27.06.2014 07:07

PlastikgeldJeder Dritte fürchtet sich vor Kreditkartenbetrug

Sechs Millionen Kreditkarten sind in der Schweiz im Umlauf. Volles Vertrauen haben die Benutzer in die Zahlungsart aber nicht. Besonders Frauen fürchten sich vor Betrug.

von
S. Spaeth
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Wer derzeit in den Ferien weilt, könnte

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Keystone/AP/Martin Meissner
Trotz der grossen Verbreitung trauen die Besitzer dem Zahlungsmittel nicht restlos. 39 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben beim Kreditkarteneinsatz mittelmässige oder grosse Sicherheitsbedenken. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Marketagent.com hervor.

Trotz der grossen Verbreitung trauen die Besitzer dem Zahlungsmittel nicht restlos. 39 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben beim Kreditkarteneinsatz mittelmässige oder grosse Sicherheitsbedenken. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von Marketagent.com hervor.

Keystone/Martin Ruetschi
In den letzten fünf Jahren hat sich die Art der Kreditkartenbetrugsfälle stark verändert. Gefälschte Karten machen statt 70 Prozent noch 20 Prozent aus, dafür ist der Anteil der Betrugsfälle mit am Bankomat gestohlenen Daten im fast gleichem Ausmass gestiegen.

In den letzten fünf Jahren hat sich die Art der Kreditkartenbetrugsfälle stark verändert. Gefälschte Karten machen statt 70 Prozent noch 20 Prozent aus, dafür ist der Anteil der Betrugsfälle mit am Bankomat gestohlenen Daten im fast gleichem Ausmass gestiegen.

Keystone/Ennio Leanza

Es gibt sie in Gold oder Platin, für Firmenchefs und für Angeber, in Grau für Normalos und in M-Budget-Grün für Sparfüchse: die Kreditkarten. In der Schweiz sind rund sechs Millionen im Umlauf. Anders gesagt: Nahezu jeder Schweizer über 20 Jahren besitzt eine Kreditkarte.

Trotz der grossen Verbreitung trauen die Besitzer dem Zahlungsmittel nicht restlos, obwohl rund die Hälfte der Besitzer von Mastercard, Visa & Co. ihre Karten einmal pro Woche oder öfter einsetzen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Marketagent.com, die 20 Minuten exklusiv vorliegt. Demnach hegen fast 33 Prozent der Befragten beim Kreditkarteneinsatz mittelmässige und weitere 6 Prozent grosse Sicherheitsbedenken.

10'000 verhinderte Missbrauchsfälle

Laut dem Kreditkartendienstleister Swisscard, der in der Schweiz die Abwicklung für Visa, Mastercard und American Express vornimmt, sind die Bedenken unbegründet. «Die Betrugsquote liegt im tiefen einstelligen Promille-Bereich», so Risikochef Klaus Rixecker an einem Mediengespräch. Über Swisscard wurden im letzten Jahr 73 Millionen Transaktionen abgefertigt.

Hegt Swisscard beispielsweise aufgrund von weit auseinanderliegenden Einsatzorten der Karte innert kürzester Zeit einen Betrugsverdacht, wird die Zahlung blockiert. 10'000 Missbrauchsfälle verhindern die 50 Mitarbeiter der Betrugsbekämpfungsabteilung von Swisscard pro Jahr.

Beträchtliche Unterschiede im Vertrauen in Kreditkartenzahlung zeigen sich auch bei den Geschlechtern: Während bei den Frauen 47 Prozent der Befragten mittelmässige oder grosse Sicherheitsbedenken äussern, sind es bei den Männern nur 31 Prozent. Die grösste Gefahr wittern die Schweizerinnen und Schweizer bei Online-Einkäufen auf Websites ausländischer Betreiber (62 Prozent). Zum Vergleich: Vor Betrug bei Schweizer Online-Shops fürchten sich nur 22 Prozent der Befragten.

Seit 2007 sind Betrugsfälle stark rückläufig

In den letzten fünf Jahren hat sich die Art der Kreditkartenbetrugsfälle stark verändert. Gefälschte Visa- oder Mastercards machen statt 70 Prozent noch 20 Prozent aus, dafür ist der Anteil der Betrugsfälle mit gestohlenen Daten – sei es durch Phishing oder Skimming – in ähnlichem Ausmass gestiegen. Bei Letzterem versuchen die Betrüger den Magnetstreifen der Karten zu kopieren, beim Phishing wird versucht, über gefälschte E-Mails an Kreditkarten zu gelangen.

Unter dem Strich sind Betrugsfälle im Kreditkartenbereich um 75 Prozent zurückgegangen. Grund dafür ist vor allem die Einführung eines Sicherheits-Chips, verbunden mit der Eingabe eines PIN-Codes am Kartenterminal. Für Verbesserungen habe ab dem Jahr 2010 zudem die Einführung von 3D-Secure geführt. Mit dieser Passwort-Lösung werden Kunden in einem Online-Shop genauso eindeutig identifiziert wie mit dem PIN-Code am Automaten.

Betrüger suchen neue Lücken

Trotz besserer Technologien ist für Risikochef Rixecker klar: «Wenn die Kreditkartenbranche einen Betrugskanal geschlossen hat, werden die Betrüger nach neuen Lücken suchen.» Darum bleibe man wachsam.

Zudem bieten noch nicht alle grossen Online-Shops 3D-Secure an, darunter auch der US-Riese Amazon. «Die Anbieter fürchten, mit der Passwortlösung die Kunden abzuschrecken, da es zusätzlichen Aufwand bedeutet», so Rixecker. Das Ausfallrisiko liegt aber meistens bei den Händlern, sofern die Kunden die Sorgfaltspflicht einhalten und beispielsweise Kreditkarte und Codes nicht zusammen aufbewahren.

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