Anti-Korruptionstag: Jeder Vierte schmiert
Aktualisiert

Anti-KorruptionstagJeder Vierte schmiert

Die Korruption ist laut einer Umfrage weltweit im Vormarsch. In der Schweiz gelten Privatwirtschaft, Medien und politische Parteien als bestechlich.

von
Balz Bruppacher

Das weltweite Korruptionsbarometer wurde von der Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI) zum heutigen Anti-Korruptionstag veröffentlicht. Demnach waren sechs von zehn Befragten aus der ganzen Welt der Ansicht, die Korruption habe in den letzten drei Jahren zugenommen. Jeder vierte Befragte gab zu, im vergangenen Jahr Schmiergelder bezahlt zu haben.

Am schlechtesten fiel die Einschätzung in Europa und in Nordamerika aus, wo 73 beziehungsweise 67 Prozent eine Zunahme der Korruption in den letzten drei Jahren ausmachten. In der Schweiz machte eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten die gleiche Beobachtung.

Bei den Bestechungszahlungen wurde von neun Institutionen und Dienstleistern die Polizei als häufigste Empfängerin der Schmiergelder genannt. Seit 2006 haben sich die Bestechungszahlungen an die Polizei fast verdoppelt. Am meisten Bestechungsgelder fliessen gemäss der Umfrage im zentralen und südlichen Afrika. Dort gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, innerhalb der letzten zwölf Monate geschmiert zu haben. In der EU und in Nordamerika waren es hingegen nur fünf Prozent, in der Schweiz bloss zwei Prozent, die Schmiergeldzahlungen einräumten.

Schweizer Medien als bestechlich eingestuft

Während weltweit Regierungen und Politiker punkto Bestechlichkeit am schlechtesten abschnitten, nahmen die Befragten in der Schweiz den privaten Sektor als am korruptesten wahr. Und zwar mit einer Bewertung von 3,3 auf einer fünfstufigen Skala. Ein schlechtes Zeugnis stellten die Befragten auch den Medien und den politischen Parteien mit Werten von 3,0 und 2,9 aus. Die Schweizer TI-Sektion sieht sich durch die Resultate in ihrer Forderung bestätigt, die Korruption in der Privatwirtschaft müsse intensiver bekämpft werden und in der Parteienfinanzierung sei Transparenz zu schaffen.

Bei der Korruptionsbekämpfung kommt der Bundesrat in der Umfrage schlecht weg: 54 Prozent der Schweizer Befragten sagten, die von ihrer Regierung ergriffenen Massnahmen seien ineffizient. In der letztjährigen Umfrage waren bloss 26 Prozent dieser Auffassung gewesen.

Positiv stuft Transparency den Umstand ein, dass weltweit sieben von zehn Befragten sagten, sie wären bereit, einen Korruptionsfall zu melden. Diese Bereitschaft müsse genutzt werden, forderte die Organisation. Entscheidend seien ein besserer Schutz für die sogenannten Whistleblower und ein breiterer Zugang zu Informationen. Für das Global Corruption Barometer wurden über 91 000 Menschen in 86 Ländern befragt.

«Es gibt keine korruptionsfreien Zonen»

Die EU-Kommissarin für Innenpolitik, Cecilia Malmström, hat angekündigt, den Kampf gegen Korruption auf europäischer Ebene zu verstärken. «Die Massnahmen, die bis jetzt in der EU ergriffen wurden, haben noch keine überzeugenden Ergebnisse gebracht», sagte Malmström der Tageszeitung «Die Welt». Deutlichstes Zeichen dafür sei, dass acht von zehn EU-Bürgern glaubten, dass es in den Verwaltungen ihres Landes Korruption gebe.

Zu den neuen Anti-Korruptionsmassnahmen gehören eine neu gefasste EU-Strategie zur Korruptionsbekämpfung sowie schärfere Kontrollmechanismen. «Ab 2012 sollen die 27 EU-Mitgliedsländer regelmässig berichten, wie sie Korruption bekämpfen», sagte Malmström. Sie warnte auch davor, das Ausmass der Korruption in Europa zu unterschätzen. «Es gibt in Europa keine korruptionsfreien Zonen», sagte Malmström. «Korruption existiert überall und die Mehrzahl der EU-Bürger sieht Korruption als ein Problem auf allen Regierungsebenen.» (dapd)

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