Neues Strafrecht: Jeder Dritte entgeht der Strafe
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Neues StrafrechtJeder Dritte entgeht der Strafe

Gemeinnützige Arbeit oder Geldstrafe statt ins Gefängnis für kleinere Vergehen. So sieht es das neue Strafrecht vor. Die nun vorliegenden Zahlen aus dem Kanton Bern sind jedoch ernüchternd. Knapp jeder Dritte entgeht dem angeordneten Sozialdienst oder bezahlt die Busse nicht.

Das neue Strafrecht ist in der Schweiz erst seit gut zwei Jahren in Kraft, aber es wird unablässig heftig kritisiert. Im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen Geldstrafen und gemeinnützige Arbeit, die als Sanktionen die kurzen Gefängnisstrafen abgelöst haben. Nun liegen erstmals verlässliche Zahlen über den Vollzug der neuen Strafen vor.

Erhoben wurden die Daten von den Behörden des Kantons Bern: Die «SonntagsZeitung» berichtet, dass in 30 Prozent aller Fälle die Straftäter ihre gemeinnützige Arbeit nicht angetreten haben, oder der Arbeitseinsatz abgebrochen werden musste. Und ebenfalls rund ein Drittel zahlte die Geldbusse nicht.

Ein Teil der Verurteilten schlüpft am Ende gar vollständig durch die Maschen der Justiz, weil die Behörden sie nicht mehr finden. Der Berner Justizdirektor Christoph Neuhaus kritisiert scharf: «Die Delinquenten spielen mit der Verwaltung Katz' und Maus; das neue Gesetz hat Schlupflöcher.» Zusammen mit der St. Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter will er jetzt bei Eveline Widmer-Schlumpf Druck machen. Ziel: Die kurzen Gefängnisstrafen müssen wieder ins Gesetz.

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