«Jeanne» trifft Florida mit voller Wucht - Chaos in Haiti
Aktualisiert

«Jeanne» trifft Florida mit voller Wucht - Chaos in Haiti

Nach seinem Zerstörungszug durch die Karibik ist Hurrikan «Jeanne» in der Nacht zum Sonntag mit voller Wucht über den US-Bundesstaat Florida hereingebrochen.

Nach Behördenangaben waren dort über 1 Million Menschen ohne Strom.

US-Behörden und Fernsehsender berichteten von erheblichen Schäden nach sturzflutartigen Regenfällen und gewaltigen Sturmböen mit bis zu 185 Stundenkilometern. Bis zu 16 Zentimeter Regen prasselten an vielen Stellen nieder und verwandelten Strassen in reissende Flüsse. Für Teile von Süd-Florida wurde eine Flutwarnung ausgegeben.

Auf seinem stundenlangen Zug in das Landesinnere riss «Jeanne» Hausdächer herab, knickte Bäume um und legte weite Teile der Stromversorgung lahm.

In Miami sei ein Mann an den Folgen eines Stromschlages durch eine zerrissene Leitung gestorben, berichtete die Tageszeitung «Miami Herald» unter Berufung auf die Polizei. Hurrikan «Frances», der vor drei Wochen über Florida hereingebrochen war, hatte 18 Menschen das Leben gekostet.

«Mean Jeanne» (»die bösartige Jeanne») hatte bereits in Haiti etwa 1300 Menschen getötet. Danach war der Hurrikan am Samstagnachmittag auf die Bahamas-Inseln geprallt. Eine Sturmflut von bis zu zwei Metern sorgte dort vielerorts für Überschwemmungen. Offenbar gab es weder Tote noch Verletzte.

An der gleichen Stelle

«Jeanne» war dann zehn Minuten vor Mitternacht (Ortszeit) in dem Gebiet um Stuart an der Ostküste Floridas mit voller Wucht auf Land getroffen. Es war nahezu die gleiche Region und die gleiche Uhrzeit wie bei Hurrikan «Frances» vor drei Wochen. Solche Parallelen hat es nach Angaben des Hurrikan-Zentrums seit Beginn der Aufzeichnungen 1851 nicht gegeben.

Nach dem Aufprall auf die Küste verlor «Jeanne» am Sonntag etwas Kraft und wurde vom Hurrikan-Zentrum in Miami zu einem Hurrikan der Kategorie 2 herabgestuft. Dennoch wurde auch im Nachbarstaat Georgia vorsorglich der Ausnahmezustand ausgerufen.

Floridas Gouverneur Jeb Bush versprach den Betroffenen in den kommenden Tagen schnelle Hilfe. Er bat seinen Bruder, US-Präsident George W. Bush, Florida zum vierten Mal in sechs Wochen zum Katastrophen-Gebiet zu erklären, damit rasch zusätzlich Hilfe zur Verfügung gestellt werden kann.

Chaos in Haiti

Im Norden Haitis hielten die chaotischen Verhältnisse eine Woche nach dem Durchzug von «Jeanne» weiter an. In der am schwersten betroffenen Hafenstadt Gonaïves war ein Grossteil der rund 250 000 Einwohner auch am Wochenende von der Nahrungsmittelhilfe abgeschnitten, ebenso wie die Bewohner mehrerer benachbarter Dörfer.

Angesichts der Wirkungslosigkeit der haitianischen Behörden blieb die Versorgung der Menschen mit Nahrung und Arzneimitteln weitgehend den internationalen Hilfsorganisationen überlassen. Und auch diese hielten sich von mehreren Vierteln Gonaïves fern, nachdem dort jeder Konvoi zu Plünderungen und Aufständen geführt hatte. Die Zahl der Toten steigt täglich um Dutzende weitere an.

Weder gelang es bislang, die medizinische Versorgung der Bewohner sicherzustellen, noch, die Gefahr von Seuchen zu bannen. Da der Flughafen von Gonaïves unter Wasser steht, erreicht die internationale Hilfe die Hafenstadt nur mühsam über den Landweg. Aus Angst vor der Wut der Bevölkerung sagte der haitianische Übergangspräsident Boniface Alexandre einen Besuch in Gonaïves ab.

(sda)

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