Aktualisiert 04.05.2012 10:36

ZweitwohnungenJeder zweite SVPler stimmte für die Initiative

Aus den Reihen der SVP-Anhänger haben am letzten Abstimmungssonntag 48 Prozent gegen Zweitwohnungen gestimmt und so der Initiative des Umweltschützers Franz Weber zum Durchbruch verholfen.

Zweitwohnungsbau und Bauprojekte in Rigi Kaltbad im Kanton Luzern, aufgenommen am 25. März 2012.

Zweitwohnungsbau und Bauprojekte in Rigi Kaltbad im Kanton Luzern, aufgenommen am 25. März 2012.

Die Zweitwohnungsinitiative ist nicht nur bei der politischen Linken auf Zustimmung gestossen. Fast jeder zweite SVP-Anhänger legte am 11. März ein Ja in die Urne. Deutliche ideologische Gräben gab es dafür in der Frage nach zusätzlichen Ferien und bei der Buchpreisbindung.

Eher überraschend hatte sich am letzten Abstimmungssonntag eine knappe Mehrheit der Stimmenden für die Zweitwohnungsinitiative des Umweltschützers Franz Weber ausgesprochen. Die von gfs.bern in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich durchgeführte Vox-Analyse zeigt nun, dass das «linke» Volksbegehren auch bei den SVP-Sympathisanten Anklang fand.

Gemäss der am Freitag veröffentlichten Analyse stimmten 48 Prozent der SVP-Anhänger für die Begrenzung des Zweitwohnungsbaus. Auf der anderen Seite folgten drei Viertel der SP-Sympathisanten der Ja-Parole ihrer Partei.

In Tourismuregionen wenig Zuspruch

Die Zustimmungsraten unter den Anhängern von FDP (33 Prozent Ja) und CVP (28 Prozent Ja) lagen zwar deutlich tiefer. Die Vorlage fand aber über die ideologischen Gräben hinweg Zustimmung und war nicht durch einen starken Links-rechts-Gegensatz geprägt, wie aus der Analyse hervorgeht.

In alpinen Tourismusregionen stiess das Begehren wenig überraschend auf weniger Anklang als in den Gebieten des Mittellands. Selbst in den Alpenkantonen habe die Initiative aber eine «beträchtliche Unterstützung» erfahren.

Ins Auge sticht besonders die in den Worten der Autoren «sensationell anmutende Zustimmung» für die Argumente des Pro-Lagers. Selbst unter den Gegnern der Initiative waren etwa 73 Prozent der Meinung, Zweitwohnungsregionen glichen in der Zwischensaison Geisterstädten. Die Weber-Initiative habe ein «in breiten Bevölkerungskreisen anerkanntes Problem aufgegriffen».

SVP-Anhänger blieben zuhause

Mit 45,1 Prozent lag die Wahlbeteiligung am 11. März zwar knapp über dem langjährigen Durchschnitt. Die Mobilisierung der SVP- Wählerschaft fiel mit 41 Prozent aber unterdurchschnittlich aus. Dies lasse sich wohl damit erklären, dass keine der Initiativen aus den Reihen der SVP stammte, schreiben die Autoren.

Anders als die Zweitwohnungsinitiative wurden sowohl die Bausparinitiative als auch die Ferieninitiative vom Stimmvolk abgelehnt. Bei der Bausparvorlage könnte das Abstimmungsverhalten gemäss der Vox-Analyse vor allem durch persönliche Nutzenabwägungen beeinflusst worden sein. Mit einem höheren Haushaltseinkommen ging auch eine höhere Zustimmungsrate einher.

Das Nein-Argument, das deutlich am häufigsten genannt wurde, war die Bevorteilung bestimmter Bevölkerungsgruppen, namentlich der Reichen. 57 Prozent der Nein-Stimmenden bezeichneten dies als wichtigsten Grund für ihre ablehnende Haltung.

Die deutlich abgelehnte Initiative «6 Wochen Ferien für alle» spaltete das Stimmvolk hingegen in die ideologischen Lager. Unter den Anhängern von CVP, FDP und SVP wurde die Vorlage jeweils von mehr als 80 Prozent der Stimmenden abgelehnt.

Geldspiele: Breite Zustimmung

Ein ideologischer Graben öffnete sich auch beim Referendum über die Buchpreisbindung. Sympathisanten von SP und Grünen legten in 61 beziehungsweise 80 Prozent der Fälle ein Ja in die Urne. Die Anhänger der bürgerlichen Parteien lehnten die Vorlage jeweils mit Nein-Anteilen zwischen 64 und 71 Prozent ab.

Wenig Konfliktpotenzial entwickelte die fünfte Vorlage vom 11. März über die Regelung der Geldspiele. Über das ganze politische Spektrum hinweg wurde der Bundesbeschluss von über 70 Prozent der Wähler angenommen.

Für die Analyse befragte das Forschungsinstitut gfs.bern in den 14 Tagen nach dem Urnengang insgesamt 1570 stimmberechtigte Personen. Im Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich wurden die Daten anschliessend ausgewertet. Der Stichprobenfehler beträgt /- 2,5 Prozent.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.