26.10.2020 17:00

Studie der Berner Fachhochschule Jede vierte Frau fühlt sich bei Geburt manipuliert oder eingeschüchtert

Einseitige Information, Manipulation, Druck – rund ein Viertel der Frauen, die in der Schweiz ein Kind zur Welt bringen, erlebt unter der Geburt informellen Zwang. Dies besagt eine Online-Umfrage mit über 6000 Müttern aus der ganzen Schweiz.

von
Lara Hofer
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Die Berner Fachhochschule hat eine Online-Befragung bei über 6000 Müttern aus allen Sprachregionen durchgeführt.

Die Berner Fachhochschule hat eine Online-Befragung bei über 6000 Müttern aus allen Sprachregionen durchgeführt.

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Resultat: In der Schweiz erlebt jede vierte Frau bei der Geburt informellen Zwang, wird also beispielsweise einseitig informiert oder eingeschüchtert.

Resultat: In der Schweiz erlebt jede vierte Frau bei der Geburt informellen Zwang, wird also beispielsweise einseitig informiert oder eingeschüchtert.

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Wie die Berner Fachhochschule (BFH) am Montag mitteilte, sind Frauen mit Migrationshintergrund häufiger betroffen.

Wie die Berner Fachhochschule (BFH) am Montag mitteilte, sind Frauen mit Migrationshintergrund häufiger betroffen.

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Darum gehts

  • Laut einer Online-Umfrage der Berner Fachhochschule erlebt rund ein Viertel aller Frauen in der Schweiz bei der Geburt informellen Zwang.

  • Das bedeutet, dass Schwangere einseitig informiert, manipuliert oder unter Druck gesetzt werden.

  • Dadurch seien die Frauen in ihren freien Entscheidungsmöglichkeiten eingeschränkt.

  • Zwei Drittel der Frauen in der Schweiz bezeichnen ihr Geburtserlebnis hingegen als positiv.

In der Schweiz erlebt jede vierte Frau bei der Geburt informellen Zwang, wird also beispielsweise einseitig informiert oder eingeschüchtert. Das hat eine Online-Befragung von über 6000 Müttern ergeben. Befragt wurden Frauen aus allen Sprachregionen, welche in den Jahren 2018 und 2019 ein Kind zur Welt brachten.

Wie die Berner Fachhochschule (BFH) am Montag mitteilte, sind Frauen mit Migrationshintergrund häufiger betroffen. Auch zwischen Stadt und Land sind Unterschiede erkennbar: Frauen aus urbanen Regionen erleben eher informellen Zwang bei einer Geburt als Frauen auf dem Land.

Manipuliert und unter Druck gesetzt

Informeller Zwang unter der Geburt habe viele Gesichter, heisst es in der Medienmitteilung der BFH: «Gebärende Frauen fühlen sich einseitig informiert, manipuliert oder unter Druck gesetzt. Sie fühlen sich gezwungen, Interventionen und Untersuchungen zuzustimmen oder eingeschüchtert, dass das Unterlassen eines Eingriffs gesundheitliche Folgen für sie oder ihr Kind haben könnte.» Informeller Zwang kann laut BFH auch bedeuten, dass eine Frau mit einer Behandlungsentscheidung nicht einverstanden ist.

Frauen sollten befähigt werden, an Entscheidungsprozessen rund um ihre Schwangerschaft und ihre Geburt aktiv teilzunehmen, heisst es in der BFH-Mitteilung weiter. Dabei sei ein partnerschaftlicher und respektvoller Umgang zwischen den Fachpersonen und Schwangeren eine Grundvoraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Fachleute bedürften einer Sensibilisierung für die Wünsche und Vorstellungen von Gebärenden und für die Folgen von Behandlungen unter der Geburt.

Mehrheit empfand Geburtserlebnis als positiv

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) definiert Zwang in der Medizin als jede Massnahme, die gegen den selbstbestimmten Willen oder den Widerstand von Patientinnen und Patienten durchgeführt wird. Im Gegensatz zu formellem Zwang gibt es bei informellem Zwang keine rechtliche Grundlage für die Einschränkung der Selbstbestimmung.

Die noch nicht von anderen Fachleuten begutachtete Studie zeigte auch, dass mehr als zwei Drittel der Frauen ihr Geburtserlebnis als insgesamt positiv empfanden.

(SDA)

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32 Kommentare
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Unter Druck

27.10.2020, 07:32

"Sie fühlen sich unter Druck gesetzt". Man nennt das Überempfindlichkeit!

Dr Fsust

27.10.2020, 05:31

Wieder so ein herbeigeredetes Betroffenheitsthema in einer Gesellschaft, die keine echten Probleme zu haben scheint,

Regina

26.10.2020, 20:20

Zukünftig bezahlen die werdenden Eltern einfach die Behandlungskosten und lebenslangen Pflegekosten ihrer Kinder mit Geburtsgebrechen selber. Dann kann man gut zuwarten bis sich die in Wehen liegende Mutter endlich für einen Eingriff aus freien Stücken entscheidet. Der Arzt kann warten, aber die Konsequenzen muss dann das Kind und der Sozialstaat ausbaden.