17.11.2020 14:42

Neue StudieJedes zweite Corona-positive Kind steckt die Familie an

Viele Wissenschaftler gingen bisher davon aus, dass Kinder ein tiefes Corona-Ansteckungsrisiko darstellen. Eine amerikanische Studie beweist jetzt das Gegenteil.

von
Leo Hurni
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Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben eine neue Studie zum Ansteckungsrisiko von Kindern veröffentlicht. 

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben eine neue Studie zum Ansteckungsrisiko von Kindern veröffentlicht.

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Die Forscher kommen zum Schluss, dass rund die Hälfte aller untersuchter Kinder mit Corona weitere Familienmitglieder anstecken.

Die Forscher kommen zum Schluss, dass rund die Hälfte aller untersuchter Kinder mit Corona weitere Familienmitglieder anstecken.

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Für Jugendliche, die positiv getestet wurden, besteht eine Gefahr von 38 Prozent, dass sie weitere Familienmitglieder anstecken.

Für Jugendliche, die positiv getestet wurden, besteht eine Gefahr von 38 Prozent, dass sie weitere Familienmitglieder anstecken.

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Darum gehts

  • Eine neue Studie zeigt, dass Kinder ein höheres Ansteckungsrisiko darstellen als bisher gedacht.

  • Gemäss der Studie steckt jedes zweite positiv getestete Kind unter 12 weitere Familiemitglieder an.

  • Das Bundesamt für Gesundheit geht bisher davon aus, dass Kinder selten das Coronavirus übertragen.

Forscher der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben in einer Studie herausgefunden, dass auch Kinder unter 12 Jahren bei positivem Corona-Test ein hohes Ansteckungsrisiko darstellen. In jedem zweiten Haushalt, in dem ein Kind an Corona erkrankte, wurde mindestens ein weiteres Familienmitglied angesteckt. Die Ansteckungsrate bei Kindern unter 12 lag bei 53 Prozent. Kinder zwischen 12 und 17 steckten weniger Familienmitglieder an: In rund 38 Prozent aller Fälle wurden Eltern oder Geschwister angesteckt. Das Ansteckungsrisiko sei am höchsten in den ersten fünf Tagen nach Symptombeginn.

Die Studie empfiehlt, dass bei einem positiven Corona-Fall in den eigenen vier Wänden die positive Person sich sofort ins eigene Zimmer in Isolation begeben soll. Wenn möglich soll sie auch ein eigenes Badezimmer benutzen. Alle Haushaltsmitglieder sollen zudem eine Maske tragen, wenn der Sicherheitsabstand in der Wohnung nicht eingehalten werden kann. Zudem sollten enge Kontakte der infizierten Person sich in Quarantäne begeben. Insgesamt stellen die Forscher fest: Das Risiko einer Übertragung von Corona im eigenen Haushalt ist hoch und kann sowohl von Erwachsenen als auch von Kinder ausgehen.

Schweiz sieht das anders

Die Sorge, dass auch Kinder zur Übertragung des Coronavirus beitragen, zeigt sich auch in der Schweiz. Immer mehr Eltern und Schüler fordern, dass auf Homeschooling umgestellt wird oder und eine generelle Maskenpflicht an allen Schulen eingeführt wird, wie 20 Minuten kürzlich berichtete. Auch Epidemiologie-Professorin Olivia Keiser von der Uni Genf äusserte bereits Bedenken zu der Rolle von Kindern in der Übertragung. «Kinder spielten eine wichtige Rolle in der Verbreitung des Virus. Es würde mich nicht erstaunen, wenn die Kinder auch ein Grund für den grossen Fallanstieg in den letzten Wochen wären», so Keiser gegenüber 20 Minuten.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sagt zum Übertragungsrisiko durch Kinder: «Kinder unter 12 Jahren werden meist von erwachsenen Personen mit dem neuen Coronavirus angesteckt. Sie selbst übertragen das Virus jedoch selten auf andere Personen. Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene tragen vermehrt zur Übertragung des Virus bei.» Daniel Dauwalder, Pressesprecher des BAG, sagte auf Anfrage: «Es erscheinen täglich neue Studien zu Covid-19. Wir verfolgen die Entwicklung und passen unsere Empfehlungen, falls nötig, an.»

Hintergrund der Studie

Die Studie wurde von mehr als zehn verschiedenen Autoren verfasst und erschien im Namen der Centers for Disease Control and Prevention (CDC, zu deutsch: Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention). Die CDC sind eine Behörde des amerikanischen Gesundheitsministeriums. Ziel ist der Schutz der öffentlichen Gesundheit. Die Studie konzentrierte sich auf mehrere Staaten der USA und insgesamt 101 Haushalte, in denen eine Person an Corona erkrankte. Teilnehmer der Studie konnten sich melden, wenn sie innerhalb von sieben Tagen Corona-Symptome bemerkten und positiv getestet wurden. Zudem musste sich mindestens ein gesunder Mitbewohner noch im Haus befinden.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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1764 Kommentare
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Joe

18.11.2020, 17:44

Für Alles und Jedes eine Studie. Dann das Ganze in den Medien ganz groß aufblasen und sich nachher darüber wundern warum es nicht vorwärts geht. Die Verunsicherung wächst mit jeder unnötigen Info und das Leben wird von Stunde zu Stunde träger bis am Schluss fast alle eingeschlafen sind.

Konrat

18.11.2020, 16:27

Studien im Tagestakt von Unis, Instituten, die sich auch noch gerne profilieren möchten: Hier werden die Kinder als Virenverteiler in den Fokus gestellt. Wer da noch die Übersicht behalten möchte, bekundet Mühe. Aber immer noch gilt das schlechte Märchen, dass Covid-positiv resp. die "Fälle" krankmachend, ansteckend und infektiös sind. Und dass die (Schnell-)Tests sehr fehlerhaft sind, wird gerne verschwiegen. BAG-Statistiken zeigen auf (Erkrankte, Verstorbene, Intensivbettenbelegung u.a.), dass wir nicht in einer Pandemie, sondern in einer dauernd angekündigten "Pandemie" leben. Die derzeitige Erhöhung der saisonalen (Grippe-)Erkrankungen hat jedes Jahr stattgefunden, mit einem Unterschied: es wurde damals nicht getestet. Und wenn man jetzt massiv testet und (Falsch-)Resultate hat, kann man die "Pandemie" hochhalten, und zwar mit den "Fällen". Ein Hauptproblem ist die tägliche Verwirrungs-Informationspolitik in den Mainstreammedien. Also: unabhängige Medienkanäle konsultieren.

Amythis

18.11.2020, 15:01

Die BAG-Beamten haben schon immer frei von Fakten fabuliert. Masken nützen nichts, Kinder seien keine treibende Kraft bei der Seuche und sollen in die Schule gehen; Covid-Übertragung nur via Tröpfchen, aber nicht via Aerosole, usw. usf. Die medizinischen Experten haben sich immer wieder gewundert, auf welchen wissenschaftlichen Studien basierend solche Aussagen gemacht werden.