Arbeitsmarkt: Jeder vierte Schweizer bangt um den Job
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ArbeitsmarktJeder vierte Schweizer bangt um den Job

Sparmassnahmen, Auslagerungen, Werkschliessungen: Rund ein Viertel der Bevölkerung fürchtet sich vor dem Jobabbau in der eigenen Firma, wie eine Umfrage zeigt.

von
S. Spaeth

Von der Jobfront kamen zuletzt selten gute Nachrichten: 100 Jobs verschwinden beispielsweise beim Telekomanbieter Salt, die Automarke Honda streicht am Hauptsitz in Genf 55 Stellen und der Technologiekonzern Sulzer schliesst ein Werk in Winterthur, womit 90 Arbeitsplätze weggespart werden. Diese drei Abbaumeldungen stammen allesamt aus den letzten zehn Tagen. Eine repräsentative Umfrage von Marketagent.com für 20 Minuten zeigt: 27 Prozent der Bevölkerung befürchten einen Jobabbau im eigenen Betrieb. Durchgeführt wurde die Erhebung Ende Februar bei 500 Personen in der Deutschschweiz.

Die Angst vor dem Stellenkahlschlag im eigenen Betrieb hat aber trotz der vielen Negativmeldungen etwas abgenommen. 20 Minuten liess bereits im Herbst 2015 eine Job-Umfrage durchführen: Damals fürchteten sich 33 Prozent der Befragten vor dem Stellenabbau in der eigenen Firma – aktuell sind es gegen 6 Prozentpunkte weniger. Im vergangenen Herbst schlug der Frankenschock erstmals richtig durch, da die negativen Effekte des Mindestkurs-Aus vom Januar 2015 in vielen Branchen mit sechs bis acht Monaten Verzögerung eintrafen.

Mehr Klarheit, wer betroffen ist

Zu den möglichen Gründen des Rückgangs bei der Job-Angst sagt ETH-Arbeitsmarktforscher Michael Siegenthaler: «Die aktuellen Indikatoren zum Arbeitsmarkt weisen darauf hin, dass sich der Schweizer Arbeitsmarkt allmählich vom Frankenschock erholt. Es geht aufwärts, wenn auch nur schleppend.» Zudem sei der Stellenabbau geringer ausgefallen, als anfänglich zu befürchten gewesen sei. Das hat auch damit zu tun, das sich der Euro-Franken-Kurs von der Parität wegbewegt hat und derzeit bei knapp 1,10 liegt. Zudem geht das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) davon aus, dass die aktuelle Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent im kommenden Jahr auf 3,4 Prozent sinken wird.

Zudem hat sich laut Siegenthaler in vielen Betrieben geklärt, wer vom Stellenabbau betroffen ist, weshalb die Unsicherheit gesunken sei. Dass viele Betriebe Massnahmen gegen die Frankenstärke ergriffen haben, zeigt auch die Marketagent-Erhebung. 14 Prozent der Befragten geben an, dass in ihrem Betrieb seit dem Frankenschock bereits Stellen gestrichen worden seien, weitere 10 Prozent sagten, in ihrem Betrieb sei es zu einem Einstellungsstopp gekommen, 4 Prozent waren mit einer Erhöhung der Arbeitszeit konfrontiert.

Swiss-MEM bleibt pessimistisch

Schritte gegen den Frankenschock eingeleitet haben auch die Betriebe der stark exportabhängigen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM): «Die Massnahmen werden 2016 zunehmend Wirkung entfalten», sagt Sprecher Ivo Zimmermann. Dass das Schlimmste vorbei ist und mit dem Euro-Kurs von 1,10 Franken in der MEM-Industrie langsam Entspannung einkehrt, glaubt er aber nicht. «Wir erwarten, dass sich der beschleunigte Strukturwandel in der MEM-Industrie 2016 fortsetzen wird.» Das volle Ausmass der negativen Auswirkungen der Frankenstärke dürfte in der Industrie erst Anfang 2017 erkennbar sein. In der MEM-Industrie sind im vergangenen Jahr 10'000 Jobs verschwunden.

Viele Firmen sind zuversichtlich

In der Pharma-Industrie will jedes fünfte Unternehmen 2016 in der Schweiz neue Jobs schaffen, im Bausektor glauben hingegen 38 Prozent, dass sie im Jobs abbauen werden. Das zeigt eine Erhebung der St. Galler Beratungsfirma Know.ch, die die «SonntagsZeitung» veröffentlicht hat. Befragt wurden Mitte Februar 335 Firmen. Erfreulich ist: Knapp ein Fünftel der Firmen gehen für 2016 von einer Verbesserung der Geschäftstätigkeit aus, nur 14 Prozent von einer Verschlechterung. Rund zwei Drittel sehen keine Veränderung. (sas)

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