16.10.2020 04:58

Quarantäne«Jeder, der in den Ausgang geht, ist sich doch des Risikos bewusst»

Zwei mit dem Coronavirus infizierte Personen waren am Wochenende in Uri im Ausgang. Nun mussten sich rund 300 Personen in Quarantäne begeben.

von
Dominic Wipfli
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Rund 300 Urner mussten in Quarantäne, nachdem sie am Wochenende in Altdorf im Ausgang waren.

Rund 300 Urner mussten in Quarantäne, nachdem sie am Wochenende in Altdorf im Ausgang waren.

Wikipedia/Paebi
In der Londoner Bar hatte sich am Wochenende eine mit dem Coronavirus infizierte Person aufgehalten.

In der Londoner Bar hatte sich am Wochenende eine mit dem Coronavirus infizierte Person aufgehalten.

Google Street View
Auch in der Tellenbar verkehrte eine infizierte Person.

Auch in der Tellenbar verkehrte eine infizierte Person.

Instagram/Tellenbar

Darum gehts

  • Im Kanton Uri wurden 300 Personen in Quarantäne geschickt.

  • Zwei Urner erzählen, wie es ihnen in der Quarantäne geht.

Nachdem zwei mit dem Coronavirus infizierte Personen am Wochenende in Altdorf im Ausgang waren, mussten sich rund 300 Personen in eine zehntägige Quarantäne begeben. «Ich wurde am Mittwoch um 19 Uhr über das Contact-Tracing über die Quarantäne informiert», erzählt ein betroffener Urner, der am Samstag in der Londoner Bar in Altdorf war.

Für ihn kam die Meldung aber nicht überraschend: «Über Kollegen habe ich zuvor bereits erfahren, dass sich ein solcher Fall in dieser Bar ereignet hat. Daher wusste ich bereits, dass ich sehr wahrscheinlich in Quarantäne geschickt werde», sagt er weiter. Nach der Meldung musste er sich auch auf seine neue Situation einstellen. Weil der Urner am nächsten Tag eigentlich hätte arbeiten sollen, musste er umgehend seinen Arbeitgeber informieren, damit der Arbeitsplan angepasst werden konnte.

Er versucht nun aus seinen unfreiwilligen Ferien das Beste herauszuholen. «Durch den Fakt, dass viele weitere meiner Kollegen betroffen sind, fällt es mir leichter, die Quarantäne zu verbringen. Bei Langeweile kann man einfach kurz anrufen und ein bisschen reden.» Die Pläne fürs nächste Wochenende sind zwar gestrichen, aber «anstatt in eine Bar zu gehen, kann man sich nun mit Freunden in einem Zoom-Call treffen und dort gemeinsam ein Bier trinken». Grundsätzlich nehme er die Situation gelassen. «Ändern kann ich es jetzt nicht mehr, und jeder, der in den Ausgang geht, ist sich doch des Risikos, in Quarantäne geschickt zu werden, wohl auch selber bewusst.» Er will die Zeit, die ihm nun zur Verfügung steht, auch anders nutzen. «Ich könnte mir vorstellen, nun in meinem Zimmer mehr Sport zu treiben, Zeit hätte ich ja genug.»

So gehen Urner Betroffene mit Quarantäne um

Ein weiterer Urner berichtete uns über seine Quarantäne. Er ist nicht wie der erste in einem festen Arbeitsverhältnis, sondern Schüler; bei ihm sieht die Situation leicht anders aus.

«Als ich den Anruf vom Contact-Tracing bekommen hatte, musste ich schon ein bisschen schmunzeln», sagt ein weiterer betroffener Nachtschwärmer. «Ich hatte das Gefühl, dass die Frau, die am Telefon war, sich darauf vorbereitet hatte, dass ich gleich ausrasten werde. Dies gab mir das Gefühl, dass nicht jeder so gelassen mit der Situation umgeht.» Auch er musste nach dem Anruf zuerst Abklärungen treffen, wie es nun weitergeht. «Ich musste meine Schule darüber informieren, dass ich bis nächste Woche nicht anwesend sein werde», seine Hausaufgaben bekomme er nun per Mail, damit er auch von zu Hause aus lernen könne. Auch er versucht, aus der Situation nun das Beste zu machen. «Es ist halt so, wie es ist, ich finde, man sollte es irgendwo auch mit ein bisschen Humor sehen, auch wenn die Lage sehr ernst ist.» Weiter erzählt er: «Wenn ich nach dem Erledigen der Schulaufgaben noch Zeit habe, werde ich sie wohl in Netflix investieren und Serien weiterschauen, für die ich nie Zeit hatte.»

