Aktualisiert 12.09.2016 15:41

Vergessen oder Angst

Jeder Zehnte schwänzt die Aushebung

Viele junge Schweizer verlegen, vergessen oder verlieren das Aufgebot des Militärs oder gehen nicht – aus Angst. Das kann bis zu 1000 Franken kosten.

von
ann
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Jugendliche gehen heute in kleinen Gruppen für zwei bis drei Tage zur Rekrutierung. Hier sieht man das Rekrutierungszentrum in Rüti, ZH. Stellungspflichtige aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau und Zug absolvieren die Rekrutierung in diesem Zentrum.

Jugendliche gehen heute in kleinen Gruppen für zwei bis drei Tage zur Rekrutierung. Hier sieht man das Rekrutierungszentrum in Rüti, ZH. Stellungspflichtige aus den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau und Zug absolvieren die Rekrutierung in diesem Zentrum.

Keystone/Gaetan Bally
Die Rekrutierung besteht aus drei Bereichen: Gesundheit, Psychologie und Fitness. Beim Gesundheitstest werden die Stellungspflichtigen durchgecheckt - hier wird zum Beispiel der Blutdruck gemessen.

Die Rekrutierung besteht aus drei Bereichen: Gesundheit, Psychologie und Fitness. Beim Gesundheitstest werden die Stellungspflichtigen durchgecheckt - hier wird zum Beispiel der Blutdruck gemessen.

Keystone
Jeder Einzelne wird von Ärztinnen und Ärzten genau untersucht.

Jeder Einzelne wird von Ärztinnen und Ärzten genau untersucht.

Keystone

Wenn junge Schweizer volljährig werden, flattert bald die Einladung zum Orientierungstag und dann zur zwei- bis dreitägigen Rekrutierung ins Haus. Was bis jetzt aber kaum bekannt war: Viele Aufgebotene gehen gar nicht. «Für uns ist das ein Problem», sagt Giordano Elmer, Kommandant des Rekrutierungszentrums Monte Ceneri im Tessin.

Gemäss seiner Erfahrung gibt es unter anderem einen Grund, weshalb die Jungen Fernbleiben. «Viele haben Angst, zu uns zu kommen.» Alfred Widmann, Kreiskommandant Basel-Stadt, sagt dazu: «Es kommt heute vor, dass Jugendliche, die während ihres ganzen bisherigen Lebens in einem Einzelzimmer geschlafen haben, Mühe haben, in einem 4-Bett-Zimmer zu übernachten.»

Aufgebot vergessen, verlegt oder verloren

Laut Daniel Bosshard, Kreiskommandat Zürich, sei es aber vor allem Nachlässigkeit. «Sie haben den Termin nicht oder falsch eingetragen, das Aufgebot verlegt oder verloren, oder die Rekrutierung einfach vergessen.»

Wie viele das sind, wird nicht schweizweit erhoben, da das Aufbieten der Stellungspflichtigen Sache der Kantone ist. Aufgrund von Stichproben bei einzelnen Kantonen lässt sich aber sagen: Etwa 10 Prozent erscheinen beim ersten Mal gar nicht.

In städtischen Gebieten ist die Zahl höher

So sind 2015 im Kanton Zürich 5'844 Stellungspflichtige aufgeboten worden. 1053 haben die zwei Tage unentschuldigt nicht angetreten. Das sind 18 Prozent und liegt im langjährigen Mittel. Ein Viertel wird nachträglich noch dispensiert, weil sie einen guten Grund haben, wieso sie die zweitägige Rekrutierung verpasst haben. «Etwa wegen Lehrabschluss- oder Maturaprüfungen, Krankheit oder Verletzung», sagt der Zürcher Kreiskommandant Daniel Bosshard.

Er weiss, dass der Kanton Zürich mit 13 bis 15 Prozent Unentschuldigten eine ziemlich hohe Quote aufweist. «Wir haben sehr viele städtische Gebiete, dort ist die Zahl jener, die nicht zur Rekrutierung kommen, leider immer höher.»

Ein erstes Fernbleiben kostet 200 Franken

Dies bestätigt eine Nachfrage im Kanton Basel Stadt, wo ebenfalls ungefähr 10 bis 15 Prozent der Stellungspflichtigen bei der ersten Rekrutierung nicht erscheinen. Im Kanton Bern sind es 10 %, während der Kanton Luzern 7 %, das Tessin 5 %, der Kanton Baselland 3 - 4 % und der Kanton St. Gallen nur 2.3 % Säumer haben.

Was wohl den wenigsten bewusst ist: Ihr Nichterscheinen kommt sie teuer zu stehen. Beim ersten Mal zahlen sie in der Regel eine Busse von 200 - 300 Franken und beim zweiten Mal 300 - 400 Franken. Wer auch beim 3. Aufgebot nicht erscheint, erhält 500 - 600 Franken aufgebrummt – also insgesamt 1000 Franken und mehr.

Am Schluss richtet die Militärjustiz

«Es gibt nur wenige Rekrutierungspflichtige, die so einen Termin zweimal verpassen», sagt Martin Büsser, Kreiskommandant Basel-Landschaft. Dies liegt auch daran, dass die Säumer in der Regel zur Einvernahme aufgeboten und zum Fernbleiben befragt werden.

Wer auch beim vierten Mal nicht erscheint, wird der Militärjustiz übergeben. Büsser: «Das sind aber nur eine Handvoll Fälle.»

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