Assad droht: «Jede Ecke Syriens wird gesäubert»
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Assad droht«Jede Ecke Syriens wird gesäubert»

Die syrischen Machthaber setzen auf psychologische Kriegsführung: Über Damaskus wurden Flugblätter mit deutlichen Drohungen an die Rebellen abgeworfen. Nach neuesten Zahlen sind über 200'000 Menschen aus Syrien geflohen.

In Syrien setzt die Regierung von Präsident Baschar Assad im Konflikt mit den Rebellen nun auch auf psychologische Kriegsführung: Von Militärhelikoptern wurden am Dienstag über Damaskus Tausende Flugblätter mit deutlichen Drohungen abgeworfen. Die Aufständischen sollten ihre Waffen aushändigen oder sich auf einen «unvermeidbaren Tod» einstellen, hiess es darauf.

Die Regierungstruppen seien entschlossen, «jede Ecke Syriens zu säubern». Unterzeichnet waren die Flugblätter vom Generalstab der Streitkräfte. Unterdessen warb die syrische Opposition in Berlin für Pläne nach dem Sturz von Assad. Der französische Präsident François Hollande forderte die Opposition auf, eine Übergangsregierung zu bilden.

Interview de Bachar Al-Assad

Mehr als 20'000 Tote

Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen sind seit März 2011 im syrischen Bürgerkrieg bereits mehr als 20 000 Menschen ums Leben gekommen. Am Dienstag wurden erneut Kämpfe aus der Hauptstadt Damaskus und der Wirtschaftsmetropole Aleppo gemeldet. Offenbar versuchten Streitkräfte der Regierung, von Rebellen besetzte Stadtviertel zurückzuerobern.

Videobotschaft an Asma al-Assad

Dabei sollen in den vergangenen Tagen Hunderte Menschen getötet worden sein. In Daraja, einem Vorort von Damaskus, gab es Hinweise darauf, dass Assads Soldaten Massentötungen auch an Zivilisten zu verantworten haben. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eine unverzügliche und unabhängige Untersuchung des jüngsten Massakers.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA meldete aus einem anderen Vorort von Damaskus, Dscharamana, mehrere tote Zivilisten, die durch eine Autobombe ums Leben gekommen seien. Die Explosion habe eine Trauerprozession getroffen und sei der dritte Anschlag in dem Vorort innerhalb von 24 Stunden gewesen. SANA machte bewaffnete «Terroristen» für die jüngste Explosion verantwortlich.

Oppositionsführer Sieda arbeitet an Übergangsregierung

Die Opposition bereite «ernsthaft» die Bildung einer Übergangsregierung vor, sagte derweil Abdelbasset Sieda, Führer des Syrischen Nationalrats, der Nachrichtenagentur AP in einem Telefoninterview. «Ja, es gibt Unterschiede in der syrischen Opposition und das ist in jedem Land normal, aber solange wir einer gemeinsamen Vorstellung zustimmen, können die Unterschiede überwunden werden», sagte Sieda zu internationalen Stimmen, dass die Opposition noch nicht reif für die Regierungsverantwortung sei. Die Vorstellung eines provisorischen Kabinetts sei nicht «unmittelbar» zu erwarten, räumte Sieda ein.

Über 210'000 Flüchtlinge registriert

Immer mehr Menschen flüchten vor den Kämpfen in Syrien in die Nachbarländer. Das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) hat inzwischen über 214 000 syrische Flüchtlinge registriert, die in Türkei, Jordanien, Libanon und Irak Zuflucht gefunden haben.

Das gab UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming am Dienstag in Genf bekannt. Das UNHCR hatte für das Gesamtjahr 2012 nur 185 000 syrische Flüchtlinge prognostiziert. Diese Zahl sei nun «beträchtlich nach oben revidiert» worden.

Der Zustrom an Flüchtlingen in das Lager Za'atri im Norden von Jordanien allein habe sich zuletzt verdoppelt, sagte Fleming. In der vergangenen Woche seien dort 10 200 Menschen angekommen. Eine weitere Ausweitung wird angenommen: «Wir glauben, dass dies der Beginn eines bedeutenden, noch viel grösseren Zustroms nach Jordanien sein könnte.»

«Tausende mehr warten»

70 000 syrische Flüchtlinge seien vom UNHCR in Jordanien registriert. Tausende weitere hätten sich nicht offiziell für Unterstützung eingetragen. «Die Flüchtlinge sagen, Tausende mehr warten, die Grenze wegen der Gewalt um Deraa zu überqueren.»

Es gebe Berichte, wonach Flüchtlinge, die die Grenze überschreiten wollten, bombardiert und auf andere Weise beschossen worden seien. Auch in die Türkei flöhen immer mehr Syrer. In den vergangenen zwei Wochen seien bis zu 5000 Flüchtlinge täglich dort angekommen. (sda/dapd)

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