Aktualisiert 04.04.2019 10:16

Ernährung

Jeder Fünfte stirbt, weil er falsch isst

Die Ernährung ist für mehr Todesfälle verantwortlich als jeder andere Risikofaktor. Die Schuld liegt aber nicht nur bei den ungesunden Nahrungsmitteln.

von
jcg
1 / 9
Weltweit lassen sich mehr Todesfälle mit falscher Ernährung in Verbindung bringen als mit Tabakkonsum oder hohem Blutdruck. Das schreiben US-Forscher in der Fachzeitschrift «The Lancet».

Weltweit lassen sich mehr Todesfälle mit falscher Ernährung in Verbindung bringen als mit Tabakkonsum oder hohem Blutdruck. Das schreiben US-Forscher in der Fachzeitschrift «The Lancet».

iStock/Alex Potemkin
Laut der neuen Studie sind daran aber nicht allein die Nahrungsmittel schuld, die allgemein als ungesund gelten, wie: rotes Fleisch ...

Laut der neuen Studie sind daran aber nicht allein die Nahrungsmittel schuld, die allgemein als ungesund gelten, wie: rotes Fleisch ...

iStock/Kajakiki
... verarbeitete Nahrungsmittel ...

... verarbeitete Nahrungsmittel ...

Keystone/Martin Ruetschi

Etwa 20 Prozent der weltweiten Todesfälle lassen sich statistisch mit den Folgen schlechter oder falscher Ernährung in Verbindung bringen. Das sind pro Jahr rund elf Millionen Todesfälle. Dies ergibt sich aus einer neuen statistischen Studie, die in der britischen Fachzeitschrift «The Lancet» publiziert worden ist.

Laut der neuen Studie verursachte ein Mangel an Vollkornprodukten, Obst, Nüssen und Samen 2017 mehr Todesfälle als Ernährungsformen mit einem hohen Anteil an Transfetten, gezuckerten Getränken, rotem Fleisch und verarbeiteten Nahrungsmitteln, wie das Fachblatt mitteilte.

Studienautor Christopher Murray, Chef des Instituts für Gesundheitsstatistik der Universität von Washington, fügte hinzu: «Diese Untersuchung bekräftigt, was wir seit vielen Jahren gedacht haben: Eine schlechte Ernährung ist für mehr Todesfälle verantwortlich als jeder andere Risikofaktor.»

Zu viel Salz, zu wenig Gemüse

Allerdings – so der US-Wissenschaftler – sei die Angelegenheit zwiespältig: «Während Salz, Zucker und Fette in den vergangenen 20 Jahren im Mittelpunkt der gesundheitspolitischen Debatte standen, deutet unsere Abschätzung darauf hin, dass die grössten ernährungsbedingten Risikofaktoren sowohl eine hohe Salzaufnahme als auch ein Mangel an Konsum gesunder Nahrungsmitteln wie Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und Gemüse sind.»

Schweiz hinter Frankreich, vor Deutschland

Das Land mit den wenigsten ernährungsbedingten Todesfällen war im Jahr 2017 Israel mit 88,9 pro 100'000 Einwohner. Dann folgte Frankreich mit 89,1 Todesfällen pro 100'000. Spanien, Japan und Andorra waren ebenfalls unter den Besten, die Schweiz folgte auf Platz 6 mit knapp 103 Todesfällen pro 100'000. 1990 lag diese Zahl für die Schweiz noch bei knapp 242 pro 100'000.

Die Nachbarländer Italien (107,7 pro 100'000), Österreich (142,1 pro 100'000) und Deutschland (162,0 pro 100'000) schnitten 2017 schlechter ab als die Schweiz.

Teils über 40 Prozent der Todesfälle

Am schlechtesten schnitten Länder wie Usbekistan (891,8 Todesfälle durch ernährungsbedingte Erkrankungen pro 100'000 Einwohner) und das seit Jahrzehnten vom Krieg heimgesuchte Afghanistan (750,5 pro 100'000) ab. In den USA sind es 170,7 Todesfälle pro 100'000 Einwohner durch derartige Erkrankungen. China lag mit 350,2 ernährungsbedingten Todesfällen pro 100'000 Menschen auf Rang 140 von 195 Staaten. International schwankten diese Raten um das Zehnfache.

In Usbekistan betrug 2017 der Anteil der ernährungsbedingten Todesfälle an der Gesamtmortalität 43,7 Prozent. In der Schweiz waren es 16 Prozent, in Israel 12,4 Prozent. Frankreich lag mit 12,7 Prozent ebenfalls sehr gut. Die USA schnitten mit 17,7 Prozent schlechter ab als beispielsweise Grossbritannien (15 Prozent). Deutschland und Österreich lagen auf ähnlichem Niveau (18,5 beziehungsweise 18 Prozent). (jcg/sda)

Fehler gefunden?Jetzt melden.