26.02.2015 08:11

Schon 58'000 Downloads

Jeder will die Organspende-App

Schweizer Spitäler leiden seit Jahren unter einem Mangel an Organspendern. Doch die im Herbst lancierte Ausweis-App weckt Hoffnungen.

von
vro
Die vom Unispital Lausanne und Swisstransplant entwickelte Organspende-App boomt bei den Schweizern.

Die vom Unispital Lausanne und Swisstransplant entwickelte Organspende-App boomt bei den Schweizern.

Im letzten Jahr meldeten sich 117 Organspender. Das sind zu wenige. Pro Woche stirbt deshalb im Schnitt mindestens ein Mensch, weil er vergeblich auf ein Ersatzorgan gewartet hat. Die tiefe Spenderate beschäftigt die Schweizer Politik bereits seit Jahren. Im Herbst haben das Unispital Lausanne und Swiss­transplant deshalb eine App lanciert, die als Organspendeausweis funktioniert.

Und die digitale Spenderkarte lässt hoffen: Bereits 58'000 Downloads wurden registriert, schreibt die Zeitung «Obersee Nachrichten». Dieser Senkrechtstart sei für Swisstransplant völlig unerwartet.

Ideale Methode

Generaldirektor Franz Immer hat jedoch eine Vermutung, weshalb die Echo 112-App so beliebt ist: «Sie ist leicht herunterzuladen und personifiziert mit Bild und Kontaktangaben.» Er ist überzeugt, dass die 58'000 Downloads ernst gemeint sind und die Entscheidungen bewusst gefällt wurden. Es sei eine ideale Methode, die Bereitschaft fürs Organspenden mitzuteilen.

Wird ein Patient in ein Spital mit Bluetooth-Tag eingeliefert, erscheint auf dem Smartphone automatisch sein Spenderausweis. Andere persönliche Daten würden nicht angezeigt. «Das Privatleben des Patienten ist vollkommen geschützt», sagt Immer zur Zeitung.

Hälfte der Ausweislosen würde spenden

Gemäss Umfragen kann die tiefe Anzahl an Organspendern nicht mit der fehlenden Bereitschaft begründet werden. Das Problem liegt vielmehr darin, dass nur die wenigsten einen Spenderausweis haben.

Eine Umfrage von 20 Minuten Ende 2013 zeigte, dass fast die Hälfte der Befragten, die keinen Ausweis besassen, damit einverstanden wären, wenn ihnen nach dem Tod die Organe entnommen würden. Die App, die zudem den Rettungsdienst alarmieren kann und Informationen über Allergien, Medikamente und Notfallkontakte speichert, soll ihnen jetzt den Zugang zum Ausweis erleichtern.

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