Aktualisiert 09.09.2012 09:41

Transplantationen

Jeder Schweizer soll seine Organe hergeben

Jetzt prüft auch der Bund, ob schon bald möglicherweise jeder in der Schweiz zum Organspender wird. Wer das nicht will, müsste dann selber aktiv werden und sich melden.

von
oku

Nach Einschätzung von Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), ist es «denkbar», dass schon innerhalb kurzer Zeit das bisherige Organspende-System in der Schweiz auf den Kopf gestellt wird, sagte er dem «SonntagsBlick».

Bereits in zwei Jahren wäre die Einführung einer Widerspruchslösung möglich. Dabei wäre jeder zunächst ein möglicher Organspender. Wer nicht bereit ist, seine Organe nach dem Tod für Transplantationen zur Verfügung zu stellen, müsste dem explizit widersprechen.

Nein-Sager werden in Datenbank erfasst

Im Sommer hatte die Krankenkasse Assura unter ihren Versicherten eine Umfrage durchgeführt, nach der knapp 97 Prozent der rund 5000 Teilnehmer bereit sind, sich als Organspender registrieren zu lassen. Tatsächlich aber stirbt jeden dritten Tag ein Mensch in der Schweiz, weil kein lebensrettendes Organ zur Verfügung steht.

«Die Situation ist bedenklich und unbefriedigend», so Strupler gegenüber der Zeitung. Alle Optionen würden derzeit geprüft. Doch die Widerspruchslösung, wie sie offenbar laut der nicht repräsentativen Erhebung von der Mehrheit der Schweizer getragen wird, wird dabei zentral sein. Wer nicht bereit ist, seine Organe nach dem Tod für Transplantationen zur Verfügung zu stellen und Einspruch erhebt, würde dann in einem Register vermerkt.

Angehörige haben Veto-Recht

Andere Länder, etwa Frankreich oder Österreich, haben diese sogenannte Widerspruchslösung mit einer Datenbank für Nichtspender bereits umgesetzt. In der Schweiz stünde Swisstransplant für die Führung eines Widerspruchs-Registers zur Verfügung, wie Franz Immer, CEO von Swisstransplant, sagt. Er ist überzeugt: «Die Widerspruchslösung wäre für die Schweiz ein Segen, wenn sie richtig ausgeübt wird.»

Gegnern dieses Einspruch-Systems versucht er zu beruhigen: Auch bei jemandem, der keinen Widerspruch eingelegt hat, werden nach dem Tod nicht einfach Organe entnommen. Die Angehörigen würden befragt: «Falls sie sich explizit gegen die Organspende aussprechen, müsste man davon absehen», zitiert ihn der «SonntagsBlick».

Gesetz müsste angepasst werden

Anfang 2013 soll der Bericht des BAG vorliegen. Darin will Strupler noch weitere Möglichkeiten aufzeigen, die rasch zu mehr verfügbaren Spenderorganen führen könnten. Denn bevor das Widerspruchsystem eingeführt werden könnte, brauche es eine Gesetzesänderung. Er geht davon aus, dass dies frühestens 2014 der Fall wäre.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.