Abstimmungen vom 25. September: Jede Frau soll mindestens 70 Prozent arbeiten, fordert Ex-Bundesrätin

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Abstimmungen vom 25. SeptemberJede Frau soll mindestens 70 Prozent arbeiten, fordert Ex-Bundesrätin

Eveline Widmer-Schlumpf wirbt für die AHV-Vorlage. Und sie sagt, dass Frauen mehr arbeiten sollen, um für das Alter gerüstet zu sein. Kleinpensen genügten nicht.

von
Claudia Blumer
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Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrätin von 2008 bis 2015, wirbt als Präsidentin von Pro Senectute für die AHV-Reform, über die am 25. September abgestimmt wird.

Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrätin von 2008 bis 2015, wirbt als Präsidentin von Pro Senectute für die AHV-Reform, über die am 25. September abgestimmt wird.

Esther Michel
Auch als Frau sei sie für die AHV-Reform, sagt Widmer-Schlumpf. Die Revision sei ein Akt der Gleichstellung. Widmer-Schlumpf 2010 während einer Parlamentsdebatte.

Auch als Frau sei sie für die AHV-Reform, sagt Widmer-Schlumpf. Die Revision sei ein Akt der Gleichstellung. Widmer-Schlumpf 2010 während einer Parlamentsdebatte.

Béatrice Devènes
Eveline Widmer-Schlumpf wirbt mit Nachdruck für die Reform – «als Frau». Diese Reform sei für Frauen keine Benachteiligung. «Nicht die AHV ist das Problem, wie das die Gegner suggerieren. In der AHV sind die Frauen nicht benachteiligt, und sie werden es auch nach der Revision nicht sein.»
Eveline Widmer-Schlumpf wirbt mit Nachdruck für die Reform – «als Frau». Diese Reform sei für Frauen keine Benachteiligung. «Nicht die AHV ist das Problem, wie das die Gegner suggerieren. In der AHV sind die Frauen nicht benachteiligt, und sie werden es auch nach der Revision nicht sein.»Tamedia

Darum gehts

  • Am 25. September findet die Abstimmung über die beiden AHV-Vorlagen statt: die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 sowie der Mehrwertsteuer.

  • Eveline Widmer-Schlumpf, Präsidentin der Pro Senectute, wirbt im Interview mit der NZZ am Sonntag für die Vorlage, die von Frauen mehrheitlich abgelehnt wird.

  • An die Adresse der Frauen sagt Widmer-Schlumpf: Jede Frau solle heute mindestens 70 Prozent erwerbstätig sein, um vorzusorgen, bei Kleinpensen sei das schwierig.

  • Auch aus Frauenoptik sei sie für die Vorlage, sagt Widmer-Schlumpf. Die Reform sei ein Akt der Emanzipation.

  • Politikerinnen aus SVP und SP sehen es anders.

Eveline Widmer-Schlumpf (66), frühere BDP-Bundesrätin und heute Präsidentin der Pro Senectute, will, dass jede Frau mindestens 70 Prozent erwerbstätig ist. Das sagt sie im Interview mit der NZZ am Sonntag (Bezahlartikel). Mit Kleinpensen werde es schwierig, ein gutes Leben zu führen und für das Alter vorzusorgen.

Auf die Frage, ob die Zeit vorbei sei, in der sich Frauen auf ihre Mutterrolle konzentrieren konnten, sagt die frühere Finanzministerin: «Wenn sie sich eine Pensionskassenrente aufbauen wollen, ist ein minimales Jahreseinkommen von mehr als 20’000 Franken aus einer Anstellung wichtig.» Man müsse auch mit 30 schon daran denken, dass das Leben nach 65 noch lange weitergehen kann. «Da wird es knapp nur mit der AHV.»

«Frauen sind in der AHV nicht benachteiligt»

Laut der Tamedia-Umfrage hat die Vorlage derzeit eine knappe Mehrheit, wobei Frauen dagegen sind, Männer mehrheitlich dafür. Eveline Widmer-Schlumpf wirbt mit Nachdruck für die Reform – «als Frau». Diese Reform sei für Frauen keine Benachteiligung. «Nicht die AHV ist das Problem, wie das die Gegner suggerieren. In der AHV sind die Frauen nicht benachteiligt, und sie werden es auch nach der Revision nicht sein.» Die Ungleichheiten lägen in anderen Bereichen. Doch nun werde eine Gleichstellungsdebatte über die AHV geführt. «Das ist hier nicht der richtige Platz.»

Warum wehren sich die Gegnerinnen gegen die Vorlage, wird Widmer-Schlumpf gefragt. Ob sie das verstehe. Sie sagt: «Nein, ich verstehe es auch aus Frauenoptik nicht. Man muss doch dort, wo eine vernünftige Lösung vorliegt, diese nicht gefährden, bloss weil in anderen Bereichen noch erheblicher Handlungsbedarf besteht.»

«Dirigistische Vorgaben»

Politikerinnen reagieren teilweise kritisch auf die Forderung von Eveline Widmer-Schlumpf. So bezeichnet SVP-Nationalrätin Monika Rüegger diese als «dirigistisch-vereinheitlichende Vorgaben». Frauen sollen frei entscheiden, ob und wie viel sie erwerbstätig sein wollen, sagt die Obwaldnerin. Laut SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer fehlten die Rahmenbedingungen für einen derart hohen Beschäftigungsgrad der Frauen: Kinderbetreuung, Arbeitszeitverkürzung und bessere Verteilung von unbezahlter Arbeit zwischen Mann und Frau. Eveline Widmer-Schlumpf mache es sich zu einfach.  

Soll jede Frau mindestens
70 Prozent arbeiten?


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