Lieferboom: Jeder zweite Schweizer bestellt Essen nach Hause

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LieferboomJeder zweite Schweizer bestellt Essen nach Hause

Liefern statt selber kochen – für den Essenslieferdienst gibt es viele Gründe. Das Geschäft floriert, wie die Zahlen von Eat.ch zeigen.

von
F. Pöschl/D.Benz
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Pizza Margherita ist die beliebteste Mahlzeit der Eat.ch-Nutzer. Doch auch die Kategorie Healthy Food nimmt an Beliebtheit zu.

Pizza Margherita ist die beliebteste Mahlzeit der Eat.ch-Nutzer. Doch auch die Kategorie Healthy Food nimmt an Beliebtheit zu.

Ausser Pizza auch beliebt sind Pommes frites, Tiramisù und die Döner-Box.

Ausser Pizza auch beliebt sind Pommes frites, Tiramisù und die Döner-Box.

Daniel Gmuer
Millennials bestellen dreimal häufiger als ihre Eltern.

Millennials bestellen dreimal häufiger als ihre Eltern.

Keystone/Christof Schuerpf

Essenslieferungen erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Das zeigen die Zahlen des Schweizer Food-Delivery-Marktführers Eat.ch, der auf ein brummendes Geschäft zu Jahresbeginn verweist. Im Januar lieferte das Unternehmen, das erstmals Zahlen publiziert, über eine halbe Million Essensbestellungen aus. Im Jahr 2017 lag der monatliche Durchschnitt noch bei der Hälfte, wie Eat.ch in einer Mitteilung schreibt.

Wie sieht der Markt für Essenslieferdienste aus?

«Der Markt wächst sehr dynamisch», sagt Eat.ch-CEO Dominic Millioud zu 20 Minuten. Der Gesamtumsatz mit Online-Essensbestellungen in der Schweiz soll laut Prognose von Eat.ch in diesem Jahr auf 1,4 Milliarden Franken wachsen – plus 15 Prozent gemessen am Umsatz vor zwei Jahren. Zum Vergleich: Schweizer gaben 2017 insgesamt über 31 Milliarden Franken für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke aus, wie das Statistikportal Statista schreibt.

Warum bestellt ihr Essen?

Das halten Passanten in Zürich von Lieferservice.
(Video: Roland Lieberherr)

20 Minuten hat Passanten gefragt, warum sie Essen bestellen. (Video: 20M)

Wer bestellt Essen beim Lieferdienst?

Mehr als jeder zweite Schweizer hat sich sein Mittag- oder Abendessen schon mal liefern lassen, wie Eat.ch schreibt. Das Durchschnittsalter betrage 41 Jahre. Doch Millennials bestellen dreimal häufiger als ihre Eltern. «Bei dieser Zielgruppe gehört Essen zu bestellen zum Lifestyle», sagt Dominic Millioud. Dafür würden ältere, besser verdienende Kunden teurere Gerichte wie Sushi bestellen und so mehr ausgeben als die Jungen. So steuerten beide Gruppen etwa gleich viel zum Umsatz des Unternehmens bei. Der Lieferdienst registriere ausserdem immer mehr Single-Haushalte unter seinen Kunden. «Für sich allein kochen finden viele nicht so interessant. Das ist eher ein sozialer Event», sagt Millioud. Auch der Zeitgewinn sei ein wichtiger Punkt. Viele wollten ihr Essen nicht mehr lange vorbereiten und bestellten deshalb lieber Fertiggerichte online.

Wie bestellen die Nutzer?

«Treiber sind die Onlinebestellungen. Sie machen ein Drittel aller Bestellungen aus. Die anderen Bestellungen werden über das Telefon getätigt», sagt Millioud. Im Schnitt dauere die Lieferzeit 30 bis 45 Minuten. Bei längeren Wartezeiten hätten Kunden Mühe. Erfolgsentscheidend sei das personalisierte und einfache Kauferlebnis. So biete Eat.ch etwa die Möglichkeit, mit vier Klicks die letzte Bestellung zu wiederholen. Ausserdem gebe der Dienst Empfehlungen basierend auf Algorithmen und auf dem persönlichen Verhalten.

Was wird bestellt?

Es muss nicht immer Pizza sein. Eat.ch zählt fast 50 Küchenkategorien. Pizza ist aber seit Gründung der Plattform das beliebteste Gericht der Eat.ch-Community. Auch beliebt sind Pommes frites, Tiramisù und die Döner-Box. Stark wachsend sei das Segment Healthy Food, der klassische Salat taucht aber nicht in den Top 10 der meistbestellten Gerichte auf. Das Bestellverhalten unterscheidet sich auch in den Sprachregionen. Romands bestellen häufiger afrikanische und arabische Gerichte als Deutschschweizer, und der Sushi-Anteil ist in der Westschweiz siebenmal höher.

Wer sind die Anbieter?

Die Anzahl Lieferdienste nimmt zu, regionale wie schweizweit und international tätige. Mosi's liefert etwa seit 22 Jahren Essen in mehreren Schweizer Städten aus. Mit dem Markteintritt von Eat.ch im Jahr 2007, das zum britischen Unternehmen Just Eat gehört, gefolgt vom niederländischen Anbieter Takeaway.com vor etwa drei Jahren und dem US-Anbieter Uber Eats im vergangenen Jahr, nimmt vor allem die Internationalisierung der Food-Lieferdienste in der Schweiz zu.

Christine Schäfer ist Trend-Forscherin am Gottlieb-Duttweiler Institut (GDI)

Das Online-Bestellen von Essen boomt. Warum?

Das hat sicher auch mit unserem Lifestyle zu tun: Wir sind viel unterwegs und haben wenig Zeit für den Einkauf oder um zu kochen. Auch gibt es in der Schweiz viele Single-Haushalte. Möglicherweise kocht man für sich alleine auch weniger gerne als für eine Familie.

Vor allem Millennials bestellen Gerichte online.

Das verwundert mich nicht. Das ist eine Generation, die digital affin ist und sich den Umgang mit Online-Bestellungen gewohnt ist. Ob dieser Trend mit der jüngeren Generation weiter zunimmt, ist schwierig zu sagen.

Wer gehört zu den Verlierern?

Nimmt das Delivery-Geschäft in der Schweiz weiterhin so zu, trifft

das vor allem die Gastronomie. Denn wer sich Restaurant-Qualität nach Hause liefern lassen kann, hat keinen Grund, sich vom Sofa wegzubewegen. Die Schweizer Gastronomie muss in Zukunft den Gästen vermehrt ein Erlebnis bieten.

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