Zigis 10 Rappen teurer: «Jede Erhöhung birgt die Gefahr des Schmuggels»
Aktualisiert

Zigis 10 Rappen teurer«Jede Erhöhung birgt die Gefahr des Schmuggels»

Zigaretten schlagen erneut auf. Damit sind die Glimmstängel in der Schweiz weitherum am teuersten. Ruft das nicht Schmugglerbanden auf den Plan?

von
Sabina Sturzenegger
Wie sich der Zigarettenpreis in der Schweiz zusammensetzt. Grafik: Ethel Keller; Quelle: EZV

Wie sich der Zigarettenpreis in der Schweiz zusammensetzt. Grafik: Ethel Keller; Quelle: EZV

Das Päckli Zigaretten wird schon bald wieder 10 Rappen mehr kosten. Eine Schachtel Marlboro Gold kostet ab Juni 7.90 Franken. Für einmal sind es aber nicht Steuern und Abgaben, die die Glimmstängel verteuern (vgl. Grafik).

Diesmal schraubt die Tabakindustrie selber am Preis und empfiehlt neue maximale Einzelhandelspreise, um «die langfristige Ertragssicherung auf allen Handelsstufen» zu sichern, wie British American Tobacco (BAT) gegenüber der «SonntagsZeitung» erklärte. Gewisse Marken werden auch günstiger: So sinkt der Preis einer Schachtel Lucky Strike laut BAT ebenfalls um 10 Rappen auf 7.70 Franken.

Hochpreisinsel auch bei den Zigis

Lucky-Strike-Raucher können sich also glücklich schätzen. Denn bereits jetzt gehört die Schweiz zu den Ländern in Europa mit den höchsten Zigarettenpreisen. Dies bestätigt Walter Pavel von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Auch eine Zusammenstellung des deutschen Zigarettenverbands von 2011 zeigt dies.

Befürchtungen des Bundes nicht bestätigt

Mit der kommenden Preiserhöhung der Tabakmultis wird die Differenz zu den umliegenden Ländern noch grösser. Begünstigt dies nicht Schmuggel und Schwarzmarkt in der Schweiz? «Jede Preiserhöhung im Inland, welche die Differenz zum Ausland vergrössert, birgt grundsätzlich die Gefahr, dass vermehrt Zigaretten geschmuggelt werden», sagt Pavel.

Vor einem Jahr gab denn der Bund auch an, die Entwicklung im Zigarettenmarkt bereite ihm Sorgen. «Es werden immer häufiger Zigaretten geschmuggelt, und die Mengen nehmen zu», sagte Michael Bigler, stellvertretender Chef der Sektion Tabak- und Bierbesteuerung der Eidgenössischen Zollverwaltung damals der «SonntagsZeitung».

Doch die Befürchtungen des Zolls scheinen sich nicht bestätigt zu haben - trotz des hohen Frankens. Bis jetzt habe man noch keinen Zigarettenschmuggel «im grossen Stil» festgestellt, sagt Pavel.

«Höchstens ein paar wenige Stangen»

Auch Patrick Gantenbein, Sprecher der Schweizer Grenzwache in Basel, kann zurzeit kein «Phänomen Zigarettenschmuggel» erkennen: «Wir haben einen guten Überblick über den Einkaufstourismus. Die Einfuhr der erlaubten Menge, also einer Stange pro Person, wird dabei eingehalten», erklärt er. «Natürlich gab es auch Einzelfälle im Reisendenverkehr in der Nordwestschweiz, wo auch Zigaretten geschmuggelt wurden», fügt er an. Die entdeckten Mengen hätten sich aber auf ein paar wenige Stangen beschränkt.

Die Tabakindustrie selber geht davon aus, dass mit «sanften» Preiserhöhungen wie der aktuellen der illegale Handel kaum begünstigt werde. Der Hauptgrund für Schmuggel und die Entwicklung eines Schwarzmarktes liegt nach Ansicht von John Aurlund, Schweizer Generaldirektor von Japan Tobacco International (JTI), nicht primär in höheren Preisen, sondern in plötzlichen und deutlichen Preiserhöhungen. «In einigen Ländern war dies gut zu beobachten, als die Tabaksteuern innert kürzester Zeit massiv erhöht wurden. In diesen Fällen ist eine Zunahme des Schwarzhandels festzustellen», sagt Aurlund gegenüber 20 Minuten Online.

Nur der «kleine» Schmuggel

Auch die Gegner der Tabakindustrie, die Präventionsfachleute, scheinen diese Theorie der sanften Preiserhöhung zu stützen. Gemäss der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz lösen Preisunterschiede allein kaum Schmuggel in grossem Stil aus. Vielmehr seien die fehlenden Kontrollen ausschlaggebend.

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