Aktualisiert 27.09.2018 06:15

Ausbildungsplatz

Jeder dritte Lehrling ist unzufrieden mit dem Lohn

Der Grossteil der Jugendlichen würde ihren Ausbildungsplatz weiterempfehlen: Viel Lob gibts für die Berufsbildner, weniger glücklich sind Lehrlinge mit ihrem Gehalt.

von
S. Spaeth
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Rund ein Drittel der Jugendlichen findet, sie würden für die geleistete Arbeit nicht angemessen bezahlt. Das zeigt eine anonyme Online-Umfrage des Beratungsunternehmens Great Place to Work. Eine Coiffeuse verdient im ersten Lehrjahr 400 Franken.

Rund ein Drittel der Jugendlichen findet, sie würden für die geleistete Arbeit nicht angemessen bezahlt. Das zeigt eine anonyme Online-Umfrage des Beratungsunternehmens Great Place to Work. Eine Coiffeuse verdient im ersten Lehrjahr 400 Franken.

Keystone/Peter Klaunzer
Für die Studien wurden 3000 Lehrlinge in 35 Unternehmen aus allen Branchen befragt.

Für die Studien wurden 3000 Lehrlinge in 35 Unternehmen aus allen Branchen befragt.

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«Die Bezahlung hat einen grösseren Einfluss auf die Zufriedenheit als erwartet – vor allem im Hinblick darauf, dass die meisten Ausbildungsbetriebe ungefähr denselben Lohn bezahlen», sagt Studienleiter Florian Manz zu 20 Minuten.

«Die Bezahlung hat einen grösseren Einfluss auf die Zufriedenheit als erwartet – vor allem im Hinblick darauf, dass die meisten Ausbildungsbetriebe ungefähr denselben Lohn bezahlen», sagt Studienleiter Florian Manz zu 20 Minuten.

Keystone/Gaetan Bally

400 Franken Monatslohn im ersten Lehrjahr als Coiffeuse, 900 Franken im zweiten als Bäcker und 1480 Franken im dritten als Kauffrau. Rund ein Drittel der Jugendlichen findet, sie würden für die geleistete Arbeit nicht angemessen bezahlt. Das zeigt eine anonyme Online-Umfrage des Beratungsunternehmens Great Place to Work. Befragt wurden 3000 Lehrlinge in 35 Unternehmen von Finanzdienstleistern bis Industrie. «Die Bezahlung hat einen grösseren Einfluss auf die Zufriedenheit als erwartet – vor allem im Hinblick darauf, dass die meisten Ausbildungsbetriebe ungefähr denselben Lohn bezahlen», sagt Studienleiter Florian Manz zu 20 Minuten.

Sollten die Lehrbetriebe, die in nahezu allen Branchen mit rückläufigen Bewerberzahlen und abnehmender Qualität der Bewerber kämpfen, die Lehrlingslöhne erhöhen, um die besten Kandidaten anzulocken? Manz rät klar davon ab. Die Lernenden liessen sich nicht über das Gehalt anlocken, sondern vielmehr mit interessanten Aufgaben und einer beruflichen Perspektive. Den Lernenden sei zudem bewusst, dass der Ausbildungslohn erst der Einstieg in das Berufsleben ist und sich das Gehalt danach sowieso verändert.

«Interessant ist zu sehen, dass die Zufriedenheit nicht von der absoluten Höhe des Ausbildungslohns abhängt», sagt Michael Hermann, CEO von Great Place to Work Schweiz. Wenn die Arbeitsplatzkultur positiv erlebt werde und die Lernenden Anerkennung erhielten, sei der Lohn nicht das entscheidende Kriterium.

Sinnvolles tun und ernst genommen werden

Aus der Umfrage geht weiter hervor, dass Lehrlinge als vollwertiges Mitglied betrachtet werden wollen. Bei 70 Prozent der Befragten ist das der Fall. «Ich werde als normale Mitarbeiterin angesehen. Das zeigt sich daran, dass ich in alle Meetings und Kundengespräche einbezogen werde. Dabei werden meine Meinung sowie mein Beitrag geschätzt», wird eine Lernende in der Studie zitiert.

Viel Einfluss auf die Gesamtzufriedenheit mit dem Ausbildungsplatz hat auch der Umstand, ob Lernende in ihrem Unternehmen einen Beitrag für die Gesellschaft leisten können. «Wenn sich junge Leute heute fur einen Arbeitgeber entscheiden, tun sie dies unter anderem mit der Überlegung, ob ihre Arbeit auch eine sinnstiftende Tätigkeit ist», sagt Manz.

Mehr Verständnis für Fehler

Fast durchwegs gute Noten bekommen die Berufsbildner: 80 Prozent der Befragten finden ihre Berufsbildner kompetent. Im Vergleich zur letzten Erhebung hat sich zudem stark verändert, wie die Lehrlingschefs auf Fehler reagieren: 83 Prozent der Lehrlinge geben an, ihre Chefs würden erkennen, dass bei der Arbeit auch Fehler passieren können. Bei der letzten Befragung waren es erst 73 Prozent. Zudem ist es den Firmen heute wichtiger, dass die Lehrlinge einen Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben haben. Dieser Wert ist von 67 auf 80 Prozent gestiegen.

Insgesamt sind die meisten Lehrlinge zufrieden mit ihrem Ausbildungsplatz und würden ihn weiterempfehlen: 76 Prozent der Lernenden stimmen der Aussage «alles in allem ist dies hier ein sehr guter Ausbildungsplatz» zu. Bei den von Great Place to Work ausgezeichneten Betrieben lag die Zustimmung bei 90 Prozent.

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