25.08.2015 03:50

Sicherheit in Zügen«Jeder kann bewaffnet in einen Zug steigen»

Nach dem bewaffneten Angriff in einem Zug in Frankreich wird über die Sicherheit im Bahnverkehr diskutiert. Auch in der Schweiz sind Politiker besorgt.

von
phi
CVP-Nationalrat Jakob Büchel: : «Es ist äusserst wichtig, dass die Polizei im Zug mitfährt.»

CVP-Nationalrat Jakob Büchel: : «Es ist äusserst wichtig, dass die Polizei im Zug mitfährt.»

Ein schwer bewaffneter Attentäter eröffnet in einem Zug das Feuer. Die Türen sind zu, es gibt kein Entrinnen. Mit dieser Situation sahen sich letzten Freitag die Passagiere eines Hochgeschwindigkeitszugs von Brüssel nach Paris konfrontiert. Nur dank des beherzten Eingreifens mutiger Passagiere konnte ein Blutbad verhindert werden.

Nach dem Vorfall wird europaweit über eine Verschärfung der Bahnsicherheit nachgedacht. Frankreich hat seine Patrouillen noch einmal verstärkt, die belgische Regierung hat ein Sondertreffen mit Ministern von Belgien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg vorgeschlagen. Auch Schweizer Politiker fordern zusätzliche Sicherheitsmassnahmen.

«Jeder kann bewaffnet in einen Zug steigen»

CVP-Nationalrat Jakob Büchler erklärt: «Es ist äusserst wichtig, dass die Polizei im Zug mitfährt.» Der Angriff in Frankreich habe gezeigt, dass der Bahnverkehr nicht genügend geschützt sei: «Dieses Mal ist zum Glück nichts Schlimmes passiert, doch es hätte ganz anders kommen können.»

«An Flughäfen wird jeder Passagier mehrmals durchleuchtet, an Bahnhöfen kann hingegen jeder bewaffnet in einen Zug steigen», so Büchel weiter. Eine Diskussion über die Sicherheitsvorschriften im Schweizer Bahnverkehr sei dringend nötig. Die Passagiere der Euro-Star-Züge zwischen dem europäischen Festland und Grossbritannien werden bereits heute so scharf kontrolliert wie an Flughäfen. Auch in Italien und Spanien wird das Gepäck teilweise vor dem Einstieg durchleuchtet.

«Kontrolle verhindert Anschläge nicht»

Für Aline Trede, Nationalrätin der Grüne, ist das der falsche Weg. «Wir sind eine liberale Gesellschaft, das soll auch so bleiben.» Anschläge wie jener auf die Redaktion des Satiremagazins «Charlie Hebdo» Anfang Jahr hätten gezeigt, dass man durch Kontrollen keine Attentate vereiteln könne: «Damals waren die Attentäter dem Nachrichtendienst bekannt und trotzdem konnte man den Angriff nicht verhindern.»

Trede plädiert stattdessen dafür, dass die Waffen nicht mehr zu Hause aufbewahrt werden sollen: «Auch sollten alle Waffen endlich registriert werden.»

Reto Schärli, Sprecher der SBB, kommentiert die Forderungen auf Anfrage wie folgt: «Die SBB beobachten die Situation und stehen in regelmässigem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden des Bundes. Zum Sicherheitsdispositiv geben wir grundsätzlich keine Auskunft.»

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