Stadtzürcher Sozialhilfe: Jedes neunte Kind von Sozialhilfe abhängig
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Stadtzürcher SozialhilfeJedes neunte Kind von Sozialhilfe abhängig

Jedes 9. Stadtzürcher Kind unter 18 Jahren lebte im Jahr 2008 von Sozialhilfe. Bei den Erwachsenen hat jeder 19. mindestens einmal Gelder vom Amt bezogen.

Im Dezember 2008 bezogen 8111 Personen Sozialhilfe, 2007 waren es 8486. Im vergangenen Jahr kamen 3858 neue Fälle dazu, während innerhalb von 12 Monaten rund 3900 abgelöst wurden. Rund ein Drittel der neuen Fälle wird innerhalb der ersten 6 Monate wieder abgelöst, wie das städtische Sozialdepartement am Freitag mitteilte.

Weniger 18- bis 25-Jährige betroffen

Im Jahresdurchschnitt erhielten 3,7 Prozent der Bevölkerung der Stadt Zürich Sozialhilfe, 2007 waren es 4,3 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung, die 2008 mindestens einmal Sozialhilfe bezog, sank von 6 auf 5,4 Prozent.

Die Struktur der Sozialhilfebezüger veränderte sich 2008 nur wenig. Im vergangenen Jahr lebte ebenso wie 2007 jedes 9. Kind unter 18 Jahren von Sozialhilfe. Bei den 18- bis 25-Jährigen sank die Quote von 7,3 auf 6,3 Prozent.

Unrechtmässiger Bezug

Im Jahr 2008 forderte die Stadt in 650 Fällen Sozialhilfeleistungen in der Höhe von über 2000 Franken zurück. Insgesamt waren es 6,6 Millionen Franken, was 2,6 Prozent der gesamten Unterstützungsleistungen von 256,5 Millionen Franken entspricht. 2007 waren 5,7 Millionen zurückgefordert worden.

118 Mal mussten Sozialhilfebezüger Geld zurückgeben, weil sie es zweckentfremdet hatten, also beispielsweise um Schulden zu zahlen statt die Miete oder die Krankenkassen-Prämien zu begleichen. 532 Rückforderungen betrafen unrechtmässige Bezüge. In 48 dieser Fälle wurde Strafanzeige wegen Betrugs erstattet (2007: 40 Fälle).

Erfolgreiche Inspektoren

Die Sozialbehörde bewilligte bis Ende 2008 insgesamt 235 Ermittlungsaufträge. Das seit 1. Juli 2007 tätige Inspektorat schloss bis zu diesem Zeitpunkt 160 davon ab, wobei sich in 101 Fällen der Anfangsverdacht bestätigte.

Die häufigsten Sachverhalte waren nicht deklarierte Einkommen oder Nebeneinkünfte, nicht deklarierter Fahrzeugbesitz, falsche Angaben zur Haushaltgrösse und nicht deklarierte Vermögenswerte.

Die Hinweise, die zum Einsatz des Inspektorats führten, kamen zu 60 Prozent von Leuten, die in die Bearbeitung eines Falles involviert sind. 40 Prozent gingen von Ämtern (AHV, Polizei) und der Bevölkerung (Familienangehörige, Drittpersonen) ein.

Am meisten Einsätze mussten die Inspektoren bei Personen mit Migrationshintergrund leisten. Diese Quote liegt bei 81 Prozent. Dies sei «enorm hoch», sagte Urs Lauffer, Präsident der Sozialbehörde, vor den Medien. Grundsätzlich habe sich das Inspektorat bewährt. Auch dürfte es eine präventive Wirkung haben, so Lauffer.

Sozialbehörde wird nicht abgeschafft

Lauffer und Stadtrat Martin Waser (SP), Vorsteher des Sozialdepartementes, gaben am Freitag auch bekannt, dass man sich im Streit um Struktur und Organisation der Sozialbehörde geeinigt habe. Vorgeschlagen werde nun ein Modell, hinter dem beide stehen könnten.

Die Sozialbehörde, ein Milizgremium, soll nicht abgeschafft, aber reformiert und professionalisiert werden. Weiterhin zuständig bleibe die Sozialbehörde beispielsweise für die Bewilligung eines Inspektoren-Einsatzes. Das letzte Wort über das neue Modell der Sozialbehörde hat das Stadtzürcher Stimmvolk. (sda)

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