09.11.2020 10:01

Untersuchung von LangzeitverläufenJeder Fünfte spürt nach einem halben Jahr noch die Corona-Infektion

Die Universität Zürich hat Befragungen bei Covid-Patienten der ersten Welle durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass die Häufigkeit von Spätfolgen vermutlich unterschätzt wird.

von
Claudia Steiger
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Müde und erschöpft: Einige Covid-19-Patienten spüren diese Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus auch nach sechs Monaten noch. (Symbolbild)

Müde und erschöpft: Einige Covid-19-Patienten spüren diese Folgen einer Erkrankung mit dem Coronavirus auch nach sechs Monaten noch. (Symbolbild)

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Noch existieren harte Zahlen zur Häufigkeit von Langzeitverläufen und Spätfolgen einer Corona-Infektion kaum. Die Pandemie ist dafür noch zu wenig alt.

Noch existieren harte Zahlen zur Häufigkeit von Langzeitverläufen und Spätfolgen einer Corona-Infektion kaum. Die Pandemie ist dafür noch zu wenig alt.

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Die Universität Zürich hat für eine Untersuchung 105 positiv getestete Menschen befragt – demnach sind 22 Prozent nach einem halben Jahr noch nicht zur Normalität zurückgekehrt.

Die Universität Zürich hat für eine Untersuchung 105 positiv getestete Menschen befragt – demnach sind 22 Prozent nach einem halben Jahr noch nicht zur Normalität zurückgekehrt.

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Darum gehts

  • Rund ein Fünftel der Covid-19-Patienten spürt auch nach sechs Monaten noch die Folgen der Erkrankung.

  • Dies zeigt eine Untersuchung der Universität Zürich.

  • Forscher aus anderen Ländern kommen auf tiefere Zahlen.

  • Auch junge Menschen spüren die Folgen einer Erkrankung allerdings lange – dies zeigte sich in einer Rekrutenschule.

77 Prozent der Covid-19-Patienten sind nach sechs Monaten vollständig genesen – 22 Prozent allerdings noch nicht zur Normalität zurückgekehrt. Diese ersten Resultate einer Untersuchung der Universität Zürich liegen dem «Tages-Anzeiger» vor und zeigen, dass die Langzeitfolgen einer Coronavirus-Infektion möglicherweise unterschätzt werden.

Noch existieren harte Zahlen zur Häufigkeit solcher Langzeitverläufe und Spätfolgen kaum. Die Pandemie ist dafür noch zu wenig alt. Es gibt vor allem kleine Studien mit beschränkter Aussagekraft. Die Universität Zürich hat für ihre Untersuchung 105 Covid-19-Patienten einer eingehenden Befragung unterzogen. 92 Prozent der Teilnehmer litten an Covid-Symptomen, ein Viertel war hospitalisiert.

Die Befragungen zeigen, dass sich eine Person immer noch gleich schlecht fühlt wie zu Beginn der Erkrankung, einer weiteren Person ging es sogar schlechter. Von den 23 Betroffenen, die sich auch nach einem halben Jahr nicht gesund fühlten, waren 6 oft müde und erschöpft, 2 Teilnehmer litten noch immer an Geschmacksverlust und 2 weitere an Gelenkschmerzen. Die Beeinträchtigungen seien zwar nicht bei allen Teilnehmern schwerwiegend, es gehe den Betroffenen aber deutlich weniger gut als vor der Covid-Erkrankung, sagen die Forscher.

Andere Zahlen aus Grossbritannien

Ihre Untersuchung zeigt damit einen viel höheren Anteil an Spätfolgen als andere Studien. Forscher aus Grossbritannien zum Beispiel gehen in einem Bericht davon aus, dass nur ein bis zwei Prozent nach drei Monaten «immer noch deutlich krank» seien.

Die Daten der Universität Zürich sind noch nicht veröffentlicht und daher zurückhaltend zu beurteilen. Zudem seien die bisher ausgewerteten Teilnehmer zwischen Ende Februar und Anfang April einer Diagnose unterzogen worden. Da damals hauptsächlich Risikogruppen und schwere Fälle getestet worden seien, habe man dadurch wahrscheinlich auch eher schwerere Fälle unter den Studienteilnehmern. Die Stichprobe sei jedoch repräsentativ.

Rekruten mit reduzierter Sauerstoffkapazität

Die Forscher wollen insgesamt bis zu 800 Personen aus dem Kanton Zürich untersuchen, die während der ersten Welle positiv getestet wurden. Zudem sind sie seit August dabei, zusätzlich 1200 positiv getestete Personen in regelmässigen Abständen zu befragen, um die Bandbreite des Krankheitsverlaufs besser zu erfassen.

Auch junge, gesunde Menschen stecken eine Erkrankung mit dem Coronavirus allerdings nicht einfach weg. Das zeigt die Untersuchung eines Corona-Ausbruchs in einer Rekrutenschule. Ein Fünftel der 199 infizierten Soldaten hatte durchschnittlich fünf Wochen nach der Diagnose immer noch eine reduzierte maximale Sauerstoffkapazität. Der Wert sank in einem einfachen Ausdauertest um 10 Prozent im Vergleich zum Beginn der Rekrutenschule. Diese Veränderung entspreche etwa einer Alterung um fünfzehn Jahre.

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