Quarantäne

Informationen der Behörden

Nicht alle betroffenen Nachtschwärmer konnten kontaktiert werden, wie der Kanton Uri am Donnerstag mitteilte: «Leider wurde die Arbeit des Contact-Tracing erschwert, weil die Kontaktangaben nicht immer vollständig, korrekt und lesbar angegeben wurden. Trotzdem ist es gelungen, mit dem Grossteil der Besucherinnen und Besucher Kontakt aufzunehmen. Wer jedoch in der fraglichen Nacht in einem der beiden Nachtlokale in Altdorf unterwegs war und bisher nicht kontaktiert wurde, wird gebeten, sich unverzüglich beim Contact-Tracing-Team Uri unter der Telefonnummer 041 875 50 55 zu melden.

Die beiden infizierten Personen befanden sich gemäss neuen Erkenntnissen der Contact- Tracing-Stelle zusätzlich bereits in der Nacht von Freitag, 9. Oktober 2020, auf Samstag, 10. Oktober 2020, in den besagten Lokalitäten. Aus diesem Grund wurde für alle Besucherinnen und Besucher, welche sich sowohl in der Nacht von Freitag auf Samstag wie auch in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Tellenbar sowie der Londoner Bar in Altdorf aufhielten, eine zehntägige Quarantäne verfügt.

Personen, welche sich im obengenannten Zeitraum in einem der beiden Lokale aufhielten und bisher nicht durch das Contact-Tracing-Team kontaktiert wurden, sind aufgefordert, zu Hause zu bleiben und sich unverzüglich bei der Contact-Tracing-Stelle Uri unter der Telefonnummer +41 41 875 5055 zu melden.»

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77 Kommentare
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Ge sund

16.10.2020, 08:58

ich habe Verständnis für die Party- und Klubbesucher, aber muss dies auf Kosten Aller geschehen? Mir AHV Rentnerin fehlt das gesellschaftliche Leben, sehr sogar. Doch möchte ich gesund bleiben. Als Ansteckerin von Corana zu werden ist für mich undenkbar, schon meinen Mitmenschen gegenüber...egal welchen Alters. Bleibt gesund.

Sensation

16.10.2020, 08:53

Jeder der Fakten prüft ist sich doch der Sinnhaftigkeit bewusst..

Werner

16.10.2020, 08:49

Ich finde es schade, dass man die neusten Erkenntnisse zum Virus nicht miteinbezieht und darauf die richtige Strategie setzt. Die Sterblichkeit bei Covid-19 liegt bei Einrechnung der Dunkelziffer zwischen 0.1 und 0.6%. Dies geht aus verschiedensten Studien hervor und wird sogar von der wissenschaftlichen Taskforce gutiert. Ebenfalls nachgewiesen ist, dass wir durch andere Coronaviren eine Kreuzimmunität in der Bevölkerung haben von bis zu 50%. Deshalb war das "Wunder von Elg" im Altersheim auch kein Wunder, sondern nur logisch, dass die meisten keine Symptome entwickelten. Es ist also Zeit die Strategie zu ändern. Mitigation wäre jetzt richtig. D.h. nicht mehr jede Infektion verhindern, sondern gezielt die Risikogruppe schützen. Aufhören mit den Massentests und unwirtschaftlichen Quarantäne Regeln. Das macht medizinisch keinen Sinn. Schlussendlich bin ich überzeugt, dass unser Immunsystem der wirksamste Schutz ist und uns Masken, Desinfketionsmittel und Plexiglas nicht effektiv schütze