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Grosse Sex-UmfrageJeder Vierte träumt von einem flotten Dreier

Nur alle sieben Tage einmal Geschlechtsverkehr - das ist der Durchschnitt hierzulande. Dennoch ist die Mehrheit zufrieden. Oder doch nicht? Viele Frauen täuschen den Orgasmus nur vor.

von
oku

Allzeit bereit mögen die Schweizer ja prinzipiell sein, doch so oft kommt es dann doch nicht vor, dass sie sich die Kleider vom Leib reissen und ihre Körper aneinander reiben. Knapp ein Viertel hat lediglich einmal pro Woche Sex. 16 Prozent gar nur alle zwei Wochen. Bei 29 Prozent liegt das Liebesleben quasi komplett auf Eis. Damit gehören all jene, die mehrmals die Woche zum Zuge kommen, zur glücklichen Minderheit.

Grund, den nationalen Sex-Notstand auszurufen, besteht indes nicht. Lediglich 12 Prozent der Frauenwelt und 15 Prozent der Männer machen bittersaure Miene wegen der Flaute im Bett – sie sind unzufrieden oder sehr unzufrieden. Mehr als die Hälfte ist durchaus happy mit ihrem Liebesleben. Das ist das Ergebnis der repräsentativen Sex-Umfrage von 20 Minuten Online und dem Premium Casual-Dating Service Secret.ch. In Zusammenarbeit mit der Universität Bern wurden 2070 Menschen in der Deutsch- und der Westschweiz befragt.

In der Kürze liegt die Würze?

Die erstaunlich hohe Zufriedenheit der Schweizer in puncto Sex könnte aber auch eine andere Ursache haben: «Zufriedenheit und Häufigkeit sind insgesamt erstaunlich hoch, da dürfte der Wunsch auch etwas der Vater des Antwortverhaltens gewesen sein, immerhin möchte eine Mehrheit gleichzeitig mehr Sex», relativiert Dr. phil. Daniel Regli, Psychotherapeut und Dozent an der Universität Bern, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie.

Ein Detailblick auf die Ergebnisse zeigt tatsächlich, dass es durchaus erotisches Verbesserungspotenzial gibt. Ein Teil der Unzufriedenheit rührt nicht zuletzt daher, dass die Dauer des Sex nicht optimal ist. Dabei gibt es deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. So wünschen sich Frauen vor allem ein längeres Vorspiel, während die Männer lieber länger Rein-Raus wollen. Aber egal ob beim Vorspiel oder beim Akt selber: Auch an der Qualität an sich lässt sich noch schrauben. Etwa jede/r Sechste wünscht sich, dass die Art und Weise besser wird.

Für die Qualität des Sex spielt die Länge des männlichen Penis übrigens nur eine untergeordnete Rolle: Rund drei Viertel der Frauen geben an, dass dies für sie kein wichtiges Kriterium ist. Etwas mehr Wert legen sie indes auf die Dicke des besten Stücks. Ein Drittel bewertet diese als durchaus wichtig.

Jeder Elfte hatte schon mehr als 20 Sexualpartner

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass sexuelle Treue in der Beziehung grossgeschrieben wird, bei Männern etwas weniger als bei Frauen. Lediglich eine Minderheit sieht das nicht so eng. So pfeifen 13 Prozent der Männer auf Treue. Unter den weiblichen Befragten sind es 5 Prozent, die auf sexuelle Freiheit setzen. Die Zurückhaltung der Schweizer beim Sex überrascht auch Regli: «Die untersuchte Gruppe ist eher traditionell eingestellt. Von wildem Rumbumsen keine Spur. Eine offene Beziehung im Geiste der 68er scheint für eine Mehrheit der Schweizer im 21. Jahrhundert kein attraktives Modell zu sein.»

Wer aber denkt, dass für Frauen Sex ohne Liebe gar nicht geht, der irrt. 4 Prozent geben an, dass ihnen Gefühle unwichtig sind, wenn es darum geht, ihre sexuelle Lust zu befriedigen. Bei Männern sind es 12 Prozent, für die Liebe im Bett keine Rolle spielt.

