Aktualisiert 11.06.2018 17:57

Schulleitung erklärt sich

«Je nach Kleidung werden andere Signale gesendet»

Die Kleiderempfehlungen des Gymnasiums Oberaargau schlugen hohe Wellen. Am Montagabend hat die Schulleitung vor den Medien Stellung dazu genommen.

Rektorin Barbara Kunz im Interview mit 20 Minuten. (Video: RC)

«Gymi gibt Kleiderregeln nur für Mädchen heraus»: Der Artikel von 20 Minuten über das Gymnasium Oberaargau stiess bei den Lesern auf grosses Echo: Über 600 Mal wurde er bis am Montagabend kommentiert.

Auch bei der Schule gingen offenbar zahlreiche Reaktionen ein. Deshalb hat die Schulleitung kurzerhand beschlossen, am Montag eine Pressekonferenz einzuberufen: «Die Kommunikation verlief aus Gender-Aspekten nicht korrekt», sagt Rektorin Barbara Kunz vor den Medien. Dennoch verstehe sie die Aufregung nicht: «Wir sind über die Heftigkeit der Reaktion überrascht. Dennoch wollen wir keine Staatsaffäre daraus machen.»

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Dieses Merkblatt erhielten die Schülerinnen des Gymnasiums Oberaargau vor wenigen Tagen. An die Buben verschickte die Schulleitung keine Kleiderempfehlungen.

Dieses Merkblatt erhielten die Schülerinnen des Gymnasiums Oberaargau vor wenigen Tagen. An die Buben verschickte die Schulleitung keine Kleiderempfehlungen.

Leser-Reporter
Zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» werden die Mädchen aufgefordert, bestimmte Aspekte bei der Kleiderwahl zu berücksichtigen. Pikant: Die Schulleitung hat die Grafik von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt. Diese sieht Regeln für beide Geschlechter vor. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung jedoch herausgeschnitten.

Zum «eigenen Schutz und aus Respekt gegenüber anderen» werden die Mädchen aufgefordert, bestimmte Aspekte bei der Kleiderwahl zu berücksichtigen. Pikant: Die Schulleitung hat die Grafik von einem deutschen Gymnasium kopiert, wie eine einfache Google-Suche zeigt. Diese sieht Regeln für beide Geschlechter vor. Den Teil für die Buben hat die Schulleitung jedoch herausgeschnitten.

Leser-Reporter/zvg
Die einseitige Kleiderempfehlung stösst den Mädchen des Gymnasiums sauer auf. «Wir haben uns gehörig aufgeregt und fühlen uns diskriminiert», sagt eine Schülerin (17).

Die einseitige Kleiderempfehlung stösst den Mädchen des Gymnasiums sauer auf. «Wir haben uns gehörig aufgeregt und fühlen uns diskriminiert», sagt eine Schülerin (17).

Gymnasium Oberaargau

«Meine Tür steht offen»

Zudem betonte Kunz mehrmals, dass es sich bei dem an die Schülerinnen verschickten Merkblatt um eine Empfehlung handle, und nicht um eine Vorschrift. «Wir wollen erreichen, dass sich die Mädchen Gedanken über die Kleiderempfehlungen machen. In welchem Outfit sie letzten Endes in die Schule kommen, entscheiden sie noch immer selbst.»

Die Rektorin nahm auch zu den Protest-Plakaten der Schüler Stellung, diese wurden am Montag in den WC aufgehängt: «Es ist nicht unsere Aufgabe Anschläge in Toiletten zu lesen. Ohne klaren Adressaten, bringen solche Botschaften nicht viel.» Sie halte es für angebrachter, wenn die Schülerinnen mit ihren Anliegen direkt zur Schulleitung kämen. «Meine Tür steht offen.»

Mitschüler sind unproblematisch

Ursprung der umstrittenen Kleiderempfehlungen sei laut Kunz gewesen, dass je nach Kleidung ganz andere Signale an Fremde gesendet würden. «Die Schüler kennen sich untereinander, da sehe ich weniger ein Problem.» Jedoch: Der Campus sei ein öffentliches Gelände und wenn jemand Fremdes vorbeispaziere, könne ein falscher Eindruck entstehen.

Wie es nun weitergeht, ist derzeit unklar. Im Moment hätten die anstehenden Maturaprüfungen Priorität. «Das Thema der Kleiderempfehlungen werden wir nächste Woche wieder aufgreifen.» (20 Minuten)

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