Strafgericht BS: Folterverhör im Hotelzimmer – sechs Jahre Haft für Gewaltexzesse an Ex-Freundin
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Strafgericht BSFolterverhör im Hotelzimmer – sechs Jahre Haft für Gewaltexzesse an Ex-Freundin

Ein 42-jähriger Mann hatte seine Ex-Freundin in einer von Gewalt geprägten Beziehung beinahe umgebracht. Jetzt wurde der Ungare zu über sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

von
Lukas Hausendorf
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Das Basler Strafgericht verurteilte am Mittwoch einen schwerst gewalttätigen Mann, der seine Ex-Freundin beinahe getötet hatte, zu sechs Jahren und einem Monat Haft.

Das Basler Strafgericht verurteilte am Mittwoch einen schwerst gewalttätigen Mann, der seine Ex-Freundin beinahe getötet hatte, zu sechs Jahren und einem Monat Haft.

Kanton BS
Im Juli 2021 legte er seine bewusstlose Ex-Freundin bei dieser Garageneinfahrt ab und wurde kurze Zeit darauf verhaftet. 

Im Juli 2021 legte er seine bewusstlose Ex-Freundin bei dieser Garageneinfahrt ab und wurde kurze Zeit darauf verhaftet. 

Dominik Plüss
Zuvor kollabierte die damals 25-Jährige im Keller einer nahe gelegenen Wohnliegenschaft. In der Nacht zuvor hatte er der Frau schwerste Gewalt angetan.

Zuvor kollabierte die damals 25-Jährige im Keller einer nahe gelegenen Wohnliegenschaft. In der Nacht zuvor hatte er der Frau schwerste Gewalt angetan.

Dominik Plüss

Darum gehts

  • Am Mittwoch verurteilte das Basler Strafgericht einen 42-jährigen Ungarn zu sechs Jahren und einem Monat Haft.

  • Der Mann hatte seiner Ex-Freundin schwerste Gewalt angetan und beinahe getötet. 

  • Obwohl die 26-jährige Frau sich vor Gericht kaum erinnern und ihren Ex-Freund nicht belasten wollte, sprachen die Beweise eine klare Sprache.

«Das Würgen war akut lebensgefährlich, das tut man, wenn man jemanden mit blossen Händen töten will. Jedes Kind weiss das», hielt Gerichtspräsidentin Katharina Giovannone dem Beschuldigten vor. Dieser sass regungslos im Rollkragenpullover am Mittwochnachmittag dem Fünfergericht gegenüber, das ihn soeben zu sechs Jahren und einem Monat Haft verurteilt hatte. Der 42-jährige Ungare hatte seine wesentlich jüngere Ex-Freundin, eine ungarische Prostituierte, aufs schwerste misshandelt. Der Mann war bereits einschlägig vorbestraft und soll ebenfalls im Rotlichtmilieu tätig sein.

Seine Gewaltexzesse gipfelten letztes Jahr am 11. Juli in einem Zusammenbruch der 26-Jährigen in einem Keller einer Muttenzer Wohnliegenschaft. Daraufhin «entsorgte» er die vermeintlich leblose Frau vor einer Garageneinfahrt und wurde kurz darauf verhaftet.

Mit dem Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, Gefährdung des Lebens, mehrfacher schwerer Körperverletzung und weiterer Delikte geht auch ein achtjähriger Landesverweis gegen den Ungar einher. Zudem muss er Genugtuung über 10’000 Franken sowie Verfahrens- und Urteilskosten in der Höhe von 60’000 Franken ausrichten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren.

«Verhör» mit Foltermethoden im Hotel

Am Tag vor seiner Verhaftung hatte er seine Ex-Freundin in einem Hotelzimmer in Basel «verhört» und schwerste Gewalt angetan. Die Verletzungen sind teilweise auf Video dokumentiert, weil er das «Verhör» auf Video aufgezeichnet hatte. «Man sieht, dass sie verletzt ist und Blut auf der Bettwäsche ist», so Giovannone. Nebst Faustschlägen hatte er sie in den «Verhörpausen» auch mit dem WC-Deckel und Föhn geschlagen. Zudem hatte er sie mehrfach gewürgt. Ein Gutachten bestätigte später, dass ein Tod infolge einer Hirnblutung nahe war. Nach der Folter im Hotel brachte er das Opfer nach Muttenz, wo sie dann im Keller einer Bekannten des Beschuldigten kollabierte.

Erst wenige Tage zuvor war die 26-Jährige noch in einem Schutzhaus gewesen, wohin sie gebracht wurde, nachdem sie Anfang Mai vom Balkon ihrer Wohnung in Basel gesprungen war. Gemäss Anklage erfolgte dieser Sprung aus Verzweiflung, weil sie keinen anderen Ausweg sah, um von ihrem gewalttätigen Freund zu flüchten. Das Gericht kam hier allerdings zu einem anderen Schluss. Kurz vor dem Sprung sei der Mann noch rauchend auf dem Balkon gesichtet worden, da habe sich die Situation also beruhigt gehabt. Sie hatte ihm ausserdem mit Suizid gedroht, falls er sie verlasse, wie Textnachrichten belegten. «Dermassen hing sie an ihm.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

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