26.03.2017 17:31

SBB zeigt Mängel auf

Jedes dritte Gleis ist in schlechtem Zustand

Die SBB stellt sich mit dem neuesten Netzzustandsbericht kein löbliches Zeugnis aus. Die Zahlen sprechen für sich, die Bundesbahnen sind dennoch nicht beunruhigt.

von
kat
Aufwändig und teuer: Bahnarbeiter bei Reparaturarbeiten der Geleise im Bahnhof Luzern. (26 März 2017)

Aufwändig und teuer: Bahnarbeiter bei Reparaturarbeiten der Geleise im Bahnhof Luzern. (26 März 2017)

Keystone/Urs Flueeler

Seit fünf Tagen haben Pendler, Gleisarbeiter und die SBB den grössten Bahnverkehrsausfall seit Jahren zu handhaben. Am Mittwoch entgleisten zwei Waggons eines Eurocity-Zuges und legten den Luzerner Bahnhof lahm. Am Montag sollen die meisten Züge wieder normal verkehren.

Der entstandene Sachschaden lässt sich wohl in Millionenhöhe beziffern, die Ursache ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Spekuliert wird bei letzterem über Mängel an den Gleisen.

Der Netzzustandsbericht der SBB erhärtet diesen Verdacht. Ein Drittel der Gleise und Weichen befindet sich demnach in schlechtem oder ungenügendem Zustand. Vom Gesamtnetz der SBB-Infrastruktur wurden 23 Prozent der Fahrbahnen in die Kategorie «schlecht» eingeordnet, 10 Prozent gar in die Kategorie «ungenügend».

Solche Anlagen weisen Schäden auf, welche den Betrieb unmittelbar und in grossem Ausmass beeinträchtigen können und sind somit sanierungsbedürftig, wie es im SBB-Bericht heisst. Gemäss eigenen Vorgaben dürften ungenügende Gleise und Weichen aber gar nicht vorkommen.

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Kraftakt: In Luzern werden die Züge bald wieder im Takt fahren. (24. März 2017)

Kraftakt: In Luzern werden die Züge bald wieder im Takt fahren. (24. März 2017)

Keystone/Urs Flüeler
Die Instandstellung ist in vollem Gange: Gleisarbeiter am Bahnhof Luzern. (24. März 2017)

Die Instandstellung ist in vollem Gange: Gleisarbeiter am Bahnhof Luzern. (24. März 2017)

Keystone/Urs Flueeler
Am Montag dürfte der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Am Montag dürfte der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden.

Keystone/Urs Flueeler

«Keine akut kritischen Anlagen»

Seitens der SBB wird dieser negative Eindruck aber relativiert. «Für die SBB ist der Zustand der Fahrbahn nicht beunruhigend, da er im ungefähren Branchendurchschnitt liegt», sagt ein Sprecher auf Anfrage der «NZZ am Sonntag». Die Sicherheit sei jederzeit gewährleistet, es gebe keine akut kritischen Anlagen.

Dennoch sei der Rückstand beim Netzunterhalt aufzuholen. Der Nachholbedarf bei der Fahrbahn stieg über die Jahre kontinuierlich und beläuft sich mittlerweile auf 1,687 Milliarden Franken. Bundesrat und Parlament haben Beiträge für die künftigen Jahre bereits um mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr erhöht.

Grund für den markanten Nachholbedarf sei, dass die Züge mit immer höheren Geschwindigkeiten unterwegs sind, was eine intensivere Beanspruchung der Gleise und Weichen zur Folge hat. Zum anderen sei der Unterhalt jahrelange «sträflich vernachlässigt» worden, wie es im Bericht der «NZZ am Sonntag» weiter heisst.

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