Ferien: Jeder fünfte Reisende bleibt zu Hause

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FerienJeder fünfte Reisende bleibt zu Hause

Aus Reiselust wird Reisefrust – Terror und Angst dominieren die Schweizer Ferienzeit. Die Reisebüros bekommen das zu spüren.

von
D. Vollenweider

Die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende: Ein Putschversuch in der Türkei, ein Attentat in Nizza. Dabei wäre endlich Ferienzeit. Doch die schlimmen Nachrichten nehmen den Schweizern die Reiselust: Viele haben ihre geplante Reise an eine der betroffenen Destinationen annulliert. Tui Suisse will keine genauen Zahlen nennen, räumt jedoch ein: «Die Verunsicherung bei den Gästen ist spürbar.» Etwas konkreter gibt Hotelplan Suisse Auskunft: Mehr als 40 Prozent der Hotelplan-Kunden, die im Juli eine Städtereise nach Nizza geplant hatten, haben die Buchung nach dem Attentat annulliert.

Auch Kunden, die in die Türkei reisen wollten, haben seit den Vorkommnissen der letzten Tage ihre Ferienpläne geändert. Bei Hotelplan traten rund ein Fünftel, bei Kuoni mehr als die Hälfte ihre Reise in die Türkei am Wochenende nicht an. «Das Sommergeschäft für die Türkei ist für dieses Jahr gelaufen – es wird nicht mehr zu retten sein», sagt Kuoni-Sprecher Marcel Schlatter.

Allgemeine Zurückhaltung

Die Reisebüros sind derzeit kulant, was Annullierungen angeht, auch wenn das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bisher keine offizielle Reisewarnung für die Türkei oder Frankreich herausgegeben hat (siehe Grafik). Bei Hotelplan Suisse und Tui Suisse sind Annullationen und Umbuchungen für Reisen nach Nizza bis Ende Juli kostenlos. Reisen in die Türkei durften bzw. dürfen bei Tui Suisse und Kuoni bis gestern und bei Hotelplan Suisse bis heute Dienstag noch kostenlos storniert oder umgebucht werden.

Doch die Feriengäste meiden nicht nur die Destinationen, in denen in letzter Zeit etwas passiert ist. Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbands SRV, stellt eine allgemeine Zurückhaltung bei Schweizer Reisenden fest: «Genaue Zahlen gibt es noch nicht, aber ich schätze, dass jeder Fünfte der Auslandreisenden aufgrund der Vorkommnisse der letzten Zeit zu Hause bleibt», sagt er zu 20 Minuten. Müssen Reisebüros also mit einer Umsatzeinbusse von 20 Prozent rechnen? Nicht ganz, meint Kunz. «Wir stellen fest, dass Kunden ihre Ferien dafür wieder vermehrt im Reisebüro statt zu Hause am Bildschirm buchen.» Denn so könnten sie auf Nummer sicher gehen und hätten die Möglichkeit, ihre Ferien zu stornieren, sollte etwas Unerwartetes geschehen. Trotzdem müssten die Reisebüros mit einer Umsatzeinbusse im hohen einstelligen Prozentbereich rechnen, schätzt der Geschäfsführer des SRV.

Kurzfristige Buchungen

Auch Hotelplan stellt fest, dass viele Schweizer zu Hause bleiben wollen. Der Reiseanbieter hat auch Inlandreisen im Angebot. «Die Buchungen in diesem Bereich haben im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zugenommen», erklärt Prisca Huguenin von Hotelplan.

Zudem zeigt sich in den Schweizer Reisebüros, dass die Kunden immer kurzfristiger buchen, um das Risiko zu umgehen, die falsche Destination gebucht zu haben. «Im Schnitt wird derzeit rund zehn Tage vor der Abreise gebucht», sagt Kunz. Das sei aussergewöhnlich, gerade für die Ferienzeit, wo in den vergangenen Jahren oft lange im Voraus gebucht worden sei.

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