60 Prozent aller Befragten hatten bislang zwischen einem und fünf Sexualpartner in ihrem Leben. Demgegenüber stehen 9 Prozent, die es auf 20 Kerben im Bettpfosten bringen – ein Prozent legt gar wahre Sammelleidenschaft an den Tag: Sie haben die 100er-Grenze überschritten.

Liebe zu Dritt

Gefragt nach Sexpraktiken, die regelmässig auf dem Liebes-Menü stehen, werden an erster Stelle Oralverkehr (77 Prozent), Vaginalverkehr (76 Prozent) und Analverkehr (39 Prozent) genannt. Auf Sadomaso-Spiele stehen 9 Prozent. Etwas anders sieht es bei den geheimen Sex-Wünschen aus. Dort rangiert ein Flotter Dreier (23 Prozent) auf dem ersten Platz der Praktiken, die die Schweizer gerne einmal ausprobieren wollen. Auch Rollenspiele (10 Prozent), Analverkehr (9 Prozent), Gruppensex (8 Prozent) und Partnertausch (7 Prozent) stehen weit oben auf der sexuellen Wunschliste.

Geht es um den Einsatz von Liebeshilfen, greifen Schweizer vor allem zu Vibrator, Dildo, Handschellen und Liebeskugeln. Auch Penisring und Federn kommen häufig zum Einsatz.

Verlässlicher als jede Affäre: Die Hand

Selbstbefriedigung ist als praktische Aushilfe, wenn gerade kein Sexualpartner vorhanden ist, weit verbreitet. 20 Prozent der männlichen Umfrageteilnehmer geben an, es sich mindestens vier- bis fünfmal pro Woche selber zu machen. Weitere 25 Prozent legen zwei- bis dreimal Hand an sich selber an. Bei den Frauen sind es 4 Prozent, die es sich vier- bis fünfmal wöchentlich selbst besorgen, 10 Prozent bringen sich zwei- bis dreimal die Woche selber zum Höhepunkt.

Auf der anderen Seite stehen 20 Prozent der weiblichen Befragten, die sich nach eigenen Angaben überhaupt nie selber befriedigen. Bei den Männern liegt der Anteil derjenigen, die nie auf Handbetrieb stellen, bei 6 Prozent.

Das Kommen der Anderen

Die Annahme, dass Liebende beim Akt mehr auf sich als auf den anderen fixiert sind, wird durch die Umfrage nicht erhärtet. Vier von fünf Befragten ist der Höhepunkt der Partnerin oder des Partners wichtig oder sehr wichtig. Die eigene Lustwoge hingegen ist nur für 56 Prozent wichtig. Um ihre Partner nicht zu enttäuschen, greifen deshalb insbesondere Frauen zum Mittel der Täuschung: Jede Zweite hat schon häufig einen Orgasmus vorgespielt. Zwei Prozent von ihnen tut dies nach eigenem Bekunden sogar regelmässig. Dennoch ist die Schauspielleistung rund um das ultimative Prickeln keine reine Frauen-Domäne. Auch 8 Prozent der männlichen Sexualpartner gestehen, schon mehrmals einen Höhepunkt nur vorgegaukelt zu haben.

Die grosse Sex-Umfrage

Für die repräsentative Erhebung wurden insgesamt 2 070 Menschen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren in der Schweiz mit Hilfe des Markt- und Sozialforschungsinstituts LINK zu ihrem Sexualleben befragt, davon 1 574 in der Schweiz und 496 in der Westschweiz. 977 der Befragten sind weiblich, 1093 männlich.

Ausarbeitung und Auswertung der Umfrage erfolgte in Kooperation mit der Universität Bern. Im Anschluss an die Erhebung wurde die Stichprobe durch nach soziodemographischen Merkmalen und der Sprachregion gewichtet. Die Befragung erfolgte im Zeitraum vom 22. September – 11. Oktober 2011.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie gibt es hier >>

Eine Umfrage im Auftrag von

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