ETH-Studie: Jeder 3. ändert aus Angst vor Terror die Ferienpläne
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ETH-StudieJeder 3. ändert aus Angst vor Terror die Ferienpläne

Die Schweizer bewerten die weltpolitische Lage als pessimistisch. Ein Drittel hat deshalb sein Reiseverhalten, etwa wegen Terror-Anschlägen, angepasst.

von
pam

29 Prozent der Schweizer haben aufgrund des Terrorismus ihr Reiseverhalten geändert. (Video: Tamedia/SDA)

Der Terror-Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, die anhaltende Flüchtlingskrise oder der Austritt Grossbritanniens aus der EU: Diese Ereignisse gingen letztes Jahr nicht spurlos an der Schweizer Bevölkerung vorbei. Laut der ETH-Studie «Sicherheit 2017» bezeichnen 73 Prozent die weltpolitische Lage als pessimistisch – damit erreicht der Wert wie schon 2016 einen Höchststand.

Auch das subjektive Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum hat gelitten: Ein Fünftel der Befragten fühlt sich an grösseren Veranstaltungen wie Sportanlässen oder an gut frequentierten Orten wie Bahnhöfen «ganz unsicher» oder «eher unsicher».

Reiseverhalten wegen Terrorismus geändert

Die wiederkehrenden Terror-Attacken im vergangenen Jahr sowie die sonstige volatile Sicherheitslage wirkten sich auf das Verhalten der Schweizer aus: 29 Prozent geben an, ihr Reiseverhalten aufgrund des Terrorismus in den letzten zwei Jahren geändert zu haben.

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Dabei beachten nun 84 Prozent die Reisehinweise des Bundes, und 75 Prozent stimmen der Aussage «wegen dem Terrorismus meide ich Länder, wo vor kurzem terroristische Anschläge verübt worden sind» zu. Zudem erklärten 35 Prozent, dass sie aufgrund der Sicherheitslage Angst hätten, in Grossstädte zu reisen. Weitere 40 Prozent ergriffen die Massnahme, ihr Reiseziel nur innerhalb Europas zu wählen.

Frauen änderten ihre Ferienpläne häufiger

Beim Reiseverhalten zeigen sich laut der Studie Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Mehrheitlich haben Frauen (33%) ihre Ferienplanung aufgrund des Terrorismus überdacht. Bei den Männern waren es nur 25 Prozent. Die am wenigsten genannte Massnahme bei der geänderten Reiseplanung war die Vermeidung von Zugreisen: Nur für 7 Prozent war diese Aussage zutreffend.

So düster die Aussichten der Schweizer für die weltpolitische Lage sind, die Zukunft der Schweiz sehen 82 Prozent optimistisch. Das sind ganze 7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Dasselbe zeigt sich beim allgemeinen Sicherheitsempfinden: Dieses stieg auf 93 Prozent und steht im Gegensatz zur Anpassung des Reiseverhaltens oder des gesunkenen Sicherheitsempfindens im öffentlichen Raum.

Polizei geniesst das höchste Ansehen

Zur Steigerung des allgemeinen Sicherheitsempfindens dürfte das grosse Vertrauen in die Behörden und Institutionen beigetragen haben. Die Polizei belegt von allen Behörden mit 7,9 Punkten auf einer Zehnerskala den Spitzenplatz, gefolgt von den Gerichten mit 7,4 und dem Bundesrat mit 7,1 Punkten.

Auch die Armee geniesst mit 6,5 Punkten ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Über 80 Prozent halten die Streitkräfte für notwendig, nur etwa ein Drittel der Befragten will die Wehrpflicht abschaffen oder das Armeebudget kürzen. Eine Berufsarmee wird nach wie vor nur von einer Minderheit der befürwortet.

Grosse Skepsis gegenüber der EU

Nur 31 Prozent der Schweizer sprechen sich für eine Annäherung an die EU aus. Das ist laut der ETH-Studie «Sicherheit 2017» ein neuer Tiefststand. 1999, als die Befragung erstmals durchgeführt wurde, befürworteten noch 70 Prozent die politische Annäherung zu Europa. Vor zwei Jahren waren es noch 39 Prozent gewesen, letztes Jahr 35 Prozent. Für einen EU-Beitritt sprachen sich dieses Jahr nur noch 15 Prozent aus. Hingegen wünschen sich 81 Prozent mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit. (sda)

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