Aktualisiert 11.01.2016 14:14

Generation Eigenheim

Jeder Zweite unter 30 träumt vom eigenen Haus

Noch hat die Schweiz die tiefste Eigentumsquote Europas. Doch nun wird aufgeholt: Die Hälfte aller 15- bis 29-Jährigen will in den nächsten zehn Jahren ein Haus kaufen.

von
S. Spaeth
1 / 10
Zwar hat die Wohneigentumsquote in der Schweiz seit 1990 von rund 30 auf rund 40 Prozent zugenommen, dennoch hat die Schweiz die tiefste Quote in ganz Europa.

Zwar hat die Wohneigentumsquote in der Schweiz seit 1990 von rund 30 auf rund 40 Prozent zugenommen, dennoch hat die Schweiz die tiefste Quote in ganz Europa.

Keystone/Gaetan Bally
In Spanien liegt die Wohneigentumsquote bei 78 Prozent. In Rumänien, dem Spitzenreiter in Europa, sind 95 Prozent der Haushalte Wohnungs- oder Hauseigentümer.

In Spanien liegt die Wohneigentumsquote bei 78 Prozent. In Rumänien, dem Spitzenreiter in Europa, sind 95 Prozent der Haushalte Wohnungs- oder Hauseigentümer.

AP/Alvaro Barrientos
Einiges deutet darauf hin, dass in der Schweiz die Wohneigentumsquote in den nächsten Jahren auf gegen 50 Prozent steigen wird.

Einiges deutet darauf hin, dass in der Schweiz die Wohneigentumsquote in den nächsten Jahren auf gegen 50 Prozent steigen wird.

Keystone/Steffen Schmidt

Die Schweiz ist ein Mieterland. Zwar hat die Wohneigentumsquote seit 1990 von rund 30 auf rund 40 Prozent zugenommen, dennoch hat die Schweiz die tiefste Quote in ganz Europa. Zum Vergleich: Im am zweitschlechtesten klassierten Deutschland wohnen bereits rund 53 Prozent in den eigenen vier Wänden; in Spanien sind es 78 Prozent und in Rumänien – dem Spitzenreiter – sind 95 Prozent der Haushalte Wohnungs- oder Hauseigentümer.

Nun deutet aber einiges darauf hin, dass in der Schweiz die Wohneigentumsquote in den nächsten Jahren auf gegen 50 Prozent steigen wird. Laut einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von GfK im Auftrag des Hypothekenvermittlers Moneypark möchte knapp die Hälfte der 15- bis 29-Jährigen Deutschschweizer bis 2026 ein Eigenheim kaufen. Rekordtiefe Zinsen machen den Kauf so attraktiv wie selten zuvor. «Zudem besinnen sich viele Schweizer wieder auf konservative Werte wie Familie und Heimat – und da spielt das eigene Zuhause eine zentrale Rolle», sagt Moneypark-CEO Stefan Heitmann zu 20 Minuten.

Grosser Graben zwischen Stadt und Land

Die tiefe Schweizer Wohneigentumsquote (laut GfK-Umfrage zurzeit rund 42 Prozent) liegt an der geringen staatlichen Förderung, dem stark regulierten Hypothekenmarkt und an der Bevölkerungsdichte. Diese ist in der Schweiz – wenn man die Alpen abzieht – so hoch wie nirgends sonst in Europa. «Da die Immobilienpreise in Ballungsgebieten höher sind als auf dem Land, können es sich viele nicht leisten, in städtischen Gebieten Wohneigentum zu erwerben», sagt Experte Heitmann.

Zudem ist auf dem Land die Miete im Verhältnis zum Kauf oft teurer als in Städten. Dies verdeutlichen auch die kantonalen Zahlen um Wohneigentum: In Basel-Stadt und Genf liegt die Quote laut Zahlen des BFS (2013) unter 18 Prozent, in den ländlichen Kantonen Wallis und Jura hingegen bei über 55 Prozent. Fazit: Je ländlicher eine Region, desto höher der Anteil an Haus- und Wohnungsbesitzern.

Haustraum zu verwirklichen ist schwieriger geworden

Am grössten ist der Wunsch nach Wohneigentum bei jungen Paaren. Laut der GfK-Erhebung wollen 56 Prozent von ihnen bis 2016 Wohneigentum erwerben. Mit dem Traum der eigenen vier Wände kollidiert allerdings oft die Realität auf dem Immobilien- bzw. Finanzierungsmarkt. «In den vergangenen Jahren ist es definitiv schwieriger geworden, sich ein Eigenheim zu kaufen – gerade für junge Familien, die noch nicht über ein allzu grosses Kapital verfügen», sagt Heitmann. Grund dafür sind die nach Region stark gestiegenen Immobilienpreise.

Bei Moneypark gehen die Experten davon aus, dass der Erwerb von Wohneigentum in den nächsten Jahren etwa gleich schwierig bleibt wie aktuell. Derzeit zeichnen sich keine weiteren Regulierungsschritte ab, die Zinsen dürften bis mindestens 2017 tief bleiben. Zudem gibt es in vielen Regionen Anzeichen für eine allmähliche Normalisierung bei den Immobilienpreisen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.