Aktualisiert 10.09.2013 12:03

Schock-StudieJeder vierte Asiate hat bereits vergewaltigt

Im asiatisch-pazifischen Raum leiden Frauen stark unter sexueller Gewalt: Jeder vierte Mann bekennt sich dazu, schon einmal Sex erzwungen zu haben. Die meisten finden, das sei ihr Recht.

UN-Studie zeigt: Jeder vierte Mann in Asien ist ein Vergewaltiger.

UN-Studie zeigt: Jeder vierte Mann in Asien ist ein Vergewaltiger.

Vergewaltigungen sind einer neuen Studie zufolge in einigen Ländern Asiens erschreckend häufig: Jeder Vierte der gut 10 000 befragten Männer in sechs Ländern gab an, schon mindestens einmal die eigene Partnerin oder eine fremde Frau zum Sex gezwungen zu haben. Bezog sich die Frage nur auf fremde Frauen, bekannten sich im Schnitt sechs bis acht Prozent der Männer zum erzwungenen Sex. Die Zeitschrift «Lancet Global Health» veröffentlichte die Studie am Dienstag im Internet.

«Es ist klar, dass Gewalt gegen Frauen in der allgemeinen Bevölkerung weiter verbreitet ist, als wir dachten», sagte die Leiterin der Studie, Rachel Jewkes vom südafrikanischen Medical Research Council. Sie hatte auch eine vorangegangene Untersuchung für die Weltgesundheitsorganisation geleitet, nach der jede dritte Frau weltweit schon einmal Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt war. Die jetzt veröffentlichte Männerstudie wurde von den Vereinten Nationen sowie den Ländern Australien, Grossbritannien, Norwegen und Schweden bezahlt.

Regionale Unterschiede

Befragt wurden die 10 178 Männer in Bangladesch, China, Kambodscha, Indonesien, Sri Lanka und Papa Neu-Guinea. Das Wort Vergewaltigung wurde dabei nicht vorgegeben. Die Männer wurden gefragt, ob sie schon einmal eine Frau zum Sex gezwungen hätten, wenn sie nicht wollte oder zu berauscht war, sich zu wehren.

Die Häufigkeit variierte in einzelnen Ländern: So lag die Quote bei der Frage nach erzwungenem Sex mit der Partnerin bei 13 bis 57 Prozent. Im Durchschnitt waren es den Wissenschaftlern zufolge 24 Prozent, in Bezug auf fremde Frauen sechs bis acht Prozent. Die höchste Rate gab es in Papua Neu-Guinea, die niedrigsten in Bangladesch und Indonesien. Zum Vergleich: Eine ähnliche Studie in Südafrika hatte ergeben, dass fast 40 Prozent der Männer schon einmal eine Frau vergewaltigt hatten.

Sexismus und Langeweile

Die Wissenschaftler erklärten die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen mit sexistischen Ansichten, aber auch mit Armut oder Misshandlung in der Kindheit. Von den Männern, die sich zu erzwungenem Sex bekannten, gaben mehr als 70 Prozent als Grund an, das stehe ihnen zu. Fast 60 Prozent nannten zur Begründung, sie seien gelangweilt gewesen oder hätten ihren Spass haben wollen. Rund 40 Prozent sagten, sie seien wütend gewesen oder hätten die Frau bestrafen wollen. Jeder zweite Mann sagte, er fühle sich wegen der Vergewaltigung schuldig.

«Das Problem ist schockierend, aber wo immer wir auch hinschauen, sehen wir Gewalt gegen Partnerinnen, Erniedrigung und sexuelle Gewalt», sagte Michele Decker von der Johns Hopkins Bloomberg School für öffentliche Gesundheit, die die Studie kommentiert hatte. «Vergewaltigung heisst nicht, dass jemand eine Pistole an den Kopf einer Frau hält», fügte sie hinzu. «Die Leute denken immer, bei Vergewaltigung sei eine Tat, die nur andere begehen.» (sda)

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