12.06.2017 14:33

Termin verpasst

Jeder Dritte gibt die Steuererklärung zu spät ab

Mehr als ein Drittel der Schweizer hat die Steuererklärung nicht fristgerecht eingereicht. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Die Gründe sind vielfältig.

von
kwo
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Jeder Dritte Schweizer gibt die Steuererklärung zu spät ab. Die Gründe sind fehlende Lust, aber auch, dass das Ausfüllen kompliziert ist.

Jeder Dritte Schweizer gibt die Steuererklärung zu spät ab. Die Gründe sind fehlende Lust, aber auch, dass das Ausfüllen kompliziert ist.

Keystone/Gaetan Bally
FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann versucht schon seit langem, das Steuerrecht mit der Easy Swiss Tax zu vereinfachen. Das Ziel: Die Steuererklärung soll auf einem Bierdeckel Platz haben.

FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann versucht schon seit langem, das Steuerrecht mit der Easy Swiss Tax zu vereinfachen. Das Ziel: Die Steuererklärung soll auf einem Bierdeckel Platz haben.

Keystone/Gaetan Bally
Bisher ist der Vorstoss aber immer gescheitert. Bundesrat Ueli Maurer sagte bei der letzten Motion:  «Es hat natürlich durchaus etwas Bestechendes, dieses Anliegen zu vollziehen. Aber ich denke nicht, dass das tatsächlich möglich sein wird.»

Bisher ist der Vorstoss aber immer gescheitert. Bundesrat Ueli Maurer sagte bei der letzten Motion: «Es hat natürlich durchaus etwas Bestechendes, dieses Anliegen zu vollziehen. Aber ich denke nicht, dass das tatsächlich möglich sein wird.»

Keystone/Anthony Anex

Viele Steuerpflichtige empfinden das Ausfüllen der Steuererklärung als mühsam. Wie wenig es ihnen gefällt, zeigt auch eine neue Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis. Mehr als ein Drittel der Teilnehmer gab an, die Steuererklärung nicht am offiziellen Termin eingereicht zu haben.

Von den 37 Prozent, die die Frist verpasst haben, hat ein Drittel nicht einmal die Möglichkeit der Fristerstreckung genutzt. Das heisst, dass rund jeder zehnte Steuerpflichtige überhaupt nichts unternimmt, um dem Staat die nötigen Informationen für die Steuerberechnung zukommen zu lassen.

Keine Lust auf Steuererklärung

18 Prozent der Steuersäumer gaben an, keine Lust auf das Ausfüllen der Steuererklärung gehabt zu haben. Weitere Gründe für das Verpassen des Abgabetermins sind fehlende Unterlagen (13 Prozent) oder schlicht zu wenig Zeit (12 Prozent). Lediglich fünf Prozent der Befragten gaben an, dass sie die Steuererklärung als zu kompliziert empfinden und daher die Frist für das Einreichen verpasst haben.

Dennoch beansprucht fast jeder vierte Steuerpflichtige Unterstützung für das Ausfüllen der Steuererklärung. Dabei wenden sich nur wenige an Familie und Freunde (7 Prozent). Mehr als doppelt so häufig wird die Hilfe eines Steuerberaters in Anspruch genommen (16 Prozent). Viele Treuhand-Büros erledigen das Ausfüllen der Steuererklärung schon für unter 100 Franken.

Familie nicht den Lohn zeigen

«Die eigene finanzielle Situation Familie und Freunden offenzulegen, kommt häufig einem Tabubruch gleich», erklärt Marc Parmentier, Banken-Experte bei Comparis. Die günstigen Kosten für das Ausfüllenlassen sind also nicht der einzige Grund, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ausserdem würden sich die Steuerpflichtigen meist lieber von einem neutralen Fachmann helfen lassen. Parmentier ist überzeugt, dass sich der Gang zum Steuerberater lohnt: «Auch vermeintlich einfache Steuererklärungen lassen häufig Raum für Abzüge. Darüber hinaus lassen sich die Steuern auch mit einer einmaligen Beratung durch einen Fachmann über Jahre hinaus optimieren.»

Direkter Abzug vom Lohn umstritten

Wie jedes Jahr um diese Zeit steht die Frage im Raum, ob die Steuern direkt vom Lohn abgezogen werden sollen. Im Kanton Basel-Stadt wird derzeit ein entsprechender politischer Vorstoss diskutiert, wie 20 Minuten berichtete. «Ob sich ein solches Modell auf die ganze Schweiz anwenden lässt, ist aber fraglich», meint Banken-Experte Marc Parmentier. Die meisten Steuerpflichtigen hätten zwar wenig Lust, die Steuererklärung auszufüllen. Noch weniger könnten sie sich jedoch mit dem Gedanken anfreunden, dass der Staat direkt in die Lohntüte greift.

Ein verhaltensökonomisches Kurzgutachten des Zürcher Beratungsbüros Fehr Advice kommt allerdings zum Schluss, dass sich die Einführung eines automatisierten freiwilligen Direktabzugs aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnt. Bei den Steuerzahlern verringere sich die Verschuldung, während für den Staat Mehreinnahmen entstünden.

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