Schnelles Auschecken: Jeder 5. zahlt nur noch an der Self-Scanning-Kasse

Aktualisiert

Schnelles AuscheckenJeder 5. zahlt nur noch an der Self-Scanning-Kasse

Schweizer Konsumenten fahren beim Lebensmittel-Kauf auf die Automaten ab. Doch die Maschinen bedrohen die Kassen-Jobs. Jetzt sind die Läden gefordert.

von
Dominic Benz
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Self-Scanning beim Kauf von Lebensmitteln boomt.

Self-Scanning beim Kauf von Lebensmitteln boomt.

Keystone/Gaetan Bally
Laut einer Studie nutzen zwei von drei Schweizer Konsumenten die automatisierten Kassen.

Laut einer Studie nutzen zwei von drei Schweizer Konsumenten die automatisierten Kassen.

Christian Beutler
Die Migros hat mittlerweile 330 Filialen von rund 600 mit Self-Scanning oder Self-Checkout ausgerüstet.

Die Migros hat mittlerweile 330 Filialen von rund 600 mit Self-Scanning oder Self-Checkout ausgerüstet.

Keystone/Walter Bieri

Nach dem langen Arbeitstag muss man noch im Laden das Abendessen einkaufen, aber an den Kassen bilden sich riesige Warteschlangen. Was tun? Klar: Die Lebensmittel an den Self-Checkout-Kassen einscannen und bezahlen. Das geht schnell und ist effizient.

Das sehen auch die meisten Schweizer so. Denn das Selber-Scannen der Lebensmittel boomt: Zwei von drei Schweizer Konsumenten zahlen mittlerweile am Automaten. Jeder Fünfte bezahlt sogar nur noch mit dem Scanner, wie der Wirtschaftsprüfer Deloitte in einer Studie schreibt.

Zeit sparen als Motivation

Tatsächlich ist der Faktor Zeit der grösste Antrieb für Kunden, solche Automaten zu nutzen. Laut Studie wollen rund 70 Prozent mit dem Selber-Scannen Zeit sparen.

Doch ob man an den Automaten wirklich schneller ist, ist fraglich. «Das hängt davon ab, wie viele Leute anstehen, wie geübt der Kunde mit dem Scanner umgeht oder wie kundenfreundlich die Benutzeroberfläche der automatischen Kassen ist», sagt Luc Zobrist, Ökonom und Studienautor bei Deloitte, zu 20 Minuten.

Maschinen verdrängen Menschen

Wichtig für den Kunden ist sein subjektiver Eindruck: «Er kann selber über den Verlauf der Bezahlung bestimmen und hat daher das Gefühl, schneller zu sein», so Zobrist.

Weniger Freude an den Self-Scannern dürften jedoch die Angestellten an den Kassen haben. Ihre Jobs werden zusehends von den Maschinen verdrängt. Das hat Folgen: «Der Trend wird mittelfristig zu einem Stellenabbau führen», sagt Thomas Helbling, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Alles andere sei unrealistisch. Auch zusätzlich geschaffene Jobs für Kassierer, wie etwa die Kontrolle der Kunden beim Scannen, könnten die wegfallenden Stellen nicht kompensieren, so der Experte.

«Weiterhin in den stationären Handel investieren»

Auch Natalie Imboden, Verantwortliche für den Bereich Detailhandel bei der Unia, sieht infolge des Sanner-Booms die Gefahr eines Stellenabbaus. Ein solcher müsse aber nicht zwingend eintreten, sagt sie zu 20 Minuten. «Es wird vermehrt zu Jobverschiebungen innerhalb des Betriebs kommen.» Wichtig sei, dass man weiterhin in den stationären Handel investiere. Für sie ist klar: «Nur wenn die Läden auf hohe Qualität und gute Kundenberatung setzen, können sie gegenüber dem Online-Handel konkurrenzfähig sein», so die Gewerkschafterin.

Dass das Self-Scanning so beliebt bei den Kunden ist, liegt vor allem an Migros und Coop. Die beiden führenden Schweizer Detailhändler haben vor wenigen Jahren die Kassen-Automaten in ihren Filialen breitflächig eingeführt. Mittlerweile sind die Scanner nicht mehr wegzudenken.

Neue Aufgaben für Kassierer

Die Migros hat mehr als die Hälfte der rund 600 Filialen mit den Systemen ausgerüstet. Trotzdem will der Grossist von einem Stellenabbau nichts wissen. «Self-Scanning und Self-Checkout wurden nicht eingeführt, um Kassenpersonal einzusparen», sagt Sprecherin Monika Weibel. Man wolle den Kunden in erster Linie das Einkaufen erleichtern, indem sie Zeit sparen könnten.

Laut Weibel gibt es für die Mitarbeiter an den Kassen teilweise neue Aufgaben. Dazu gehören unter anderem die Beratung und Unterstützung beim Scannen und das Durchführen von Stichproben. «Die Kassiererinnen wurden dafür speziell geschult», so Weibel.

Alterskontrollen beim Alkoholverkauf

Ähnlich klingt es auch bei Coop: «In Läden mit Self-Checkout-Kassen beschäftigen wir nicht weniger Personal als vor der Einführung dieser Kassen», sagt Sprecherin Andrea Bergmann. Von den rund 900 Coop-Filialen sind mittlerweile rund 300 mit Self-Checkout-Kassen ausgerüstet.

Die Kassierer setzt man jetzt laut Bergmann teils anderweitig bei den Automaten ein. So beispielsweise auch für Alterskontrollen beim Alkoholverkauf. Andere Mitarbeiter würden jetzt das Team im Laden unterstützen. Auch Coop setzt viel Wert auf Umschulung. «Wir investieren jährlich 45 Millionen Franken für die Ausbildung unserer Mitarbeitenden», so die Sprecherin.

Welches beim Self-Scanning die grössten Ärgernisse sind, lesen Sie demnächst auf 20 Minuten.

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