St. Gallen: «Jeder leer stehende Laden ist unattraktiv»

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St. Gallen«Jeder leer stehende Laden ist unattraktiv»

Im neuen Spisermarkt konnten noch nicht alle Ladenflächen vermietet werden. Nun stellen Künstler in den Räumen aus.

von
luh

Die leer stehenden Ladenlokale im Spisermarkt dienen als Ausstellungsorte für regionale Künstler. (Video: luh)

«Wir wollten die leeren Ladenflächen nicht einfach nur abkleben, deshalb beleben wir sie mit Kunst», sagt Ulrike Brunnschweiler, Geschäftsführerin der Event-Firma Braincom. Am Mittwoch öffnete der Spisermarkt in der St. Galler Altstadt nach zwei Jahren Umbauphase seine Türen. Bis jetzt fehlt es jedoch an Läden – gerade mal vier Geschäfte konnten vermietet werden. Deshalb beleben jetzt Kunstschaffende aus der Region die Räumlichkeiten. Das Konzept stammt von Braincom.

Moana Geiger ist eine der Künstlerinnen, die im Spisermarkt ausstellen. Die 19-jährige Lutzenbergerin zeigt hier ihre Holzskulpturen: «Ich finde die Idee super. Es ist doch schade, wenn so eine Location mitten in der Stadt einfach leer steht», so Geiger. Die weiteren Künstler im neuen Spisermarkt sind Jonny Müller, Daniel Stiefel und Silvan Köppel.

Viele gute Ideen vorhanden

Brunnschweiler sieht Potenzial, mit diesem Konzept auch andere leer stehende Ladenflächen in der Stadt zu beleben. Für die Umsetzung brauche es innovative Leute, «vor allem innovative Liegenschaftsbesitzer, ihre Räume zur Verfügung stellen».

In der Tat hat St. Gallen hat in den letzten Monaten kulturelle Zwischennutzungen für sich entdeckt: Werkhaus 45, Lattich und Kulturkonsulat heissen die Projekte. Am Dienstag wurde soeben der Pop-up-Coiffeursalon an der Multergasse eröffnet, der ausschliesslich von Lernenden betrieben wird.

«Zukunft St. Galler Innenstadt»

Auch Ralph Bleuer, Präsident von Pro City St. Gallen, findet die Idee der alternativen Nutzungen von Ladenflächen gut. Trotzdem sieht er Handlungsbedarf: «Jedes leer stehende Ladenlokal macht die Stadt unattraktiver, niemand will das», sagt er. Als Hauptursache für das Ladensterben sieht er den Onlinehandel. «Diese Veränderung können wir leider nicht beeinflussen, da müssen sich die Leute selber an der Nase nehmen.»

Zusammen mit der Stadt St. Gallen und anderen Beteiligten engagiert sich Pro City für das Projekt «Zukunft St.Galler Innenstadt». Dessen Ziel ist es, Massnahmen auszuarbeiten, wie man dem Strukturwandel neu begegnen kann. «Wir wollen positive Signale senden und wieder mehr Leute in die Stadt locken», so Bleuer.

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