Schweizer Militär: Jeder elfte Rekrut steht politisch ganz rechts
Aktualisiert

Schweizer MilitärJeder elfte Rekrut steht politisch ganz rechts

Schweizer Rekruten verorten sich oft weit rechts oder links im politischen Spektrum. In der Rekrutenschule mässigen sich aber viele.

von
D. Krähenbühl
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Bei einer Umfrage der Militärakademie an der ETH antworteten 9 Prozent der Schweizer Rekruten, dass sie sich «ganz rechts» im politischen Spektrum einreihen, 5 Prozent «ganz links».

Bei einer Umfrage der Militärakademie an der ETH antworteten 9 Prozent der Schweizer Rekruten, dass sie sich «ganz rechts» im politischen Spektrum einreihen, 5 Prozent «ganz links».

Keystone
Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt der Anteil aller 18- bis 29-Jährigen bei nur 1,7 («ganz rechts») und 0,4 Prozent («ganz links»).

Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt der Anteil aller 18- bis 29-Jährigen bei nur 1,7 («ganz rechts») und 0,4 Prozent («ganz links»).

Keystone/Gaetan Bally
Dass die Armee politisch rechts eingestellte Personen anziehe, sei darauf zurückzuführen, dass Rechte eine Affinität für militärische Prinzipien (Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Führungsprinzip) hätten, begründet Tibor Szvircsev Tresch, Militärsoziologe an der Militärakademie (Milak) an der ETH die Ergebnisse.

Dass die Armee politisch rechts eingestellte Personen anziehe, sei darauf zurückzuführen, dass Rechte eine Affinität für militärische Prinzipien (Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Führungsprinzip) hätten, begründet Tibor Szvircsev Tresch, Militärsoziologe an der Militärakademie (Milak) an der ETH die Ergebnisse.

zvg

9 Prozent der Schweizer Rekruten reihen sich bei Beginn der RS im politischen Spektrum «ganz rechts» ein, 5 Prozent «ganz links». Zum Vergleich: In der Bevölkerung liegt der Anteil aller 18- bis 29-Jährigen bei nur 1,3 («ganz rechts») und 0,4 Prozent («ganz links»). Dies zeigte eine bisher unveröffentlichte Umfrage der Militärakademie (Milak) an der ETH Zürich bei 1291 Rekruten einer Sommer-RS. Klare Unterschiede gibt es zwischen Schweizern und Secondos. So reihen sich 54 Prozent der Schweizer ohne Migrationshintergrund im politischen Spektrum «rechts» oder «ganz rechts» ein. Bei den Secondos sind es lediglich 34 Prozent.

Dass die Armee politisch rechts eingestellte Personen anziehe, sei darauf zurückzuführen, dass Rechte eine Affinität für militärische Prinzipien (Hierarchie, Befehl und Gehorsam, Führungsprinzip) hätten, sagt Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch, der die Studie durchgeführt hat. «Wer eher links tickt, tritt eher nicht in die Rekrutenschule ein, sondern wählt den Zivildienst als Alternative.»

«In der Rekrutenschule rücken sie nach links»

Gegen Ende der Rekrutenschule schätzten sich allerdings immer weniger Personen als «ganz rechts» oder «ganz links» ein. Szvircsev Tresch führt das auf die «Integrationsleistung» der Rekrutenschule zurück: «Während der RS können Vorurteile abgebaut werden, weil man sich während dieser Zeit gut kennen lernt und auch kennen lernen muss.» Er habe aber nicht damit gerechnet, dass sich die Rekruten am Ende der Rekrutenschule linker einstufen würden als zu Beginn. «Dieser Linksdrall ist fast schon ironisch für die Armee, der man vorwirft, eine rechte Institution zu sein», sagt Szvircsev Tresch.

Dass überproportional viele Personen ins Militär kommen, die sich am rechten politischen Rand verorten, überrascht SVP-Nationalrat Thomas Hurter, der die Umfrage hinterfragt. «Junge Männer sind halt oft Draufgänger und in ihren politischen Positionen ‹am Ausprobieren›», erklärt er die Ergebnisse. Trotzdem sehe er keinen Grund zur Besorgnis. «Die Umfrage am Schluss der RS zeigt, dass die militärische Ausbildung eine Lebensschule ist und Wirkung zeigt», sagt Hurter. In der RS sei es möglich, seinen Horizont zu erweitern und Vorurteile abzubauen. «Umso schlimmer ist es, dass sich viele Junge vor dem Militärdienst drücken wollen und den Weg in den Zivildienst wählen», sagt Hurter.

«Vorfälle mit rechtsextremen Soldaten haben System»

Für Lewin Lempert, Sekretär der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA), ist die Armee selbst schuld an dieser Entwicklung. «Vorfälle mit rechtsextremen Soldaten sind mittlerweile keine Einzelfälle mehr, sondern haben System.» Die Armee stehe in der Pflicht, diese extremen politischen Tendenzen gar nicht erst aufkommen zu lassen und die Präventionsmassnahmen auszubauen. «Mit nicht einmal einer Vollzeitstelle in der Armee-Fachstelle für Extremismus dürfte das aber schwierig werden.» Dass die politische Ausrichtung am Schluss der Rekrutenschule weniger extrem rechts ausgeprägt ist als zu Beginn, sei kein Verdienst der Armee: «Wenn Menschen zusammenkommen, haben extreme Positionen immer einen schwereren Stand.»

Armee-Sprecher Daniel Reist betont: «Die Besetzung der Fachstelle Extremismus in der Armee reicht zur Genüge, das haben unsere Erfahrungen gezeigt.» Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass die Bemühungen der Armee in die richtige Richtung gingen. «Durch die Arbeit im Team schwächen sich extremistische Tendenzen bei Einzelnen wohl ab, was wir natürlich sehr begrüssen», sagt Reist.

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