen, wenn sie mehr Geld verdienen. Letztlich werde dadurch die Freude und Motivation an de Arbeit genommen. (ish)

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