Jeanne: In Haiti droht Ausbruch von Seuchen
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Jeanne: In Haiti droht Ausbruch von Seuchen

Nach den verheerenden Verwüstungen des Tropensturms «Jeanne» liegen in Haiti noch immer Leichen und Tierkadaver auf den Strassen, und die Menschen trinken verschmutztes Wasser.

Ausserdem verletzten sich viele an Trümmerteilen und erlitten oft tiefe Schnittwunden, die sich dann entzündeten. «Jeanne» hat in Haiti möglicherweise mehr als 2.300 Menschen das Leben gekostet, rund 300.000 wurden obdachlos. Am schlimmsten betroffen ist Gonaives im Nordwesten.

Die Überlebenden kämpfen jetzt gegen Hunger und Durst. Immer wieder gibt es Plünderungen. So überfielen am Donnerstag etwa 100 Menschen einen Lastwagen mit Hilfsgütern, die Mitglieder des Rotary Clubs in Port-au-Prince gespendet hatten. Binnen zehn Minuten, so berichteten Augenzeugen, sei der Lkw leer geräumt gewesen.

Ausserdem fehlt es an Medikamenten, und die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Mehrere hundert Hilfsbedürftige durchbrachen am Donnerstag einen Bretterzaun und stürmten in das einzige Krankenhaus in Gonaives, das noch in Betrieb ist. Dort war aber nur ein Arzt anwesend.

Eines der dringlichsten Probleme ist die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser. «Sauberes Wasser nach Gonaives zu transportieren, ist ein logistischer Albtraum», sagte Abby Maxman von der Hilfsorganisation CARE. Die Strassen sind in schlechtem Zustand und teilweise nicht befahrbar.

Bis Freitagmorgen wurden mehr als 1.100 Leichen geborgen, mehr als 1.250 Menschen galten noch als vermisst. «Man kann annehmen, dass sie tot sind», sagte ein Sprecher der UN-Mission in Haiti, Toussaint Kongo-Doudou.

Der heftige Regen infolge des Tropensturms «Jeanne» hatte am Wochenende in Haiti besonders verheerende Auswirkungen, weil dort 98 Prozent der Wälder abgeholzt sind. Es war bereits die zweite Flutkatastrophe dieses Jahres in dem armen Karibikstaat: Im Mai waren bei ähnlichen Unwettern 1.191 Menschen umgekommen. (dapd)

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