10.08.2017 12:23

Kässeli 4.0Jedes Mal Geld sparen, wenn Trump tweetet

Eine App soll auf witzige Art zum Sparen verleiten. Jeder kann seine Regeln festlegen. Die Frage ist nur: Was passiert mit den privaten Daten?

von
Isabel Strassheim
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Mit sogenannten Smooves kann jeder seine Sparbedingungen festlegen: Zum Beispiel, bei jedem Trump-Tweet 60 Cent abzubuchen.

Mit sogenannten Smooves kann jeder seine Sparbedingungen festlegen: Zum Beispiel, bei jedem Trump-Tweet 60 Cent abzubuchen.

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Die Gründer des Frankfurter App-Start-ups Savedroid - mit Hund: Yassin Hankir, Mark Trautmann und Tobias Zander.

Die Gründer des Frankfurter App-Start-ups Savedroid - mit Hund: Yassin Hankir, Mark Trautmann und Tobias Zander.

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Das Sparschwein wandert damit quasi ins Handy.

Das Sparschwein wandert damit quasi ins Handy.

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Plötzlich wird Trump zum persönlichen Sparfaktor: Jedes Mal, wenn der US-Präsident etwas auf Twitter kundtut, können Nutzer der Savedroid-App einen bestimmten Geldbetrag auf ihr Sparkonto überweisen lassen. Dieses Sparmodell sei sehr beliebt, sagt Yassin Hankir zu 20 Minuten. Laut dem App-Gründer zieht auch das Sparen per Sport: Wer eine bestimmte Schrittzahl am Tag nicht gelaufen ist, kann sich ebenso automatisch Geld auf die Seite legen lassen.

Rund 200'000 haben sich die App Savedroid in Deutschland heruntergeladen, ob es auch von allen genutzt wird, sagt Hankir allerdings nicht. Die App gibt es seit vergangenem Herbst und sie könnte demnächst auch in die Schweiz kommen. Sie überweist bei frei wählbaren Ereignissen vorher festgelegte Beträge vom eigenen Lohnkonto auf ein eigenes Online-Sparkonto der Wirecard Bank. «Für die allermeisten ist es schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden, deswegen automatisieren wir das Sparen», sagt Hankir. Vor allem Junge will er damit ansprechen.

Zugriff aufs Lohnkonto

«Anders als bei Banken steht bei uns nicht das Finanzprodukt im Vordergrund, sondern der Zweck des Sparens», sagt Hankir. Die App-Nutzer legen neben dem Zielbetrag auch die anvisierte Verwendung des Geldes fest. Meist sind dies Ferien, ein Ocassionsauto oder Heimelektronik wie TV, Laptop oder Smartphone. Zinsen gibt es derzeit beim Wirecard-Konto nicht. Bei den meistverwendeten Zielsummen zwischen 2000 und 10'000 Euro über einen Zeitraum von sechs bis 18 Monaten fällt die Rendite ohnehin nichts ins Gewicht.

Die App verlangt Zugriff auf das persönliche Lohnkonto. Um an an die Sparbeträge zu kommen – oder auch, um einen Autopiloten zu ermöglichen. Dann werden die Sparraten nicht bei bestimmten Ereignissen fällig, sondern ein Algorithmus analysiert, wie viel Geld zum Abzwacken überhaupt da ist: Durch die Kontoüberwachung werden Einnahmen und zu erwartende Ausgaben abgeglichen und Überbeträge in kleinen Raten abgeschöpft.

Was passiert mit den Daten?

Die deutschen Datenschutzbestimmungen hält die App ein, hat die Prüfstelle TÜV Saarland zertifiziert. Dies gilt auch für den etwaigen Zugriff auf den Schrittzähler/Fitnesstracker oder das Handy-GPS. Denn die Nutzer können Sparen auch mit einer Zahlung beim Besuch eines Fast-Food-Ladens verknüpfen: Beim Verschlingen eines Hamburgers wird dann jedes Mal ein Batzen fällig.

Savedroid nutzt die Daten. Das Start-up gibt sie zwar nicht an Dritte weiter, aber sie ermittelt anhand der gesammelten Daten den günstigsten Handy- und Stromvertrag mit Hilfe eines Vergleichsportals. Die Nutzer bekommen dann ein Angebot. Schliessen sie einen neuen Vertrag ab, erhält Savedroid eine anbieterunabhängige Provision.

Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz findet dies problematisch: «Apps locken zwar mit neuen, witzigen Angeboten, wollen aber im Grunde nur an die Daten, um mit diesen Geld zu machen.» Um Budget-Disziplin zu lernen oder zu sparen, gebe es sichere Methoden. Auch wer keine Schulden habe, könne sich etwa bei der Budgetberatung Hilfe oder Informationen holen.

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