Aktualisiert 02.08.2012 15:44

OffengelegtJedes zehnte Facebook-Profil ist ein Fake

Das soziale Netzwerk präsentiert erstmals detaillierte Nutzungszahlen. Über eine halbe Milliarde Menschen schaut täglich bei Facebook vorbei. Allerdings gibt es auch 80 Millionen Geisterprofile.

von
owi

Mit 955 Millionen aktiven Nutzern kann Mark Zuckerberg schon bald die Korken knallen lassen – bis Ende Jahr könnte die Milliarden-Grenze geknackt sein. Doch was heisst aktive Nutzer eigentlich? Für das soziale Netzwerk ist ein Mitglied aktiv, wenn es sich innert eines Monats mindestens einmal anmeldet. Laut Facebook ist dies bei über 2,5 Millionen Schweizern der Fall. Über die Hälfte der weltumspannenden Community schaut gar mindestens täglich bei Facebook vorbei - konkret zählt der Planet Erde 552 Millionen «Facebooksüchtige».

Mobile ist Trumpf

Seit Zuckerbergs Netzwerk an der Börse ist und die Investoren Transparenz verlangen, veröffentlicht der Konzern detaillierte Mitgliederzahlen. Aus dem aktuellen Geschäftsbericht gehe beispielsweise hervor, dass bereits 543 Millionen Facebooker über ihr Smartphone oder Tablet chatten, News teilen oder Fotos kommentieren, schreibt der Tech-Blog «CNET». Rund 20 Prozent davon – 102 Millionen – greifen ausschliesslich über ihr Mobilgerät auf das soziale Netzwerk zu.

Über neue Rekordwerte bei ihren Mitgliederzahlen geben Facebook, aber auch Google und Twitter, gerne und oft Auskunft: So vermeldete der Suchmaschinenriese im April 2012 170 Millionen Nutzerkonten, im Juni sollen es bereits 250 Millionen gewesen sein und Twitter soll gar eine halbe Milliarde Profile zählen. Zur Erinnerung: Die Rede ist von Nutzerprofilen, die Zahl der aktiven User dürfte deutlich geringer ausfallen. Es erstaunt daher nicht, dass die Kommunikation bezüglich inaktiver Profile bei Google weit zurückhaltender ausfällt. Mit gutem Beispiel voran – wenn auch nicht freiwillig – geht nun der Branchenprimus:

83 Millionen Fake-Profile

Um den Informationshunger der Anleger zu stillen, hat Facebook erstmals ausführliche Angaben über Fake-Profile veröffentlicht. Der Konzern schätzt, dass 8,7 Prozent - oder 83 Millionen Nutzerkonten - keine echten Konten sind. Damit hat Facebook seine Schätzung massiv noch oben revidiert. Im März sprach der Konzern erst von fünf bis sechs Prozent Mehrfachkonten. Die Korrektur bedeutet nicht zwingend, dass in den letzten Monaten mehr gefälschte Profile erstellt worden sind. Vielmehr schaut Facebook seit dem Börsengang genauer hin und eliminiert Fake-Konten konsequenter aus der Statistik.

Facebook unterscheidet nun zwischen mehreren Kategorien von Fake-Profilen: Als Mehrfachkonten zählen Profile, die ein User zusätzlich zu seinem Profil nutzt. Die Zahl der Mehrfachkonten wird auf 4,8 Prozent geschätzt, was 46 Millionen Benutzerkonten entspricht. Bei 24 Millionen Konten handelt es sich um Profile, die von einer Privatperson beispielsweise für eine Unternehmung oder ein Haustier angelegt worden sind. Weitere rund 14 Millionen Profile verstossen gegen die Nutzungsbedingungen, weil sie etwa für Spam-Aktivitäten missbraucht werden.

Sämtliche Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, da Facebook selbst von «inhärenten Herausforderungen bei der Messung der Nutzung von weltweit grossen Online- und Mobile-Nutzerzahlen» spricht. Im Klartext: Auch Facebook kann nur schätzen, wie viele Konten echt sind.

Transparenz für die Anleger

Die neuste Informationsoffensive erfolgt kaum freiwillig. Der Social-Media-Gigant steht unter enormen Erfolgsdruck: Beim Börsengang im Mai bezahlten die Anleger 38 Dollar für eine Facebook-Aktie. Jetzt hat sie mit 20,84 Dollar ein neues Tief erreicht. Die neue Transparenz soll die Investoren offenbar davon überzeugen, dass Facebook künftig mit fast einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer Gewinne erwirtschaften kann.

Für die Unternehmen, die im weltweit grössten sozialen Netzwerk Werbung schalten, sind insbesondere die 552 Millionen Hardcore-Facebooker interessant, die keinen Tag ohne auskommen. Davon stammen 154 Millionen aus Europa und «nur» 130 Millionen aus den USA und Kanada. Das grösste Wachstum verbucht Zuckerbergs Community in Asien, wo sich bereits 129 Millionen Menschen jeden Tag einloggen.

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