Inkompetente Führungskräfte: Jeder Zweite hält seinen Chef für unfähig
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Inkompetente FührungskräfteJeder Zweite hält seinen Chef für unfähig

In einer Studie gab jeder zweite Mitarbeiter in der Schweiz an, sein Vorgesetzter sei inkompetent. Welche Fähigkeiten machen einen guten Chef aus?

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dv/sas

Diese Firmen waren bei der Auszeichnung zum besten Schweizer Arbeitgeber vorne mit dabei. (Video: V. Blank)

Viele Schweizer Chefs bekommen von ihren Mitarbeitern kein gutes Zeugnis ausgestellt. In einer Umfrage hat die Hälfte der Befragten angegeben, ihr Vorgesetzter sei inkompetent. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Beratungsunternehmens Great Place to Work (GPTW), bei der 50'000 Schweizer Angestellte aus 200 Firmen mitgemacht haben.

Das miserable Zeugnis für Führungskräfte zieht sich durch alle Branchen: «Tatsächlich gibt es kaum Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen», sagt GPTW-Schweiz-Chef Michael Hermann. Auch zwischen der Wahrnehmung von männlichen und weiblichen Chefs gab es keinen Unterschied.

Schlechter Chef führt zu schlechter Firmenbewertung

Wie die Mitarbeiter den eigenen Chef einschätzen, ist ein entscheidender Faktor dafür, wie sie die Firma als Ganzes bewerten. GPTW hat vergangene Woche die besten Arbeitgeber der Schweiz (siehe Video) ausgezeichnet. Bei diesen Unternehmen erleben 82 Prozent der Mitarbeitenden ihre Führungskräfte als kompetent.

Für die Studie wurde zum Beispiel gefragt, wie die Vorgesetzten Vorschläge und Ideen der Mitarbeitenden aufgreifen. Im Schnitt sind nur 48 Prozent der Befragten mit der Offenheit des Managements zufrieden. Bei den von GPTW ausgezeichneten Arbeitgebern sind es hingegen 79 Prozent. «Wenn das Management Ideen und Verbesserungen der Mitarbeitenden nicht zulässt, dann wird es automatisch auch allein für alles verantwortlich gemacht, was nicht rundläuft», so Hermann.

Mitarbeiter ernst nehmen

Die Top 3 bei den grossen ausgezeichneten Unternehmen –Sensirion, DHL Express und die LGT Bank – erhalten von der gesamten Belegschaft zu über 90 Prozent positive Rückmeldungen zur Führungskompetenz.

Noch bessere Werte mit 95 Prozent und mehr positiven Rückmeldungen erreichen das Industrieunternehmen Festo, das IT-Unternehmen DBI Services und auch die Tourismusexperten von Kontiki-Reisen. 96 Prozent der Angestellten von Kontiki-Reisen sagen beispielsweise, die Führungskräfte erkennen an, dass bei der Arbeit auch Fehler passieren können. Bei DBI Services sagen 100 Prozent der Mitarbeiter, die Führungskräfte halten ihre Versprechen ein.

Nicht nur das Fachwissen zählt

Fest steht: Es braucht mehr als nur gute Fachkenntnisse, um als Chef kompetent zu sein. «Ganz wichtig ist die Fähigkeit, zu kommunizieren», sagt Personalexperte und Autor Jörg Buckmann (siehe Box) zu 20 Minuten. Ebenso entscheidend seien Einfühlungsvermögen, Neugierde und die Fähigkeit, zuzuhören und Entscheidungen zu fällen. «Diese weichen Faktoren sind mindestens genauso wichtig wie die fachlichen Kenntnisse», so Buckmann. Nur könnte man diese nicht oder nur sehr bedingt schulen.

Das kann ein guter Chef

20 Minuten hat die wichtigsten Eigenschaften einer guten Führungskraft gemäss Personalexperte Jörg Buckmann zusammengetragen.

- Kommunizieren: Ein Chef muss vor allem eines: Gut kommunizieren können.

- Zuhören: Genauso wichtig wie kommunizieren ist die Fähigkeit, zuzuhören. Ein Chef muss sich zurücknehmen können und die Anregungen und Ideen seiner Mitarbeiter ernst nehmen.

- Angestellte einbinden: Ein guter Chef sieht und nutzt die Fähigkeiten seiner Angestellten.

- Entscheidungsfähig: Eine gute Führungspersönlichkeit muss Entscheide fällen können und dafür einstehen. Das heisst auch, eigene Fehler den Mitarbeitern gegenüber eingestehen zu können.

- Konstruktives Feedback: Schwierige Themen ansprechen zu können - auch das ist Chefsache.

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