29.06.2016 23:21

MillennialsJeder 2. glaubt, dass er bis nach 65 arbeiten muss

Sie arbeiten härter und länger als die vorhergehende Generation: Die Jungen von heute sehen sich laut einer Umfrage in einer eher ungemütlichen Position.

von
K. Wolfensberger
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Die sogenannte Generation Y, die die zwischen 1980 und 1996 Geborenen umfasst, ist offen für nicht-traditionelle Arbeitsmodelle, die mehr Freizeit erlauben.

Die sogenannte Generation Y, die die zwischen 1980 und 1996 Geborenen umfasst, ist offen für nicht-traditionelle Arbeitsmodelle, die mehr Freizeit erlauben.

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Das zeigt die Umfrage «Die Karriere der Millennials: Vision 2020» der Personalmanagement-Firma Manpower.

Das zeigt die Umfrage «Die Karriere der Millennials: Vision 2020» der Personalmanagement-Firma Manpower.

Die Generation Y sieht ihre Karriere wie einen Ultramarathon. In der Schweiz erwarten 53 Prozent der befragten Personen, dass sie über das 65. Lebensjahr hinaus berufstätig sein werden.

Die Generation Y sieht ihre Karriere wie einen Ultramarathon. In der Schweiz erwarten 53 Prozent der befragten Personen, dass sie über das 65. Lebensjahr hinaus berufstätig sein werden.

Keystone/Gaetan Bally

Kaum rosige Aussichten: Die Millennials glauben, dass sie grundsätzlich härter und länger als die vorhergehenden Generationen arbeiten werden. Die sogenannte Generation Y, die die zwischen 1980 und 1996 Geborenen umfasst, sieht sich selbst als Schwer-Arbeiter. Das zeigt die Umfrage «Die Karriere der Millennials: Vision 2020» der Personalmanagement-Firma Manpower.

87 Prozent der Befragten geben an, jetzt bereits mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten, 22 Prozent sogar mehr als 50 Stunden. 53 Prozent der Befragen erwarten ausserdem, dass sie auch nach 65 noch arbeiten werden müssen.

Weiterbildung in der Freizeit

Dass heute nur noch Erfolg haben könne, wer sich ständig weiterbilde, sei bei den Millennials heute weitgehend akzeptiert, heisst es in der Studie zudem. So sind 69 Prozent bereit, Zeit und Geld für Weiterbildung zu investieren, 77 Prozent finden es wichtig, im Laufe ihrer Karriere neue Kompetenzen zu erwerben.

Nichtsdestotrotz: Die Jungen sind offen für nicht-traditionelle Arbeitsmodelle, die mehr Freizeit erlauben. Laut der Studie sind derzeit zwar über drei Viertel der Millennials traditionell vollzeitbeschäftigt. 42 Prozent von ihnen wären aber bereit, trotz der Risiken solcher Arbeitsmodelle, in naher Zukunft selbstständig oder auf Abruf zu arbeiten. Für 84 Prozent ist auch klar, dass sie während ihrer Joblaufbahn längere Pausen und Sabbaticals einlegen möchten.

Ursache Digitalisierung

Elena Hubschmid-Vierheilig, BWL-Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, hat eine mögliche Erklärung für die Forderung nach mehr Flexibilität: «Millennials sind Digital Natives. Flexibilität ist das Hauptmerkmal der Digitalisierung und die Generation Y will entsprechend flexibel leben und arbeiten.»

Das Angebot seitens der Unternehmen an flexiblen Arbeitszeitmodellen werde und müsse daher weiter zunehmen, so Hubschmid-Vierheilig. Auch Organisationspsychologe Johann Weichbrodt betont gegenüber 20 Minuten, dass Schweizer Arbeitgeber mehr Flexiblität zeigen sollten. Gerade im Zuge des Fachkräftemangels sei dies notwendig, um sich als attraktives Unternehmen zu positionieren. «Viele tun sich aber nach wie vor schwer damit», so Weichbrodt.

Grundwerte sind dieselben

In ihren Wünschen und Bedürfnissen unterscheiden sich die Millennials trotzdem nicht komplett von älteren Generationen. «Die Grundwerte sind meines Erachtens immer noch die gleichen», sagt Markus Grutsch, Professor für Qualitäts- und Projektmanagement an der FHS St. Gallen, «die Bedürfnisse älterer Generationen bezüglich Sicherheit und Beständigkeit wurden von den Millennials aber um Selbstverwirklichung und Flexibilität ergänzt.»

Weiter erklärt Grutsch: «Die Ansprüche, die Unternehmen heute an ihre Mitarbeiter stellen, kommen den Millennials entgegen.» Würden flexible und intrinsisch motivierte Mitarbeiter nachgefragt, stünde die Generation Y mit diesen Tugenden bereit.

Minderheit mit hohen Ansprüchen

Psychologe Weichbrodt betont ausserdem, dass nicht alle Mitglieder der Generation Y über einen Leisten geschlagen werden können. Nur eine – allerdings stark sichtbare – Minderheit legt Wert auf sinnhafte Arbeit und hat hohe Ansprüche. Insgesamt gebe es aber schon eine Tendenz, dass die junge Generation stärker Wert auf ein ausgeglichenes Leben lege als frühere Generationen und somit mehr Flexibilität und Teilzeitarbeit einfordere.

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