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Armut in der SchweizJeder Zehnte kann sich keine Ferien leisten

Trotz hohem Lebensstandard sind in der Schweiz 530'000 Menschen von Armut betroffen. Für 800'000 Personen ist eine Woche Ferien unbezahlbar.

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In der reichen Schweiz sind hunderttausende Menschen von Armut betroffen, wie eine neue Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigt. So leben rund 530'000 Personen in der Schweiz unterhalb der absoluten Armutsgrenze, das entspricht 6,6 Prozent der Wohnbevölkerung. Diese Haushalte haben zu wenig Geld, um grundlegende Kosten wie Wohnen, Essen, Kleidung, Mobilität oder Unterhaltung zu decken.

Als armutsgefährdet gelten gar 13,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung oder 1'085'000 Personen. Im Unterschied zur absoluten Armutsgrenze wird bei der Armutsgefährdung eine relative Grösse festgelegt, die 60 Prozent des mittleren Einkommens beträgt.

Das BFS hat auch untersucht, wie sich die Armut zeigt, und fand heraus: Mehr als jeder fünfte Haushalt könnte eine Rechnung von 2500 Franken nicht innerhalb eines Monats bezahlen; und knapp 10 Prozent der Bevölkerung kann es sich nicht leisten, eine Woche lang in die Ferien zu verreisen.

Risikogruppen: Alleinerziehende und Ausländer

Zwar sind Nichterwerbstätige besonders häufig von Armut betroffen, doch auch ein Job schützt nicht immer vor Armut: So galten 123'000 Erwerbstätige als arm, wobei Selbstständige und Teilzeitarbeitende besonders oft betroffen waren.

Besonders oft in schwierigen finanziellen Umständen sind Alleinerziehende: Über 30 Prozent beträgt hier der Anteil der Haushalte, die es «sehr schwierig» und «schwierig» finden, über die Runden zu kommen. Auch 20 Prozent jener, die nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben, haben Geldprobleme. Bei den Uniabsolventen sind es nur 6 Prozent. Zudem haben Ausländer mit 20,7 Prozent mehr als doppelt so häufig Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen, wie die Schweizer.

Europa geht es noch schlechter

Trotz dieser Zahlen sind in ganz Europa die Menschen nirgends so zufrieden mit der eigenen finanziellen Situation wie in der Schweiz. Auch der Lebensstandard ist zusammen mit Norwegen und Luxemburg einer der höchsten Europas. Selbst wenn man Preisniveauunterschiede korrigiert, verdient man in der Schweiz im Mittel immer noch 1,3-mal so viel wie in Deutschland oder 1,7-mal so viel wie in Italien. Europaweit können sich 37 Prozent der Menschen keine Ferien leisten; und während in der EU 11,5 Prozent grosse Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, sind es in der Schweiz nur 3,6 Prozent.

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