Tamedia-Abstimmungsumfrage: Jeder 2. FDP-Wähler ist gegen das Energiegesetz

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Tamedia-AbstimmungsumfrageJeder 2. FDP-Wähler ist gegen das Energiegesetz

Bei der Energiestrategie zeichnet sich ein Ja ab. Den Gegnern gelingt es nicht, mehr FDP-Wähler auf ihre Seite zu ziehen.

von
D. Waldmeier
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Während drei von vier SVP-Wählern das Gesetz ablehnen, ist die FDP-Wählerschaft nach wie vor gespalten.

Während drei von vier SVP-Wählern das Gesetz ablehnen, ist die FDP-Wählerschaft nach wie vor gespalten.

Keystone/Urs Flueeler
«Weil die Vorlage so komplex ist, ist es für die Stimmbürger schwierig, sich ein Bild zu machen», sagt Nationalrätin Doris Fiala.

«Weil die Vorlage so komplex ist, ist es für die Stimmbürger schwierig, sich ein Bild zu machen», sagt Nationalrätin Doris Fiala.

Keystone/Anthony Anex
«Ich lehne mich trotz guter Umfragewerte nie zurück», sagt Bundespräsidentin Doris Leuthard.

«Ich lehne mich trotz guter Umfragewerte nie zurück», sagt Bundespräsidentin Doris Leuthard.

AP/Natacha Pisarenko

Mit einem Energie-Infoblatt an alle Haushalte wollten die Gegner des Energiegesetzes das Ruder herumreissen. Bis jetzt bleiben die Bemühungen ohne Erfolg: Nach wie vor wollen 55 Prozent sicher oder eher Ja stimmen, 42 Prozent sicher oder eher Nein. Das zeigt die zweite Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage. Im Vergleich zur ersten Befragung von Anfang April können die Befürworter ihren Vorsprung damit halten.

Während drei von vier SVP-Wählern das Gesetz ablehnen, ist die FDP-Wählerschaft nach wie vor gespalten. Eine knappe Mehrheit von 52 Prozent lehnt die Vorlage ab, 45 Prozent tendieren zu einem Ja. Die Anhänger der übrigen Parteien wollen die Vorlage mehrheitlich annehmen. Bei der CVP von Energieministerin Doris Leuthard stimmen derzeit 72 Prozent der Wähler zu.

Zersplitterte Gegnerschaft

FDP-Nationalrätin Doris Fiala, die gegen das Gesetz kämpft, bedauert, dass bisher nicht mehr liberale Wähler ins Nein-Lager übergelaufen seien. Sie beklagt, dass auch der Wirtschaftsverband Economiesuisse gespalten sei, zudem gebe es selbst bei den Industrieverbänden Abweichler, die für das Gesetz einstünden. «Weil die Vorlage so komplex ist, ist es für die Stimmbürger schwierig, sich ein Bild zu machen.» Aufgeben will sie nicht und die Bevölkerung weiter aufklären.

Aus liberaler Sicht könne man aber nur gegen das Gesetz sein, das zwar teilweise gute Absichten verfolge, aber nur «mit Abgaben, Bevormundungen und Verboten» operieren. Dass sich die FDP knapp hinter die Energiestrategie gestellt habe, erklärt sich Fiala wie folgt: «Freisinnige wollen eine umweltfreundliche Energieversorgung. Das will ich auch! Hier haben aber einige die Folgen zu wenig bedacht.» Manche seien auch Interessensvertreter oder verträten Wasserkraft-Kantone, die wegen der Subventionen ein Interesse am Gesetz hätten.

Toni Brunner, SVP-Nationalrat und Leiter der Gegenkampagne, hofft in der heissen Phase auf ein Umschwenken vieler FDP-Wähler: «Mehrere Kantonalsektionen haben unterdessen die Nein-Parole gefasst.» Er sei zuversichtlich, dass an der Basis der FDP ein Umdenken stattfinde.

Leuthard lehnt sich nicht zurück

Obwohl der Vorsprung deutlich ist, will Energieministerin Doris Leuthard nicht zu früh jubeln: «Ich lehne mich trotz guter Umfragewerte nie zurück», sagt die Bundespräsidentin zu 20 Minuten. Denn man wisse nie, was noch passieren könne. Die Gegner hätten offenbar ein grosses Budget, um Werbung zu machen. «Ich hoffe, dass sich die Schweizerinnen und Schweizer gut informieren, so spielt die Demokratie.»

Das Energiegesetz sei wichtig für die Schweiz: «Wir setzen auf die Stärkung der Energieeffizienz und der einheimischen erneuerbaren Energien und sichern so die Versorgung.»

Über 12'000 Teilnehmer

12'260 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 24. und 25. April online an der zweiten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage zur eidgenössischen Abstimmungsvorlage vom 21. Mai teilgenommen. Die Tamedia-Abstimmungsumfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt.

Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,3 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

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