Mindestens 16 Minuten: Jeder vierte Swiss-Flug startet mit Verspätung
Aktualisiert

Mindestens 16 MinutenJeder vierte Swiss-Flug startet mit Verspätung

Im Sommer überrannten Passagiere den Flughafen Zürich. Viele Flüge hatten daher Verspätungen. Die Swiss gibt der Politik die Schuld.

von
Dominic Benz
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Der Sommer 2018 brachte den Airlines Rekorde. Weil die Zahl der Passagiere kontinuierlich zunimmt, hatten die Flugzeuge im Juli eine Auslastung von 89,5 Prozent.

Der Sommer 2018 brachte den Airlines Rekorde. Weil die Zahl der Passagiere kontinuierlich zunimmt, hatten die Flugzeuge im Juli eine Auslastung von 89,5 Prozent.

Keystone/Martin Ruetschi
«Voller geht fast nicht mehr», so die Swiss.

«Voller geht fast nicht mehr», so die Swiss.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Der Ansturm bringt den Flugplan durcheinander.

Der Ansturm bringt den Flugplan durcheinander.

Keystone/Salvatore di Nolfi

Der riesige Ferienrummel am Flughafen Zürich bringt die Airlines ans Limit. So auch die Swiss. In diesem Sommer ist jedes vierte Flugzeug der Lufthansa-Tochter mit einer Verspätung von mindestens 16 Minuten gestartet. Das schreibt die «Aargauer Zeitung» mit Bezug auf die jüngste Ausgabe des Lobbying-Magazins «Aeropolitics» der Swiss.

Schuld an den Verspätungen ist laut der Airline vor allem die Politik. «Der Sommer 2018 macht die Verfehlungen der Infrastrukturpolitik deutlich», schreibt die Swiss. So sei der Betrieb in Zürich stark «politischen Kräften ausgesetzt». Mehr Kapazitäten und flexiblere Betriebszeiten würden vehement bekämpft. Neue Reglemente seien durch die Politik blockiert.

Fertig mit «Pflästerlipolitik»

Die Swiss sieht daher schwarz: Mit der steigenden Nachfrage nach Flügen sei das heutige System kaum mehr in der Lage, einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten. Laut Prognosen soll die Nachfrage nach Flügen jährlich bis zu 3 Prozent steigen. Die Swiss fordert daher von der Politik mutige Entscheide: «Die Zeit der Pflästerlipolitik ist vorbei.»

Um ihrem Schrei nach mehr Kapazität Gehör zu verschaffen, geht die Swiss lobbyieren. Das viermal im Jahr erscheinende Swiss Journal erhalten jeweils rund 2000 ausgewählte Exponenten aus Politik und Wirtschaft. Auch die Fluglärmgegnerin und SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf hatte das Blatt in der Post. «Ich lese die Infos der Swiss jeweils mit Interesse. Dass sich Politiker davon beeinflussen lassen, glaube ich aber weniger», sagt sie zu 20 Minuten.

«Boarding dauert oft zu lange»

Auch sie habe keine Freude an Verspätungen, da dies auch die Nachtruhe störe. Doch die Swiss müsse sich auch an der eigenen Nase nehmen. «Das Boarding dauert oft zu lange, auch wegen Handgepäckregeln.» Auch für Verspätungen wegen Streiks von Lotsen im Ausland könne die Politik nichts. «In Deutschland müsste halt der Swiss-Mutterkonzern Lufthansa Druck machen, dass die Lotsen keinen Grund mehr zum Streiken haben.»

Für die Swiss ist aber klar: Grund für die Verspätungen waren die vielen Streiks, mangelndes Personal bei den europäischen Flugsicherungen, das hohe Flugaufkommen in Europa sowie Gewitter und Bisenlage. Das alles habe die Kapazitäten im Flugbetrieb am Flughafen Zürich stark reduziert.

«Voller geht fast nicht mehr»

Die Leidtragenden waren die Passagiere. Gemäss Swiss hat es eine hohe Zahl von gestrandeten Fluggästen gegeben, «die bestenfalls umgebucht oder gar in einem Hotel untergebracht werden mussten, weil sie den Anschlussflug nicht mehr erreichten». Das belastet die Finanzen. Die Kosten für die Betreuung der Passagiere haben sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Wie hoch der Betrag ist, sagt die Airline nicht. Der Konzern muss aber dafür selber aufkommen. Hinzu kommen allfällige Entschädigungsforderungen der Passagiere (siehe Box).

Ein Problem für die Airlines war der Rekordsommer. Im Juli starteten mehr als drei Millionen Passagiere ab dem Flughafen Zürich – mehr als jemals zuvor. Auch die Anzahl Tage, an denen mehr als 100'000 Passagiere abgefertigt wurden, hat sich verdoppelt. Das brachte auch der Swiss Rekorde. Weil die Zahl der Passagiere kontinuierlich steigt, hatten die Flugzeuge im Juli eine Auslastung von 89,5 Prozent. «Voller geht fast nicht mehr», so die Swiss.

Passagiere haben Recht auf Entschädigung

Gemäss EU-Recht haben Passagiere bei Verspätungen ab drei Stunden das Recht auf eine Entschädigung. Für Kurzstrecken bis 1500 Kilometer gibt es 250 Euro, bis 3500 Kilometern 400 Euro und ab 3500 Kilometern 600 Euro. Laut Experten reagieren Airlines auf Forderungen aber häufig erst, wenn man den Anwalt einschaltet.

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