King of Oil Marc Rich: «Jedes Geschäft, das legal ist, mache ich»
Aktualisiert

King of Oil Marc Rich«Jedes Geschäft, das legal ist, mache ich»

Der Zürcher Autor Daniel Ammann hat eine Biografie über den verstorbenen Rohstoffhändler Marc Rich geschrieben. Im Interview erinnert er sich an den «King of Oil».

von
Dino Nodari
Marc Rich (links) mit seinem Biograf Daniel Ammann.

Marc Rich (links) mit seinem Biograf Daniel Ammann.

Welche Eigenschaften haben Marc Rich zum Jahrhunderhändler gemacht?

Er hatte die Nase, was ein Geschäft werden könnte. Insbesondere beim Tagesmarkt für Öl. Und er hatte den Mut, seine Ideen umzusetzen. Zudem hat er auch mit schwierigen Ländern verhandelt. Was ihm zudem immer am Herzen lag, waren langfristige Geschäftsbeziehungen – Vertrauen war ihm wichtig.

Er hat aber auch von Boykotten profitiert. Wie stand es um sein Unrechtsbewusstsein?

Marc Rich sagte mir einmal: «Jedes Geschäft, das legal ist, mache ich.» So gesehen hatte er ein Unrechtsbewusstsein. Aber er hat sicher auch Geschäfte gemacht, die andere nicht gemacht haben. Ein anderes Statement von ihm in diesem Zusammenhang ist: «Ich bin Händler und kein Politiker. Politik interessiert mich nicht.» Er hat aber sicher viel mehr geleistet, als nur von Boykotten zu profitieren.

Wie lief Ihre erste Begegnung mit Marc Rich ab?

Das war relativ unspektakulär in seinem Büro. Marc Rich war kein Mann vieler Worte und ich musste mich zuerst an seine sanfte Stimme gewöhnen, ich habe ihn beinahe nicht verstanden. Es bleibt mir ein bescheidener, unprätentiöser Auftritt in Erinnerung.

Was heisst das?

Er ist nicht grossspurig aufgetreten und vermittelte nicht das Bild eines mächtigen Mannes. Marc Rich interessierte sich für mich und er hatte Schalk und Charme.

Gibt es dazu eine Anekdote?

Als Obama zum Präsidenten gewählt wurde, sagte ich zu Marc Rich, dass mich Obamas Geschichte an die seinige erinnere. Darauf erwiderte er selbstironisch: «Aber ich war nur das schwarze Schaf» (I was only the black sheep).

Welche Leistungen hat Marc Rich für die Schweiz erbracht?

Glencore ist sicher sein Vermächtnis. Den Rohstoffhandel gäbe es in dieser Form nicht in der Schweiz ohne Marc Rich. Und diese Branche ist wirtschaftlich wichtig.

Wie wird Ihnen die Person Marc Rich in Erinnerung bleiben?

Einmal besuchte ich ihn in St. Moritz und auch seine Enkel waren dabei. Es war sehr bewegend zu sehen, wie herzlich ein so taffer Händler mit seinen Enkeln umgeht.

King of Oil

Als Sohn deutschsprachiger Juden floh Marc Rich während des Zweiten Weltkriegs in die USA und stieg in den Rohstoffhandel ein. In den Siebzigerjahren brach er das Kartell der grossen Ölkonzerne und wurde in den USA wegen «Handels mit dem Feind Iran» und wegen Steuervergehen verfolgt. In der Schweiz, wo er seit seiner Flucht aus den USA lebte, blieb er trotz heftiger medialer Kritik unbehelligt. In der 2010 erschienen Biographie King of Oil (Orell Füssli Verlag), nahm er erstmals Stellung zu den Vorwürfen.

Daniel Ammann erhielt für sein Marc-Rich-Porträt den renommierten Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik.

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