27.05.2016 19:36

Handyverbot an Festivals

«Jeder Seich wird geknipst und gefilmt»

Das Silo-Festival verbietet als erstes Openair Handys auf dem Gelände. Eine gute Idee, finden viele Leser. Andere finden das unnötig und ärgerlich.

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nei
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Das Silo-Festival in Hünenberg ZG hat als erstes Schweizer Openair ein Handyverbot verhängt. Die Idee stösst bei 20-Minuten-Lesern auf viel Zuspruch.

Das Silo-Festival in Hünenberg ZG hat als erstes Schweizer Openair ein Handyverbot verhängt. Die Idee stösst bei 20-Minuten-Lesern auf viel Zuspruch.

Silo-Festival
«Wenn ich an den Konzerten bin, will ich schliesslich die Musik geniessen und nicht alles durch den kleinen Bildschirm sehen», schreibt etwa «Holly wood».

«Wenn ich an den Konzerten bin, will ich schliesslich die Musik geniessen und nicht alles durch den kleinen Bildschirm sehen», schreibt etwa «Holly wood».

Keystone/Peter Klaunzer
Smartphones versauen vielen Konzertgängern das Erlebnis: «Anstatt einfach mal den Moment zu geniessen, wird jeder Seich geknipst und gefilmt. Und wie oft schaut man sich die Bilder dann an? Genau ein- oder zweimal.»

Smartphones versauen vielen Konzertgängern das Erlebnis: «Anstatt einfach mal den Moment zu geniessen, wird jeder Seich geknipst und gefilmt. Und wie oft schaut man sich die Bilder dann an? Genau ein- oder zweimal.»

Silo-Festival

«Mit den Smartphones geht doch ein grosser Teil des Spirits eines Festivals verloren», sagt Pascal Bühler zu 20 Minuten. An seinem Silo-Festival, das dieses Wochenende in Hünenberg ZG stattfindet, sind Smartphones darum explizit verboten.

55 Prozent der Teilnehmer, die bei einer 20-Minuten-Umfrage mitgemacht haben, halten ein Handyverbot an Festivals für sinnvoll. 22 Prozent finden die Idee zwar schön, haben aber Bedenken, dass sie sich an grösseren Festivals umsetzen lässt. Und gut ein Viertel sagt, die Idee sei Blödsinn – ein Besucher will das Silo-Festival gar wegen des Handybanns boykottieren.

«Wieder mal eine Bevormundung»

«Ich wäre an das Openair gegangen», schreibt der Leser, der sich «Ein Zuger» nennt. «Aber ohne Handy? No way! Ich werde etwas anderes unternehmen.» Auch ein Leser namens Seppli regt sich über das Verbot auf: «Wieder mal eine Bevormundung mehr! Toll, wie sich das Ganze hier entwickelt.»

Die Kritik von Marion fällt etwas differenzierter aus. «Eigentlich finde ich es eine tolle Idee, aber wenn meine Töchter auf einem Festival sind, bin ich schon froh, wenn sie uns im Notfall erreichen können.» Leser Butzdi schlägt derweil vor, dass man Handys nur in der Konzertzone verbietet, nicht aber auf dem Camping-Gelände – für den Fall, dass man seine Freunde verliert oder jemand erst später anreist.

«Die Menschen werden sich viel näher kommen»

Insgesamt überwiegen aber die positiven Kommentare: «Diesem Handy-Zombie-Wahn muss Einhalt geboten werden», schreibt Leser Gonzo. Die Besucher sollten lieber die Konzerte auf sich wirken lassen, schreibt auch M.S.: «Anstatt einfach mal den Moment zu geniessen, wird jeder Seich geknipst und gefilmt. Und wie oft schaut man sich die Bilder dann an? Genau ein- oder zweimal.»

Viele Leser beschweren sich ausserdem, dass ihnen Smartphones an Konzerten die Sicht versperren. Und Peter hat sogar ein ganz pragmatisches Argument, um das Handy zuhause zu lassen: «So kann es auch nicht gestohlen werden.»

Letzten Endes würden Musik-Acts allerdings auch von Smartphones im Publikum profitieren, stellt ein Leser mit dem Pseudonym Sehnsucht 67 fest: «Diese Bands leben ja auch davon, dass ihre Musik verbreitet wird.» Aber auch er sieht einen Vorteil im Handyverbot: «Ich bin überzeugt, dass sich die Menschen viel näher kommen, wenn sie Auge in Auge kommunizieren.»

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